jan philipp albrecht und sein mitarbeiter ralf bendrath
Jan Philipp Albrecht (re.) und sein Mitarbeiter Ralf Bendrath | Foto: Indi Film/Marcus Winterbauer
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05. Nov 2015

Sandra Ruppel

Filme

Democracy – Im Rausch der Daten

Der Datenschützer Jan Philipp Albrecht im Interview

Tiefe Einblicke in die EU

UNICUM: Für "Democracy – Im Rausch der Daten" wurdest du mehr als zwei Jahre lang von einer Filmcrew begleitet, während du innerhalb der EU für ein europäisches Datenschutzgesetz eingetreten bist, das unsere Rechte als Nutzer besser schützt. Wie war es für dich, die ganze Zeit von einer Kamera begleitet zu werden?
Jan Philipp Albrecht: Am Anfang ist das schon seltsam und es kostet auch Überwindung. Aber mich überzeugte das Anliegen, das der Regisseur David Bernet hatte: Nämlich einen Film über ein EU-Gesetz zu drehen und dabei auch hinter die Kulissen zu schauen. Deswegen habe ich gesagt, irgendwer muss es machen – also werde ich es machen.

Du wirst auch in verletzlichen Momenten gezeigt. War das schwierig für dich?
Ich bin eigentlich kein Mensch, der unbedingt darauf Wert legt, nicht verletzlich zu erscheinen. Deswegen habe ich mir dann auch gedacht: Ich komme damit klar. Egal, was am Ende dabei rumkommt.

Was findest du an "Democracy" besonders gelungen?
Einerseits bekommen gerade junge Leute in der Politik und junge Leute, die an Politik interessiert sind, einen ziemlich guten Einblick in die Funktionsweise der Europäischen Institutionen. Wie in Brüssel Politik funktioniert – das kriegt man ja häufig nicht so mit. Auf der anderen Seite gibt der Film einen Einblick in dieses komplexe und auch technische Thema Datenschutz beziehungsweise Grundrechte im digitalen Zeitalter. Sehr viele Leute werden aus dem Film sehr viel mitnehmen können.



Wichtig ist, wie die User um Zustimmung gefragt werden

Was sind die wichtigsten Punkte des Gesetzesentwurfs, über die jetzt noch verhandelt werden? Was würde sich in Bezug auf Datenschutz ändern?
Ein wichtiger Punkt ist vor allem die Frage, wie ich als Verbraucher um Zustimmung gefragt werde, wenn meine Daten verarbeitet werden. Stimme ich allein durch die Nutzung eines Dienstes, also dadurch, dass ich mir eine App runter lade, zu, dass ich all meine Daten damit gleich freigebe? Oder sollte das nicht in einem vernünftigen Zusammenhang stehen? Wenn die Taschenlampen-App meinen Standort freigibt und die Kontaktdaten abgreift, dann fragt man sich, was das soll. Da muss es endlich mehr Transparenz und mehr Mitbestimmung geben.

Ein anderer Knackpunkt ist die Frage: Wie viele Informationen kriegt der Verbraucher, wenn seine Daten verarbeitet werden? Und: Wie werden diese dargestellt? Etwa in standardisierten, einfach sichtbaren Symbolen, so wie Verkehrszeichen, oder in langen verschachtelten Sätzen, die letztendlich nur Facebook-Anwälte verstehen?

Dem gegenüber steht die wichtige Frage, wie durchsetzbar das vor allem gegenüber den großen Konzernen und US-Internetriesen wird. Welche Verpflichtungen und Sanktionen wird es für sie in Bezug auf die Verarbeitung von Daten geben?

Darüber wird im Moment noch diskutiert – das ist jetzt wirklich der Showdown, den wir in den nächsten Wochen erleben. Wir hoffen aber, dass im Dezember 2015 das Gesetz bei 500 Millionen europäischen Verbrauchern unterm Weihnachtsbaum liegt und wir dann in absehbarer Zeit auf diese Rechte überall in Europa vertrauen können.

Das heißt, Ende des Jahres ist mit einem Ergebnis zu rechnen?
Genau, die Zielsetzung ist jedenfalls klar. Bis Ende 2015 soll dieses Gesetz fertig gestellt werden. Dann dauert es aber immer noch zwei Jahre, bis es von allen berücksichtigt werden muss – und das ist ja im Internetzeitalter eine ganz schön lange Zeit.


Jan Philipp Albrecht: kurz & knapp

  • jan philipp albrechtJan Philipp Albrecht ist 1982 in Braunschweig geboren und interessiert sich schon seit seiner Jugend für Politik: Bereits 1999 wird er Mitglied beim Bündnis 90/Die Grünen.
  • Bei der Europawahl 2009 wird er als jüngster deutscher Abgeordneter ins Europäische Parlament gewählt. Hier setzt er sich besonders für die Rechte der Bürger im digitalen Zeitalter ein.
  • Als Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments kämpft er dafür, dass unsere Daten durch ein einheitliches Datenschutzrecht der EU in Zukunft besser geschützt werden.
  • Mehr zu Jan Philipp Albrecht findest du unter: www.janalbrecht.eu

Democracy im Rausch der Daten DVDUNICUM Abi Filmtipp

Democracy - Im Rausch der Daten

Dokumentarfilm, Deutschland 2015

Regie: David Bernet

Darsteller: Jan Philipp Albrecht, Viviane Reding u.v.a.

VÖ: 20. Mai 2017

Verleih: farbfilm verleih

www.democracy-film.de

Online bestellen (Amazon): Democracy - Im Rausch der Daten

 

 


Kurz & Knapp: Worum geht's in Democracy?

Über zwei Jahre lang begleitet Regisseur David Bernet zusammen mit seiner Filmcrew die Entstehung eines europäischen Datenschutzgesetzes. Dabei steht vor allem der Grünen-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht im Fokus, der fordert, dass durch das neue Gesetz nicht nur die Interessen großer Konzerne, sondern auch unsere Rechte als Nutzer geschützt werden. Wer schon immer mal Lust auf einen Einblick in die Funktionsweise der Europäischen Union hatte, sollte diesen Film nicht verpassen.

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