ProSieben taff-Moderatorin Bonnie Strange
Bonnie Strange moderiert bei ProSieben das tägliche Magazin "taff" | Foto: ProSieben
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02. Nov 2015

Merel Neuheuser

Promis

Ganz schön Strange, diese Bonnie!

taff-Moderatorin Bonnie Strange im Interview

"Ich mag Leute nicht, die vorne stehen und die ganze Klasse unterhalten"

UNICUM: Gestern hast du aus Stuttgart ein Foto bei Instagram gepostet, heute Morgen gab’s das Bild aus Berlin und jetzt sitzen wir hier in München. Kann es sein, dass du immer auf dem Sprung bist?
Bonnie Strange: Ich bin wirklich sehr viel unterwegs. Bestimmt 80 Prozent meiner Zeit. Und das, weil meine Jobs meist in unterschiedlichen Städten sind. Heute Abend geht es wieder nach Berlin und übermorgen geht’s weiter nach Zürich. Ich fliege eigentlich fast jeden zweiten Tag.

Wie muss man sich das vorstellen, wenn die Pro7-Sendung "taff" einen neuen Moderator sucht. Geht dann eine Stellenausschreibung an alle bekannten Menschen Deutschlands raus?
(lacht) Nein. Aber tatsächlich kamen wohl entweder ausgebildete Moderatoren oder eben bekannte Personen in Frage. Ich habe früher super viele Beiträge als Protagonistin von "taff" gemacht. "taff" hat mich sehr gepusht, als ich noch nicht so bekannt war, und mich fast wie bei einer Daily Show begleitet. Deshalb wurde ich gefragt. Ich konnte mir allerdings erstens nicht vorstellen, dass ich das kann, die mich zweitens nehmen und ich drittens Lust habe, das zu machen. Ich bin ein sehr freier Mensch und mag eigentlich keine geregelten Arbeitszeiten im Büro. Ich bin zu "taff" gekommen, um für mich zu lernen, wie es ist, mit Nervosität umzugehen. Und jetzt macht mir der Job unglaublich Spaß!

Denkst du, diejenigen, die sich gerne vor der Klasse reden hören, sind besonders geeignet um Moderator zu werden?
Ich persönlich mag die Leute nicht, die vorne stehen und die ganze Klasse unterhalten. Bei mir in der Schule waren das die eingebildeten Idioten. Wenn man um jeden Preis im Mittelpunkt stehen will, ist das nicht die optimale Voraussetzung. Ich finde, dass eher diejenigen geeignet sind, die andere beim Erzählen in ihren Bann ziehen, sich dessen aber gar nicht wirklich bewusst sind. Man sollte nicht schüchtern sein und sich für die Themen interessieren.


Bonnie Strange im taff-Studio


Bonnie hat das Lernen in der Schule gehasst!

Welche Aufgaben hast du denn überhaupt als Moderatorin?
Ich bin keine klassische Moderatorin, andere haben das ja richtig gelernt. Aber ich werde trainiert, wie ich sprechen und mich vor der Kamera bewegen muss. Wenn ich in der Redaktion ankomme, machen mir die Redakteure Vorschläge, wie ich ihre Beiträge moderieren kann. Den Text schreibe ich etwa zwei Stunden nach meinem Geschmack um oder auch mal ganz neu und lerne ihn auswendig. Dann muss ich in die Maske und danach geht es schon los. Wir sind jeden Tag live auf Sendung – da muss alles auf die Minute passen.

Kannst du denjenigen, die bald ein Referat halten müssen, Tipps aus dem Moderationstraining verraten?
Am Anfang ist es mir passiert, dass ich Dinge auswendig gelernt habe, ohne sie komplett zu verstehen. Das funktioniert nicht. Man muss den Text erst einmal für sich verständlich umschreiben, damit man ihn sich merken kann. Trotzdem gibt es immer noch Tage, an denen ich vor Nervosität kaum meine Karten halten kann. Am Anfang hatte ich solche Angst, dass ich während der Sendung zwischen den Beiträgen geweint habe. Deshalb ist auch der Tipp gut, seinen Oberkörper nicht nach hinten zu lehnen, wenn man mal nicht weiter weiß. Das merkt das Publikum und interpretiert das als Angst. Stattdessen sollte man nach vorne und auf die Leute zugehen!

So gut du heute vor Publikum reden kannst, zu Schulzeiten soll das anders gewesen sein. Woran scheiterte deine Karriere am Gymnasium?
(lacht) Ich hasse lernen und ich habe Schule noch nie besonders gemocht. Schon in der ersten Klasse – normalerweise geht man da ja zumindest noch gerne hin. Ich war auf einem Gymnasium und mündlich einfach nur mega-schlecht. Nachdem ich die neunte Klasse wiederholt habe, hab ich gehört, dass meine Schulpflicht damit erfüllt ist und bin einfach nicht mehr hingegangen. Das hat meine Mutter allerdings erst etwas später bemerkt, weil ich morgens trotzdem pünktlich das Haus verlassen habe. Ich war so lange bei Freunden oder bei H&M (lacht).

"Ich bin 1,78 groß und habe keinen Abschluss: ich muss Model werden!"

Und wie ist dann aus der Schulabbrecherin ein Model, Designerin, Sängerin und Moderatorin geworden?
Ich habe eine Ausbildung angefangen und ein Modekolleg besucht, das dann aber auch geschmissen. Danach habe ich Fotos von mir an ganz viele Agenturen geschickt. Erst haben alle gesagt: "Du bist nicht schön genug für ein Model, mach lieber was anderes." Aufgeben kam für mich aber nicht in Frage. Ich dachte mir: "Ich bin 1,78 Meter groß, ich habe keinen Abschluss und kann mir keine Alternative vorstellen. Ich muss Model werden!" Und dann habe ich bei einer Aktion zum Film "Der Teufel trägt Prada" gewonnen, bei der in den Kinosälen das Gesicht für das nächste Runway-Cover gesucht wurde. Da war ich 19. Die Arbeit mit dem Fernsehen hat mir so gut gefallen, dass ich versucht habe, mehr in diesem Bereich zu machen.

Du sollst als Model in Athen, Istanbul und Paris gelebt und gearbeitet haben …
Ich habe zwei Jahre in Athen gelebt, ein Jahr in Paris und ein halbes Jahr in Istanbul. In Athen wurde ich von einer guten Modelagentur für Paris entdeckt. Irgendwann habe ich angefangen zu fotografieren, weil ich zugenommen habe und bin schließlich für meinen damaligen Freund wieder nach Deutschland, nach Berlin gezogen.

Geboren bist du zudem in Russland. Merkst du manchmal eine russische Seele in dir?
Das dachte ich mein ganzes Leben lang! Aber ich war bis vor Kurzem nie in Russland. Ich spreche Russisch, aber nicht fließend. Zuhause bin ich Matrjoschka, koche russisch, bin sehr häuslich und sehr hausfrauenmäßig. Und sehr gastfreundlich. Deshalb dachte ich immer: "Ich bin keine Deutsche, ich bin Russin, Russin, Russin!" Als ich dann letzten Monat für "taff" mit Stefanie Giesinger durch Russland gereist bin, war das für mich ein richtiger Back-to-the-Roots-Trip. Seitdem finde ich mich echt Deutsch (lacht). Es hat mir gefallen, aber ich habe mich nicht wirklich zuhause gefühlt.

Dass du gerne kochst sieht man auch bei deinem Instagram-Account. Es sieht aus, als wärst du Veganerin?
Ich lebe seit drei Monaten vegan. Bei Shampoo und Make-up bin ich noch nicht so konsequent, esse aber keine tierischen Produkte. Ich mag Tiere sehr gerne und kann sie nicht essen. Vegan zu sein habe ich schon dreimal versucht. Dieses Mal fällt es mir zum ersten Mal nicht mehr so schwer. Ganz nebenbei habe ich dadurch auch noch zehn Kilo abgenommen. Ich schränke mich nicht ein, aber ich kann mir das Eis jetzt halt nur noch im Bioladen kaufen. Und komme nicht so häufig in Versuchung (lacht).


So sieht es aus, wenn Bonnie mit ihrer Band "Grossraum Indie Fresse" abgeht:


Nachgehakt bei Bonnie Strange

  • Was war der bescheuertste Job, den du je gemacht hast? Das war, als ich für ein TV-Magazin nur im Bikini in einer Kiste in einem Einkaufszentrum stand. Da konnten Männer einzelne Klappen aufmachen und sollten mit so wenigen Versuchen wie möglich anhand der Körperteile sagen, ob ich attraktiv bin.
  • Angenommen du könntest dir aussuchen, als was du in welcher Zeit leben würdest. Was wärst du wann? Ein trashiger Popstar in den 80ern!
  • Bei welchem Trend dachtest du, du könntest ihn losgetreten haben? Ich habe die 90er zwar nicht losgetreten, aber schon sehr früh gepusht. Und vielleicht habe ich meine Fans so auch auf den Trichter gebracht.
     

Mehr über Bonnie Strange erfährst du unter www.facebook.com/BonnieStrange

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