eigenverantwortung beim datenschutz im internet
Beim Datenschutz im Internet ist Eigenverantwortung gefragt. | Foto: Thinkstock/SbytovaMN
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16. Nov 2015

Sandra Ruppel

Apps & Internet

Datenschutz: Es liegt in deiner Hand!

Was du von dir preisgibst, entscheidest du selbst

Eigenverantwortung beim Datenschutz

So sieht das auch Jan Philipp Albrecht. Der EU-Politiker setzt sich aktuell für ein europäisches Datenschutzgesetz ein, das es uns Usern erleichtern soll, unsere Privatsphäre zu schützen. So weit, zu sagen, dass wir die Finger ganz von datennutzenden Diensten lassen sollten, würde er aber trotzdem nicht gehen. Vielmehr fordert er, dass sich jeder selbst darüber bewusst werden sollte, was er im Netz – und damit unter Umständen auch mit den Geheimdiensten – teilen möchte.

Wir haben den jungen Politiker nicht nur zu seinem neuen Film "Democracy – Im Rausch der Daten" befragt, für den er von einer Filmcrew über zwei Jahre lang bei seiner Arbeit im Europäischen Parlament begleitet wurde, sondern die Gelegenheit auch genutzt, um mit ihm über das Thema Datenschutz zu sprechen.


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"Es ist wichtig, selbst für sich zu entscheiden, welche Daten man freigeben möchte"

UNICUM Abi: Jan, hast du das Gefühl, dass junge Leute einen geschärften Blick für das Thema Datenschutz haben, oder hast du den Eindruck, das geht an ihnen vorbei?
Jan Philipp Albrecht: Ich glaube, es ist ein Vorurteil, dass sich junge Leute nicht für Datenschutz interessieren oder dafür, dass ihre Rechte geschützt sind. Eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall. Gerade für junge Leute ist es zwar selbstverständlich, im Netz zu sein. Aber es ist für sie auch selbstverständlich, dass das Thema Datenschutz und ihre Rechte im Netz in der Politik eine wichtige Rolle spielen. Sie erwarten von der Politik auch, dass man sie schützt. Die Aussage, die von manch altem Politiker kommt, nach dem Motto: "Wenn ihr Angst habt, überwacht zu werden, dann geht halt nicht ins Internet!" ist vergleichbar mit der Aussage: "Wenn ihr Angst habt, überfahren zu werden, dann geht eben nicht auf die Straße!" – und das geht halt nicht.

Was können wir jetzt tun, um unsere Daten zu schützen? Müssen wir unseren WhatsApp- und Facebook-Account löschen und dürfen nichts mehr bei Amazon bestellen?
Nein, ich glaube, der schlechteste Tipp ist zu sagen: "Finger weg von datennutzenden Diensten." Der beste Tipp wiederum ist, dass man, wenn man solche Dienste nutzen möchte – also wenn man online shoppen oder ein soziales Netzwerk oder einen E-Mail Dienst nutzen will – sich überlegt, ob es zu dem Angebot, was da jeweils vorliegt, nicht noch eine bessere Alternative gibt: Nicht jeder muss mehr zu Facebook gehen – ist sowieso out – und auch zu WhatsApp gibt es mittlerweile Alternativen, die eben nicht ständig alles mit dem Kontaktbuch verknüpfen und Daten weiterverarbeiten. Wenn man dann zu einer Alternative wechselt, nimmt man am besten gleich den ganzen Freundeskreis mit. Man soll sich einfach nicht mehr erpressen lassen und als Verbraucher seine Verbrauchermacht auch wahrnehmen.

Und zu guter Letzt sollte man von der Politik einfordern, dass die eigenen Rechte wirklich geschützt werden. Man sollte klar machen, dass man von den eigenen Politikern erwartet, dass sie eben nicht nur die Interessen der Unternehmen berücksichtigen, die tolle Dienste verkaufen und einem abgestimmte Werbung schicken wollen, sondern dass man selbst Rechte hat, die berücksichtigt werden müssen.

Es ist wichtig, selbst für sich zu entscheiden, welche Daten man freigeben möchte und welche nicht. Da hat jeder so sein eigenes Gefühl, wir können nicht für die ganze Gesellschaft entscheiden, was nun eine Datenfreigabe ist, die für alle ok ist, und was nicht.

Wie siehst du die weitere Entwicklung hat in zehn Jahren jeder ein Hologramm mit Daten zur eigenen Person auf der Stirn?
Das hängt davon ab, wie wir uns als Gesellschaft entscheiden. Die Auseinandersetzung über die Datenschutzverordnung in der EU zeigt, dass es solche Stellschrauben gibt. Wenn wir heute sagen, wir wollen auch in Zukunft selber entscheiden, wie viel Transparenz in unserem Privatleben herrschen soll – gegenüber Unternehmen, Behörden oder wem auch immer – dann geht das in die eine Richtung. Und wenn wir entscheiden, wir finden es eigentlich ganz gut, wenn alle alles freigeben, dann entscheidet man sich eben dafür.

Nur, wenn wir uns für Letzteres entscheiden, dann muss man klar sagen, dass diejenigen Leute, die Informationen mitbringen, anhand derer man sie diskriminieren kann, auch stärker von Diskriminierung betroffen sein werden. Wenn ich zum Beispiel eine bestimmte Krankheit habe, dann kriege ich wahrscheinlich in Zukunft häufiger höhere Tarife bei den Krankenkassen. Oder wenn ich vielleicht eine bestimmte Extremsportart mache. Oder wenn ich aufgrund irgendwelcher Big Data Analysen in die Kategorie "rothaarig" falle, und es irgendeine Analyse gibt, die sagt, "Rothaarige fahren aggressiver Auto" – ich weiß nicht, ob das stimmt – dann kann es eben sein, dass dann plötzlich die Versicherung für mein Auto teurer wird. Ich glaube, darüber muss man nachdenken und für sich selbst entscheiden, ob man eine solche Gesellschaft möchte. Diese gestalten wir in der aktuellen Transformationsphase alle mit. Gerade die jüngeren Generationen, die sich da schon zu Hause fühlen, und wissen, welche Dynamiken im Internet stattfinden.


Drei sichere Alternativen zu WhatsApp & Co.

  • Hoccer: Die deutsche App ist kostenlos und du kannst sie nutzen, ohne deinen Namen, deine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse angeben zu müssen. Deine Texte, Fotos, Videos oder Sprachnachrichten werden Ende-zu-Ende verschlüsselt, das heißt, was mit der App verschickt wird, kann auch nur von denjenigen eingesehen werden, für die es bestimmt ist. Hoccer greift nicht auf dein Adressbuch zu.
     
  • Threema: Auch die Schweizer App kann anonym genutzt werden. Sie kostet zwar einmalig 2,49 Euro (für Android), ist dafür aber auch werbefrei. Mit Threema kannst du Texte, Bilder, Videos und Sprachnachrichten versenden sowie Gruppen einrichten, Telefonieren ist nicht möglich. Das Kontaktbuch wird nur auf Wunsch mit der App verknüpft.
     
  • Signal: Die App von Open Whisper Systems ist kostenlos und bietet ebenfalls einen hohen Grad an Sicherheit – so hoch, dass Edward Snowden sie bedenkenlos nutzt, wie er selbst auf Twitter verrät. Mit der App kannst du Nachrichten, Bilder und Videos Ende-zu-Ende verschlüsselt verschicken. Auch Telefonieren geht mit der App!
     
  • Du möchtest noch mehr darüber erfahren, wie du deine Daten besser schützen kannst? In unserem Artikel "Safety First: Daten im Internet schützen" haben wir 10 Tipps für dich zusammengestellt und verraten dir, wie du dich noch sicherer im Netz bewegst!

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