Cover von Die Falle
Schnappt die Falle von Linda Conrads zu? | Foto: btb Verlag
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08. Okt 2015

Heike Kruse

Bücher

Die Falle

Melanie Raabes erster Roman birst vor Intensität und Spannung

Der Beginn von "Die Falle"

"Ich habe das Haus seit elf Jahren nicht verlassen." Dieser durchschlagene Satz zieht dich mitten rein in die Geschichte um Linda Conrads. Ein Satz von einer Tragweite, die man als Leser nicht fassen kann. Elf Jahre. In den eigenen vier Wänden. Und sofort stellt man sich die Frage nach dem Warum.

Diesen Spannungsmoment hat Melanie Raabe im ersten Kapitel wohldurchdacht aufgebaut. Den Grund erfahren wir als Leser zunächst nicht direkt. Er wird nur angedeutet: In der Presse könne man alles nachlesen. Mehr nicht und damit hat Raabe uns. Unsere Neugier ist geweckt. Doch sie setzt noch einen Spannungsbogen obenauf: Die Erzählerin sei "in ihrer Welt" nicht sicher.

Wissenshäppchen werden uns hingeworfen, nur um uns am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Das erste Kapitel ist eine auf engstem Zeilenraum konstruierte Kurzgeschichte. Das ist der Clou an diesem Buch. Melanie Raabe arbeitet immer wieder mit dieser Konstruktion. Jagt uns von Kapitel zu Kapitel durch feinste Kurzgeschichten und hält so die Spannung auf höchstem Niveau. Nie ohne die Story voranzutreiben.

Die Fallen

Hinzukommt der wirkungsvoll eingesetzte Sprachstil. Konsequent verwendet Raabe Parataxen und lässt so Linda scheinbar im Stakkato die Geschehnisse erzählen. Der Eindruck entsteht, es würde sich eine Tatsache an die andere reihen. Doch schnell merkt der Leser, dass er es mit einer äußerst unzuverlässigen Erzählerin zu tun hat. Die Erkenntnis, einem Tagtraum der Erzählerin aufgesessen zu sein, ist ein retardierender Moment par excellence. Diese Erzähl-Fallen stellt uns Melanie Raabe auf und zögert den Höhepunkt damit gnadenlos hinaus.

Linda bereitet ebenfalls eine Falle vor, aber diese gilt dem Mörder ihrer jüngeren Schwester Anna. Seit deren Tod vor zwölf Jahren steht Linda neben sich. Sie muss einfach den Mann, den sie damals gesehen hat, finden. Finden, um das Motiv von ihm zu erfahren. Durch puren Zufall entdeckt sie ihn im Fernsehen. Den 53-jährigen Journalisten Victor Lenzen. Die Falle: Ein neues Buch, zu dem sie ihm und nur ihm ein Interview in ihrem Haus geben will. Mit dem Ziel, ihn zum Geständnis zu zwingen und ihr endlich zu verraten, warum ihre Schwester Anna sterben musste. Schon bald ist der "Tag X" da und das Interview mit Lenzen beginnt …

Der Schluss

Lies den Roman an einem Stück. Tu dir selbst den Gefallen. Einmal angefangen, kann man "Die Falle" sowieso nicht mehr beiseitelegen. Besser du planst direkt mehr Zeit ein und lässt dich von der Intensität der Geschichte gefangen nehmen. Die zeigt sich vor allem auch in solchen Passagen: "… hell erleuchtete Wohnzimmer fremder Leute, die man abends im Vorbeigehen studieren kann. Touristen, die nach dem Weg fragen. Regennasse Kleidung. Geklaute Fahrräder." Diese Aufzählungen von Dingen, die es für Linda nicht gibt, sie bersten vor Leben. Melanie Raabe ist eine außergewöhnliche Schriftstellerin mit dem Talent, in einem bedrückenden Mordfall das Leben in berückender Art und Weise zu feiern. Da ist es kaum überraschend, dass die Filmrechte bereits nach Hollywood verkauft sind. Ein zweites Buch ist in Planung. Das soll aber ganz anders sein als "Die Falle". Wir lassen uns gerne wieder von der Kölnerin überraschen.


Die Infos zum Buch

Die Falle
Melanie Raabe
btb Verlag, März 2015
Preis: 19,99 €

Online bestellen (Amazon): Die Falle

Tipp: Schau mal auf Melanie Raabes Interview-Blog www.biographilia.com vorbei. Ein Blick lohnt sich!

Artikel-Bewertung:

3.23 von 5 Sternen bei 121 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 15. Okt 2015 um 18:46 Uhr von Susanne Bodin
Super !
Veröffentlicht am 15. Okt 2015 um 18:55 Uhr von Volker Hintze
Gefällt mir
Veröffentlicht am 15. Okt 2015 um 23:08 Uhr von Willi Dietrich
Toller Roman
Veröffentlicht am 20. Okt 2015 um 20:26 Uhr von mmeidler
Ein literarisches Meisterwerk.
Veröffentlicht am 06. Nov 2015 um 22:07 Uhr von Platen, Ulrike
Sehr gut zu lesen!
Veröffentlicht am 28. Apr 2016 um 17:45 Uhr von Klaus B.
verstörend geschrieben, wenig Spannung, vorhersehbares, wenn auch konfus strukturiertes Finals. Enttäuschend für Krimifans.