Bücher 2018 Neuerscheinungen
Schnapp dir einen unserer Buchtipps und mach es dir auf dem Sofa gemütlich! | Foto: Alisa Anton/Unsplash
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02. Okt 2018

Hannah Jäger

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Bücher 2018

Sechs Buchtipps für graue Regentage

Slam it, Baby: Poetische Wortkunst mehr Selbstliebe an grauen Tage

Keine Ahnung, ob das Liebe ist

Selbst Gedichtsmuffel, die im Deutschunterricht an der Interpretation verzweifeln, dürfen sich diese Herbstnovität nicht entgehen lassen. Durch nachdenkliche Stöber-Regentage begleiten uns moderne Poesie und eine Sprachgewalt, die stärker als jedes Unwetter ist! Julia Engelmann ist wortwörtlich über Nacht zum Lebensgefühl geworden. Mit "Eines Tages, Baby" berührte die junge Slam-Poetin Millionen Menschen. Diesen Herbst erscheint bereits ihr vierter Roman. Auch wenn Julia Engelmann sich denkt: "Keine Ahnung, ob das Liebe ist", sind wir uns sicher, dass es Buchliebe auf den ersten Blick ist. Unsererseits zumindest. Niemandem gelingt es so wie ihr, Gefühle mithilfe von wenigen Worten zu transportieren. Zwischen den Zeilen findet man die eigenen Ängste und Sehnsüchte wieder. Eine neue Ladung rhythmischer Texte, die Mut machen, zum Nachdenken anregen und die Lebenslust (neu-)entfachen. Die perfekte Lektüre gegen den Herbstblues!

Geheimtipp für Hörbuchfans: Hör dir parallel zum Lesen das Album "Poesiealbum" auf Spotify an. Wir sind uns sicher, dass du dich sofort verlieben wirst – und Julia Engelmanns Songs auf der Tour live hören willst.

"Keine Ahnung, ob das Liebe ist" von Julia Engelmann ist im Goldmann Verlag erschienen und kostet 8 Euro. 


Die Blüten der Sonne

Lesetipps 2018 Herbst Die Blüten der SonneEine weitere junge Frau hat sich in unser Herz geschrieben. Rupi Kaur ist ebenfalls ein Internetphänomen – denn ganz Instagram scheint ihre kurzen Gedichte zu lieben. Die indisch-kanadische Dichterin gibt tiefe Einblicke in seelische Abgründe und wurde mit ihrer Gedichtsammlung "milk and honey" international bekannt. Der Fischer Verlag probierte es nun: Ihr zweiter Gedichtband "the sun and her flowers" wurde kürzlich ins Deutsche übersetzt. Ein waghalsiges Experiment, das sehr gelungen ist. Die Emotionalität und die feministischen Messages bleiben auch in "Die Blüten der Sonne" erhalten. Rupi Kaur bewegt, geht unter die Haut und zeigt allen Frauen, dass frau auch abseits von gesellschaftlichen Normen gut genug ist. Honey für die Seele!

"Die Blüten der Sonne" von Rupi Kaur ist im Fischer Verlag erschienen und kostet 16 Euro.


Zum Zeit vergessen: Zeitreisen durch die Jahrhunderte

Wie man die Zeit anhält

Buchtipps Herbst 2018 Wie man die Zeit anhältDu hast im Geschichtsunterricht Mühe die Augen offenzuhalten, wenn dein Lehrer Jahreszahlen herunterrattert? Tom Hazard beweist, dass es auch anders geht. Der Protagonist aus "Wie man die Zeit anhält" lehrt Geschichte so lebendig wie kein anderer. Und das hat einen guten Grund: Der verschrobene 40-jährige Einzelgänger ist in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Die Elisabethanische Ära in England, die Roaring Twenties in Paris voller Jazz – all das hat er selbst erlebt. Doch das darf niemand wissen – und so hat Tom Hazard noch nie einen Menschen lieben dürfen. Doch dann begegnet er Camille. Wie wäre es, unsterblich zu sein? Lernen wir aus den Fehlern der Vergangenheit? Poetisch und zugleich unterhaltend: Matt Haig hält mehr als ein Meet and Greet mit Shakespeare bereit. Verpackt in eine fantasievolle und doch historische Geschichte, wartet Matt Haig mit den großen Fragen auf. Ein Werk, das uns schnell in seinen Bann gezogen hat – und durch die Seiten und Jahrhunderte nur so fliegen hat lassen.

Unser Tipp: Falls du einen Geschichtslehrer hast, der spannenden Unterricht macht, solltest du ihn vielleicht diskret fragen, ob er ein Zeitreisender ist.

"Wie man die Zeit anhält" von Matt Haig ist im dtv Verlag erschienen und kostet 20 Euro.


Für Rebellinnen: Von großen Träumen einer kleinen Autorin

Weit weg von Verona

Buchneuerscheinungen 2018 Herbst Weit weg von Verona"Die Kindheit ist eine schreckliche Zeit", davon ist die 13-jährige taffe Heldin von Jane Gardam fest überzeugt. Dass Heranwachsen gar nicht so leicht ist, wie alle Erwachsenen behaupten, zeigt dieser großartige Coming-of-Age-Roman. Die Hauptfigur Jessica verbringt ihre freien Nachmittage am liebsten in der Bücherei, sagt aus Prinzip immer die Wahrheit und möchte später Schriftstellerin werden. "Weit weg von Verona" ist der Erstling der bereits 90-jährigen Bestsellerautorin Jane Gardam, der nun endlich hierzulande übersetzt wurde. Der energiegeladene Roman spielt im Zweiten Weltkrieg und wurde von Gardam bereits 1971 geschrieben. Dennoch beweist die Britin wieder einmal, dass ihre Romane zeitlos sind – und in jedem Alter verschlungen werden können. Jessica ist eine der fantastischsten Protagonistinnen – absolut unangepasst und eine bedingungslos ehrliche Haut. Ein Lesevergnügen mit viel Humor und wahrer Stärke!

"Weit weg von Verona" von Jane Gardam ist bei Hanser Berlin erschienen und kostet 22 Euro. 


Action-Bücher 2018: Abenteuer-Roadtrip quer durch Deutschland

Tankstellenchips: Ein Heldenepos

Bücher für den Herbst 2018 Tankstellenchips Ein HeldeneposEinen beobachteten Einbruch, ein geklautes Auto und viele Kühe später: Vorhang auf für die beiden ungleichen Helden Sean und Davy. Nur dass deren Leben ganz und gar nicht heldenhaft abläuft. Den iranischen Flüchtling Sean und den lispelnden Davy verbindet nichts – außer, dass sie beide aus einem Heim kommen. Und dorthin nicht mehr zurückkönnen. Mit dem frisch erschienenen Road Novel "Tankstellenchips: Ein Heldenepos" kommt garantiert keine Langeweilie auf. Der preisgekrönten Jugendbuchautorin Antonia Michaelis gelingt ein unverwechselbarer Schreibsound. Aus der Sicht eines Geflüchteten nimmt Michaelis den Leser mit auf eine Reise quer durch Deutschland – das ist klug, skurril, witzig und herzerwärmend zugleich.

"Tankstellenchips: Ein Heldenepos" von Antonia Michaelis ist im Oetinger Verlag erschienen und kostet 18 Euro. 


Für mehr Freiheit: Humorvolles Sachbuch zum Mitschreiben

Die letzten Tage des Patriarchats

Lektüre für den Herbst Die letzten Tage des PatriarchatsFeminismus ist mehr als ein Girlpower-Shirt oder das Eisbrecher-Thema auf der nächsten WG-Party. Das beweist auch Margarete Stokowski in "Die letzten Tage des Patriarchats" auf hervorragende Art und Weise. Die Spiegel-Online-Kolumnistin will da Staub aufwirbeln, wo es sowieso schon dreckig ist. In ihrem zweiten Buch analysiert die Autorin den Umgang mit Macht, Sex und Körpern. Von der #metoo-Debatte bis hin zu Rechtspopulismus – die Deutsch-Polin schreibt bissig und dennoch humorvoll. Mit ihrem jugendlichen Schreibstil schreit Stokowski quasi "Feministinnen sind humorlos" und setzt auf ihre typische Art einen ironischen Zwinkersmiley dahinter. Selten haben wir in einem Buch so viele Sätze unterstrichen. Und uns gleichzeitig bei einem Sachbuch so gut unterhalten gefühlt. Wer fragt, ob wir den Feminismus heutzutage noch brauchen, dem liefert Stokowskis Texte und  Antworten. Und diese Antworten machen gleichzeitig wütend und Mut. Ein Buch, das jede und jeder lesen sollte – nicht nur im Herbst, sondern immer wieder und wieder.

"Die letzten Tage des Patriarchats" von Margarete Stokowski ist im Rowohlt Verlag erschienen und kostet 20 Euro. 


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