Tiger Girl
Starke Frauen ohne Zickerei: Vanilla und Tiger | Foto: Constantin Film Verleih GmbH

Filme

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05. Apr 2017

Wiebke Mönning

Filme

Tiger Girl

Einmal aufs Maul, bitte

Der Beginn einer wundersamen Freundschaft

Maggie (Maria Dragus) hat einen Traum: Sie will Polizistin werden, der Gesellschaft etwas zurückgeben und Gutes tun. Doch leider verbockt sie die Aufnahmeprüfung total. Sie nimmt Anlauf, fliegt und fällt. Scheiße. Dann trifft sie auf Tiger (Ella Rumpf), die wie eine Katze immer auf den Füßen landet. Irgendwas fasziniert Tiger an Maggie, die sich nicht mal durchsetzen kann, wenn man ihr den Parkplatz klaut. Da muss Tiger einspringen: Grinsend kickt sie den Seitenspiegel der Parkplatzdiebin ab: "Jetzt passt‘s!"

Mutlos ergibt sich Maggie ihrem Schicksal und beginnt eine Ausbildung bei einem privaten Sicherheitsdienst – aber nur bis sie die Aufnahmeprüfung wiederholen kann. Abends trifft sie auf Theo (Enno Trebs), der die Polizeiprüfung mit ihr gemacht hat und sich das feixende Lachen nicht verkneifen kann. Vor einer dummen Entscheidung bewahrt sie Tiger, die ein Taxi klaut und mit Maggie auf der Rückbank vor Theos Nase wegfährt.

Kaum ist Maggie wieder allein, steckt sie erneut in der Klemme. In der U-Bahn-Station wird sie von drei Typen bedrängt. Und wieder eilt Tiger zu Hilfe und teilt ordentlich aus. Ab jetzt sind die zwei Freundinnen, und wie könnte man das besser feiern als mit Dosenbier?

Zusammen gegen den Rest der Welt

Die beiden Hauptfiguren könnten unterschiedlicher kaum sein. Tiger – das klingt nach Feuer unterm Hintern, Kraft und Gefahr. Maggie ist süß, normal bis langweilig – Vanille eben. Darum nennt Tiger sie auch "Vanilla", will aus ihr aber "Vanilla the Killer" machen. Von Tiger kann Vanilla einiges lernen, denn Tiger ist tough und bestimmt ihr Leben selbst. "Höflichkeit ist auch eine Gewalt, aber gegen dich selbst", rüttelt sie Vanilla wach. "Du musst einfach sagen, was du willst, dann bekommst du’s auch!"

Tiger ist Punk, lebt mal in einem alten Bus, mal mit ihren "Pimmeln" Baby und Zecke versteckt auf einem Dachboden. Sie weiß, wie sie sich durchs Leben kämpft. Vanilla bewundert Tiger, will unbedingt dazugehören. Aber Zecke passen ihre Perlenohrringe nicht. Während Vanilla in der Sicherheitsschule lernt, wie man sich verteidigt, gibt’s bei Tiger Lektionen im Straßenkampf: In Security-Uniform ziehen sie durch Berlin und ziehen ab. Aber nur bei denen, die es auch verdient haben – und das bestimmt Tiger.

Austeilen statt Einstecken

Am Anfang klauen sie Fahrräder und zerschmettern Geschirr, doch als Baby und Zecke Schulden bei ihrem Dealer haben, kümmert sich Tigermama drum. In ihre Uniformen führen Tiger und Vanilla Sicherheitskontrollen durch, stecken sich dabei ein paar Scheine ein und lassen einen jungen Typen schon mal nackt nach seinen Klamotten rennen.

Vanilla ist jetzt ihr eigener Boss, lässt sich nicht mehr vom Ausbilder oder sonst irgendwem unterbuttern. Sie hat Blut geleckt, die Macht gefällt ihr. Für ihre neugewonnene "Scheiß drauf"-Einstellung fliegen sie und zwei Mitschüler von der Schule. Ab jetzt erteilt Vanilla die Befehle und die Jungs gehorchen. An Theo nimmt sie Rache. Aber Tiger gefällt das neue Ich nicht. Die Freundschaft zwischen Vanilla und Tiger ist eine Achterbahnfahrt. Das Ende ist furios, aber offen.

Fazit zu "Tiger Girl"

Wenn du etwas willst, musst du dafür kämpfen. Das ist die Message, die "Tiger Girl" wortwörtlich rüberbringt. Dabei geht es aber nicht um stumpfe Gewalt, sondern darum, die Kontrolle über das eigene Leben zu übernehmen. Maggie macht eine Totalverwandlung durch: Ihre Zurückhaltung, Ergebenheit vor dem Leben und ihr unbedingter Wille, dazugehören zu wollen, sind deutlich zu spüren. Auch ihre Selbstzweifel kommen sehr realistisch rüber: "Die sind dreizehn, und nicht mal die nehmen mich ernst."

Auch Tiger hat deutlich mehr Facetten als die starke Kämpferin, denn sie sorgt sich um ihre Kumpels und hilft der anfangs wildfremden Maggie. Im Laufe der Handlung tritt ihre emotionale Seite immer deutlicher hervor. Man merkt: Sie hat noch Moral. Ob das bei vollkommen überdrehten Vanilla am Ende noch so ist, ist fragwürdig.

Überzeugend ist "Tiger Girl" wegen der Echtheit: Die fiktionale Handlung wird durch die Realität geschleust. Die aggressiv-dümmlichen Azubis und die Sicherheitsschule sind echt! Außerdem gab es bei "Tiger Girl" keine geschriebenen Dialoge, sondern nur ein reduziertes "Skelett-Drehbuch" als Grundlage. Das macht die Gespräche spontaner, glaubwürdiger. "Tiger Girl" soll eine Mischung aus Improvisation, Fiktion, Doku und Action sein, "Martial Arthouse" eben.

Und die Moral von der Geschicht? Gibt’s nicht.


Tiger Girl FilmplakatUNICUM Film-Tipp

Tiger Girl

Martial Arthouse, Deutschland 2017

Regie: Jakob Lass

Darsteller: u.a. Ella Rumpf, Maria Dragus, Enno Trebs

Verleih: Constantin Film Verleih GmbH

VÖ: 6. April 2017

Mehr Infos: https: www.constantin-film.de/kino/tiger-girl

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