Meerjungfrau Natalie Grande
Meerjungfrau Natalie Grande in ihrem Element | Fotos: Neptune Pictures/Andreas Scholer

06.01.2016

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21. Okt 2014

Barbara Kotzulla

Abibuzz - Funstuff

Wie wird man eigentlich ... Meerjungfrau?

-ARCHIV-

Interview mit Schauspielerin, Stuntfrau und Nixe Natalie Grande

"Mittlerweile arbeite ich hauptberuflich als Meerjungfrau"

UNICUM: Natalie, war "Arielle, die Meerjungfrau" als Kind eigentlich dein Lieblingsfilm oder woher stammt deine Faszination für Meerjungfrauen?
Natalie Grande: Die Faszination für Meerjungfrauen war schon vor "Arielle" da, aber das war damals schon mein Lieblingsfilm, der auch viel ausgemacht hat. In meiner Kindheit habe ich in Berlin gewohnt und da gab es in einem Schwimmbad ein Fasching im Wasser. Zu diesem Anlass habe ich mir gewünscht, eine Meerjungfrau zu sein – und da hat mir meine Mutter dann ganz tolle Kostüme genäht. Mit diesen habe ich immer den ersten Preis für die beste Verkleidung gewonnen. Da war dann der Wunsch da: Wenn Wasser, dann Meerjungfrau.

Du bist also schon seit frühester Kindheit eine wirkliche Wasserratte?
Ich war immer im Wasser. Meine Eltern sind viel mit mir in den Süden ans Meer gefahren. Mehr oder weniger habe ich mein ganzes Kinderleben im Wasser verbracht – und dann auch immer Meerjungfrau gespielt. Ich kann mich da an Episoden erinnern, wo ich zu meinen Eltern gesagt habe, dass ich wirklich ein bisschen unter Wasser geatmet habe (lacht).

Du bist ausgebildete Schauspielerin und Musicaldarstellerin – wie und wann ist dir die Idee zur Meerjungfrauen-Performance gekommen? War es eher so etwas wie eine "spontane Eingebung" oder hat sich die Idee über Jahre und Projekte hinweg entwickelt?
Ich habe mich eine ganze Zeitlang von der Meerjungfrau verabschiedet und mich für die Bühne entschieden. Da es aber als Schauspielerin nicht immer einfach ist, habe ich angefangen, als Stuntfrau zu arbeiten. Dort habe ich mich wieder sehr auf den Wasserbereich spezialisiert. Nach jahrelanger Arbeit in dem Bereich wurde es mit aber zu blöd, immer nur im Hintergrund zu stehen: Ich wollte einfach etwas Cooles machen, etwas, das keiner so macht. Da hat mein Trainer eine Unterwasser-Show vorgeschlagen.

Und da hast du sofort wieder an die Meerjungfrauen gedacht?
Genau, daraufhin bin ich ins Grübeln gekommen und mir fiel die Idee mit diesem Kostüm aus meiner Kindheit wieder ein. Ich hab mir aber gedacht: Ich kann doch jetzt nicht zu meiner Mutter rennen, mit über 20, und sie bitten, mir wieder ein Meerjungfrauen-Kostüm zu nähen (lacht)! Aber die Idee an sich war nicht übel, deswegen bin ich zu einer Spezialfilm-Firma gegangen und habe angefragt, ob sie sich vorstellen könnten, so eine Verkleidung herzustellen, wie sie es in Amerika schon gab – z.B. im Film "Splash". Es sollte wirklich authentisch aussehen. Als das Kostüm fertig war, bin ich zu meinem Trainer zurück und habe gesagt: "So, und nun machen wir mal Meerjungfrauen-Training!" Der ist dann erst einmal tot ist Becken gefallen als er mich mit dem Kostüm gesehen hat (lacht). Mittlerweile ist es tatsächlich so, dass ich hauptberuflich als Meerjungfrau arbeite – das konnte ich mir vor drei Jahren auch noch nicht vorstellen.

"Die Leute wollen einfach Fantasy, etwas Magisches"

Wie steinig war dein Weg? Wurde deine Idee direkt gut angenommen?
Als ich die Idee entwickelt habe, wurde ich natürlich anfangs belächelt. So nach dem Motto: "Oh Mensch, willst du da so ein bisschen mit einem Kostüm tauchen?" Die meisten haben die Ernsthaftigkeit dahinter gar nicht gesehen, dabei war für mich klar: Ich will Stunts machen  – ich will nicht einfach nur ein Kostüm anziehen! Ich kann doch meine Arbeit, die ich auch sonst mache, in der Tiefe oder mit Haien, als Meerjungfrau machen und das ist doch viel spektakulärer als einfach nur in einem Neoprenanzug. Der Weg war echt schwer, auch weil etwas die Herstellung des perfekten Kostüms richtig lange gedauert hat. Mal war der Stoff zu leicht, dann war alles zu schwer, dann war es unbequem ... Als ich dann die ersten Bilder gepostet oder davon erzählt habe, fanden es einige Leute toll, aber andere meinten wiederum nur: "Damit kannst du kein Geld verdienen. Was willst du denn damit machen? Kindergeburtstage, oder was?"

Und, was hast du den Kritikern entgegnet?
Ich habe nur geantwortet: "Wartet ab, ich werde es euch schon zeigen. Man muss sich doch erst den Weg zu bahnen." In Deutschland kannte das noch niemand, aber in Amerika war das schon gang und gäbe. Und, ja, nach einem guten Jahr konnte ich die Ergebnisse posten und dann hat es funktioniert.

Gab es Momente, in denen es schwer war, an deine Idee zu glauben?
Nein, ich war eigentlich immer felsenfest davon überzeugt. Zum einen bin ich ja Mutter und habe viel mit anderen Kindern zu tun, zum anderen hatte ich auch immer vor Augen wie alle in Filme wie "Herr der Ringe" oder "Harry Potter" gerannt sind. Die Leute wollen einfach Fantasy, wollen einfach etwas Magisches. Es dauert zwar eine Weile, bis man sich mit einer solchen Idee durchboxen kann, aber ich habe immer daran geglaubt, dass es klappen wird. Und jetzt habe ich es so langsam, aber sicher allen gezeigt.

Was unterscheidet deinen Job als Meerjungfrau von dem Job einer "klassischen" Schauspielerin – außer dem Element Wasser?
Im Prinzip hat der Job meistens leider wenig mit der Schauspielerei zu tun. Ich würde mir wünschen, dass ich mehr Filme machen kann. Ich werde zwar immer wieder für so etwas gebucht, aber das sind dann mehr Image-Filme, in denen nicht direkt Schauspiel in Form einer speziellen Gefühlsdarstellung verlangt wird, sondern einfach nur die schöne Meerjungfrau. Deswegen ist der Job der Meerjungfrau mehr zu vergleichen mit der Arbeit als Stuntfrau – wobei ersteres viel gefährlicher ist. Als Stuntfrau bin ich recht abgesichert, wenn ich z.B. im Wasser arbeite, habe ich immer Equipment dabei. Als Meerjungfrau habe ich das nicht. Ich bin dann sehr auf die Hilfe von den Menschen um mich herum angewiesen. Man sieht die Bilder mit den lächelnden Meerjungfrauen, aber unter Wasser immer die Augen aufzubehalten, keine Sicht zu haben, sich dazu in einem Kostüm, das 30 bis 40 Kilo wiegt, fortzubewegen und dabei auch noch gut auszusehen – das ist ein wirklich harter Job.


Natalie Grande


"Meerjungfrausein bedeutet wirklich hartes Training"

Und, wie wird man nun Meerjungfrau?
Theoretisch kann das jeder machen, der körperlich gesund und fit ist. Es gibt tolle Stoffflossen im Internet zu kaufen, die wesentlich bequemer sind als die, die ich habe und die auch wunderschön aussehen. Damit kann man sich schön über und im Wasser bewegen. Dann kann man ein paar Atemübungen machen, mit denen man es schafft, ein wenig länger unter Wasser zu bleiben. Im nächsten Schritt muss man sich an das Wasser gewöhnen und lernen, die Augen aufzuhalten und entspannt auszuschauen. Und dann kann man langsam in einem Pool anfangen und jemanden bitten, Fotos oder Videoaufnahmen zu machen, um zu kontrollieren, wie man sich so im Wasser gibt. Ich mache selber viele Kurse für Kinder junge Frauen und in Deutschland gibt es mittlerweile drei Meerjungfrauen-Schulen, die die Möglichkeit anbieten, das Schwimmen als Nixe zu erlernen.

Und, wenn ich es wie du professionell machen will?
Wer das wirklich hauptberuflich machen will, muss einiges mehr mitbringen, als nur die Faszination und die Flosse. Meerjungfrausein bedeutet wirklich hartes Training, Man muss fünfmal die Woche im Wasser sein und sich viel mit dem Thema Apnoe-Tauchen beschäftigen. Das ist der Hauptarbeitszweig, da kommt man ohne Zertifikate nicht weiter. Sprich: Man muss sich in einer Tauchschule anmelden und sich da immer weiter schulen.

Ich würde sicherlich am Apnoe-Tauchen scheitern – dafür braucht man eine Begabung, oder?
Nein, das ist Quatsch. Man sollte jetzt natürlich nicht unbedingt Kettenraucher sein (lacht). Aber jeder Mensch der körperlich gesund und fit ist, kann das lernen. Mit dem richtigen Training und der richtigen Anleitung schaffen es die meisten, zwei Minuten die Luft anzuhalten. Das ist alles eine reine Kopfsache. Der Körper kann viel länger die Luft anhalten als man denkt, nur das Gehirn sendet leider die falschen Signale. Man muss ein bisschen mit seinem inneren Schweinehund kämpfen, um damit klarzukommen und zu begreifen: Ich muss meinem Trainer vertrauen und ich kann definitiv noch länger.

Kannst du dir ein Leben ohne deine Meerjungfrauen-Flosse noch vorstellen?
Im Moment bin ich einfach super-glücklich darüber, dass ich es geschafft habe, dies zu meinem Hauptberuf zu machen. Ich möchte das nicht missen, allerdings muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich das jetzt nur noch die nächsten zwei, drei Jahre für mich sehe – auch, weil der Job so gefährlich ist. Ich werde in zwanzig Jahren definitiv nicht mehr in einer Flosse schwimmen, würde dann aber gerne meine Erfahrungen und Kenntnisse weitergeben. Ich bin ja jetzt schon keine Meerjungfrau mehr, sondern eine „Meer-Alt-Frau“, das sagen meine Kinder zumindest (lacht). Irgendwann muss man einsehen, dass das körperlich nicht mehr funktioniert. Es ist wie bei allen Extremsportarten. Auch meiner Familien zuliebe verabschiede ich mich in ein paar Jahren ins Lehrerleben und werde dann hinter den Kulissen arbeiten.

Was war der schönste Ort, an dem du je getaucht bist?
Da habe ich zwei: Einmal hier auf Teneriffa, wo ich lebe. Hätte ich selber nicht gedacht, denn es gibt ja durchaus mit den Malediven und Ägypten tolle Orte. Aber hier haben wir ein riesiges Fischaufkommen und, wenn ich ein Shooting an einem wunderschönen Wrack oder einer fantastischen Hölle habe, dann sind das auch oft die Plätze, an denen die Taucher die Fische und Schildkröten füttern. Wenn ich dort runtergehe, dann kommen die Tiere in Scharen an. Das ist wirklich faszinierend. Der andere Ort ist Bahrain in Saudi-Arabien, da bin ich mit Haien getaucht. Das war zwar ein bisschen gefährlich, aber hatte auch etwas. Es gab eine wunderschöne Unterwassersicht und man konnte mit Brille ewig weit gucken, das war völlig tolles Wasser für mich.


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