Berufsmusiker werden
Nicht jeder Musiker schafft es in ein Ensemble | Foto: Thinkstock/Ablestock.com

06.01.2016

Studiengänge Musik

Musikalische Studiengänge

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02. Jan 2017

Sandra Ruppel

Studium

Wie wird man Berufsmusiker?

Violinistin Héloïse Schmitt im Interview

Traumjob Berufsmusiker

Héloïse Schmitt hat das geschafft, was nicht vielen gelingt: Parallel zu ihrem Masterstudium an der Musikhochschule Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig hat die junge Violinistin auch einen Platz in der Orchesterakademie der Bamberger Symphoniker ergattert.

Gerade hat sie eine zweiwöchige Konzerttour in Japan und Korea beendet, Brasilien und Argentinien durfte sie ebenfalls schon bereisen und für Februar 2017 stehen Konzerte in den USA auf dem Tournee-Plan. Ein Traumjob, wie Schmitt selbst sagt. Was man braucht, um als Berufsmusiker so durchstarten zu können? Vor allem Disziplin. Und den unbedingten Wunsch, es wirklich schaffen zu wollen!

"Egal was du machst, es gibt immer erst eine Aufnahmeprüfung"

UNICUM: Héloïse, du machst gerade deinen Master in Leipzig und bist parallel Teil der Orchesterakademie der Bamberger Symphoniker. Wie lange spielst du schon in Bamberg?
Seit Januar 2016. Alle zwei Jahre bekommt ein junger Musiker in jeder Stimmgruppe die Chance auf einen Platz in der Akademie der Bamberger Symphoniker. Es gibt ein Probespiel – das ist wie ein Wettbewerb – und wer die Stelle bekommt, ist für zwei Jahre im Orchester.

Das Tolle an dem Platz ist, dass wir Unterricht mit bestimmten Musikern aus dem Orchester haben und jederzeit Fragen stellen können. Wir können uns Ratschläge holen, wie wir eine Passage am besten spielen oder wenn es darum geht, mit welchem Klang man etwas spielen muss. Wir können bei ausgewählten Projekten mitwirken und mit tollen Dirigenten spielen.

Héloïse Schmitt Bamberger SymphonikerDie Plätze an einer Orchesterakademie sind rar, ohne Studium kommt man da eigentlich nicht ran. Ist es denn leicht, einen Studienplatz zu bekommen?
Egal was du machst, es gibt immer erstmal eine Aufnahmeprüfung. Das bedeutet, es ist schon schwer, einen Studienplatz zu bekommen. Man muss sich sehr gut vorbereiten, Persönlichkeit zeigen und die Technik ist natürlich auch wichtig.

Für einen Platz an einer Musikhochschule bewerben sich mindestens 20 Leute. Wenn man dann so einen heiß begehrten Studienplatz bekommt, ist das eine riesige Freude. Mit dem Musikstudium ist es wie an jeder anderen Universität auch, man studiert bis zum Bachelor und Master und könnte noch den Doktortitel machen. Dann bewirbt man sich für eine Stelle und muss nicht nur der Beste sein, sondern auch gut zu diesem Orchester oder dem Ensemble passen.

Hat man denn überhaupt eine Chance, einen Studienplatz zu bekommen, wenn die Eltern einen nicht schon als Kind an die Musik heranführen?
Jeder hat natürlich eine Chance! Ich habe viele Freunde, die keine musikalischen Eltern haben, und sie sind trotzdem unglaublich weit gekommen. Man muss aber schon früh beginnen, ein Instrument zu spielen. Wenn du erst mit 15 Jahren anfängst, dann wird es vielleicht nicht unmöglich, aber definitiv sehr schwer werden. Oder du bist super begabt. (lacht)



"Als Kind ist es schon manchmal schwer"

Wann hast du angefangen?
Mit sieben. Ich habe von meiner Patentante eine Geige aus Plastik bekommen und darauf habe ich dann gespielt. Ich habe die Musik geliebt und wusste, das ist meine Welt und in der will ich weiter leben, die will ich noch weiter ergründen.

Aber manchmal ist es schon schwer als Kind. Man hat nicht immer Lust, jeden Tag ein, zwei Stunden Geige zu spielen. Dafür sind dann die Eltern da, sie müssen einen ein bisschen quälen und sagen: "Üb! Das ist gut für dich!" (lacht)

Mit 15 Jahren habe ich mich dann an der Musikhochschule in Paris beworben. Hierfür musste ich die besagte Aufnahmeprüfung machen, um dort studieren zu können.

Hat man denn überhaupt noch Zeit für etwas anderes, wenn man so viel üben muss?
Ja klar, aber man muss schon sehr diszipliniert sein! Ich war trotzdem oft mit Freunden unterwegs und im Kino.

Welches Instrument ist denn am ehesten gefragt?
Man kann nicht sagen, es gibt ein Instrument, das besonders gefragt ist. Klavier ist sehr gut für die Basis. Ich selbst habe neben der Geige auch Klavier gelernt. Das ist sehr gut für die Harmonielehre und für weiteres musikalisches Wissen, das man später braucht. Ich glaube aber, Kinder sollten frei entscheiden dürfen, welches Instrument sie spielen möchten.

Viele Musiker bekommen nie eine feste Stelle

Wenn man auf einer Musikhochschule war, immer diszipliniert geübt und auch sein Studium durchgezogen hat, kann man dann wenigstens sicher sein, dass man eine Stelle als Berufsmusiker bekommt?
So sicher ist das nicht. Erstmal muss man es aus tiefster Überzeugung wollen und sogar wenn dann die Chancen gut stehen, muss man sich trotzdem noch in einem Probespiel oder Hearing beweisen. Es gibt etliche Musiker, die nie eine Stelle im Orchester, als Professor oder Lehrer bekommen, aber sie können trotzdem ihre Musik dem Publikum näher bringen.

Kann man von einer Anstellung im Orchester denn leben?
Ja, man kann sehr gut davon leben! (lacht) Man denkt ja immer über uns Musiker, dass wir noch einen "echten Job" daneben haben sollten, aber genau das Gegenteil ist die Realität. Es ist ein Vollzeitjob, in dem wir uns ständig weiter entwickeln müssen und der unglaublich reich an Erfahrungen ist. Das ist auf der anderen Seite auch anstrengend. Wenn wir dann mal Freizeit haben, sind wir fast wie Kinder – vielleicht manchmal sogar schlimmer! (lacht)

Was braucht man außer Disziplin und Talent noch, damit man als Berufsmusiker bestehen kann?
Den Traum, dass man das wirklich machen will. Ich habe als Kind das Tschaikowski Violin-Konzert mit Orchester gehört und das war unglaublich für mich. Es war ein emotionaler Schock (lacht)! Ich bin überzeugt, solche Schlüsselerlebnisse hatten auch andere Musiker. Die Eltern hören Musik zu Hause oder sind selbst Musiker und dadurch hört man vieles in seiner Kindheit. Man fühlt etwas und denkt sich, das will man auch spielen – um diese Emotionen wieder zu spüren.

Wie sieht der Tagesablauf bei dir im Orchester aus?
Die Probe beginnt um 9.30 Uhr, wir sind aber schon früher da, um uns einzuspielen. Dann gibt es zwischen 10.30 und 10.45 Uhr eine kurze Pause und um 12.00 Uhr sind wir dann erstmal fertig. Um 15.00 Uhr beginnt die Nachmittagsprobe, die weitere drei Stunden dauert. So ist der Ablauf an zwei Tagen in der Woche. Am dritten Tag gibt es dann ein Konzert mit einer Generalprobe am Morgen. Das Konzert ist abends, meist um 19:30 Uhr. Normalerweise spielen wir zwei Konzerte pro Woche.

Hast du "Whiplash" gesehen? Gibt es solche Verrückten bei euch auch?
Ja, natürlich habe ich den Film gesehen! Er ist ja so wahr! (lacht) Und dieser Soundtrack ist unglaublich, wirklich phänomenal!


Du willst Musik studieren?

Die Regelstudienzeit für den Bachelor of Music beträgt 8 Semester, für den Master of Music sind 4 Semester vorgesehen.

Wie lange die Aufnahmeprüfung dauert, welche Stücke vorzubereiten sind und was du sonst noch beachten musst, ist von Musikhochschule zu Musikhochschule unterschiedlich. Du kannst es online in der jeweiligen Prüfungsordnung der Hochschulen nachlesen.

  • Einen Überblick über alle Kunst- und Musikhochschulen kannst du dir hier verschaffen: unicheck.unicum.de

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