Cosplayer
Die Cosplayerinnen Désirée (li.) und Sophia | Fotos: Anna Fischer, Sophia Scheffler
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14. Sep 2015

Tabea Weidinger

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Cosplayer: Sailor Moon für einen Tag

Zwei Kostüm-Fans im Interview

Von Disney-Prinzessinen und Final Fantasy-Helden

UNICUM: Was bedeutet Cosplay für euch?

Désirée: Ich empfinde Cosplay als äußerst kreatives Hobby. Es beginnt zwar bei der einzelnen Person, bei ihrer Fantasie und ihrem handwerklichen Geschick, erstreckt sich aber bis über Ländergrenzen hinaus und führt Menschen zusammen. Ich bin glücklich, dass Cosplay einen großen Teil in meinem Leben eingenommen und mir so viele wunderbare Erinnerungen beschert hat.
Sophia: Beim Cosplay lernt man wirklich so viele tolle Leute kennen und wer mag, kann sich auch auf der Bühne beweisen. Für mich ist es ein tolles Hobby – es lässt einen einfach nicht los!

Worin besteht der Reiz am Cosplay?

Sophia: Ich mag es sehr, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Je nach Outfit sind auch andere Herausforderungen mit der Fertigstellung des Kostüms verbunden. Ich liebe es, auf eine Vorlage zu schauen und zu denken: "Sowas habe ich noch nie gemacht. Das möchte ich ausprobieren!"
Désirée: Der Begriff Cosplay setzt sich aus "Costume" und "Play" zusammen. Ich habe es immer sehr genossen, meine Auftritte mit Liebe zum Detail auszuarbeiten und meinen Charakter auf der Bühne zum Leben zu erwecken.

Wie wurdet ihr das erste Mal auf Cosplay aufmerksam?

Désirée: Als ich noch ein kleines Mädchen war, hat mir meine Mutter für diverse Verkleidungsfeste wie Karneval und Kinderpartys wunderschöne Kostüme genäht. Meist waren das Disney-Prinzessinnen und einmal auch Sailor Moon. Irgendwann wurden meine Ideen und Kostümwünsche aber so exotisch und aufwendig, dass ich selbst mit dem Nähen anfing. Später fand ich über das Internet heraus, dass es noch mehr Leute mit meinem Hobby gibt und dass sie sich Cosplayer nennen.
Sophia: Ich mochte schon von klein auf asiatische Themen. Seien es die Schriftzeichen, die Architektur oder die Kultur. Das erste Mal wurde ich auf Cosplay aufmerksam, als eine Freundin und ich eine Convention besuchten. Wir haben dort so tolle Kostüme gesehen, dass wir auch einmal mitmachen wollten. 2005 war es dann soweit.

Was war dein erstes Cosplay?

Désirée: Als ich damals per Zufall entdeckt habe, dass ich eine Cosplayerin bin, war mein erstes eigenes Kostüm gleichzeitig mein Wichtigstes. Es war die Figur "Rinoa Heartilly" aus dem Spiel "Final Fantasy VIII". Das war für mich ein sehr großer Traum, da ich nicht nur das Spiel genial finde, sondern von den Charakteren viel für meine eigene Entwicklung in der Kindheit und Jugend mitgenommen habe. Rinoa war ein Idol für mich.
Sophia: Mein erstes Kostüm war "Rikku" aus "Final Fantasy X". Ich mochte das Spiel damals wirklich gerne und sie war und ist noch mein Lieblingscharakter daraus. Da ich das Hobby jetzt seit gut zehn Jahren betreibe, sind an die 90 Kostüme zusammen gekommen. Besonders gerne habe ich in den Jahren die Outfits zu "Sheryl Nome" aus "Macross Frontier" genäht. Als "Arielle, die Meerjungfrau" wurde ich sogar unter Wasser fotografiert.

Cosplayerin Desiree und eine Freundin in ihren Verkleidungen

Cosplayer investieren viel Zeit, Herzblut – und Geld?

Eure Kostüme sehen richtig hochwertig und kostspielig aus...

Sophia: Mit den Jahren hat sich ein richtiges Sammelsurium an Stoffen und Materialien angesammelt. weswegen ich nicht unbedingt alles neu kaufen muss. Je nach Detailreichtum kann Cosplay ganz schön ins Geld gehen. Ich habe schon günstige Kostüme für 20 Euro hergestellt, besitze aber auch Verkleidungen im dreistelligen Bereich. Im Internet habe ich bisher noch kein Kostüm gekauft. Für manche Cosplayer kommt diese Option auch gar nicht infrage, da der Reiz für sie im eigenen Anfertigen liegt, aber da hat jeder seine eigene Meinung. Ich finde, dass ein Kostümkauf völlig in Ordnung ist.
Désirée: Die Art des Cosplays entscheidet grundsätzlich über Dauer der Arbeit und Kosten. Ich habe auch schon günstig Schuluniformen genäht, aber auch ein sehr aufwendiges Kostüm mit vielen Details, Waffe und Rüstung für über 800 Euro geschaffen. Ich kaufe generell keine Kostüme. Teilweise habe ich schon Schuhe geschustert und Perlen selbst gegossen. Ich bin mir darüber bewusst, dass es viele Cosplayer gibt, die ihre Kostüme lieber kaufen. Das ist völlig in Ordnung. Aber man sollte dann, vor allem bei Wettbewerben, so ehrlich sein und das auch klar herausstellen.

Wie reagieren Passanten in Deutschland auf euch?

Désirée: Die meisten Passanten sind sehr interessiert, aber auch verlegen und schauen sich das Kostüm nur aus der Ferne an. Wenige sprechen mich tatsächlich an. Auf Conventions wird man hingegen häufig gefragt, wie viel Aufwand für das Kostüm nötig war.
Sophia: Viele reagieren auf das Hobby sehr abwertend und lassen einen negativen Spruch ab. Ich ziehe mich meistens nur noch vor Ort, Zuhause oder im Hotel um und fahre dann mit dem Auto zu den Veranstaltungen. So kommen unangenehme Begegnungen mit Passanten gar nicht mehr vor.

Beschäftigt ihr euch auch beruflich mit Cosplay?

Sophia: Cosplay ist für mich wirklich ein Hobby, was ich außerhalb von Uni und Arbeit ausübe.
Désirée: Ich selber behandle Cosplay in der Uni nicht als Forschungsobjekt, aber ich unterstütze Kommilitonen und Interessierte bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten oder Artikeln, die sich mit dem Thema beschäftigen.


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