Spitzensportler in Schule und Studium
Kein Kinderspiel: Der Weg in den Spitzensport ist hart | Foto: Unsplash/Mpho Mojapelo

06.01.2016

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25. Aug 2017

Nico Marius Schmitz

Zündstoff

Zwischen Prüfung und Champions League: Spitzensport und Bildung im Spagat

Junge Spitzensportler: Binomische Formeln statt Urlaub

Kai Havertz war die große Entdeckung bei Bayer Leverkusen in der letzten Saison. Mit erst 17 Jahren gehörte er schon zum Stammpersonal und spielte unter anderem in der Champions League gegen Atletico Madrid. Während seine Teamkollegen sich voll auf das Training konzentrieren konnten, musste Kai Havertz noch die Schulbank drücken und wurde so beispielsweise im April eine Woche vom Training freigestellt, damit er seine Abiturprüfungen absolvieren kann.

Ende Mai, als seine Mannschaftskameraden sich nach der anstrengenden Saison bereits im Urlaub entspannten, hatte das junge Talent noch die mündliche Prüfung in Mathe vor sich. Ein Leben zwischen Champions League und binomischen Formeln also.

Dass Schule und Sport nicht immer so gut im Einklang sind wie bei Havertz, beweist das jüngste Beispiel des 18-jährigen Gianluigi Donnarumma, Torhüter beim AC Mailand. Das Abschlussexamen in der Schule verpasste er, damit er bei der U21-Europameisterschaft mitspielen konnte. Den von der Schule organisierten Ersatztermin nahm er dann aber auch nicht wahr, da er lieber zum Feiern nach Ibiza flog. Anschließend meldete sich sogar Valeria Fedeli, die Bildungsministerin Italiens, zu Wort: "Ich hoffe wirklich, dass Du nächstes Jahr in Ruhe und mit Hingabe Deinen Abschluss machst. Ich verurteile Deine Entscheidung nicht. Ich hoffe nur, dass Du zeigst, dass Top-Sportler auch gute Schüler sein können. Hör nicht auf mit der Schule!“

Doch wie funktioniert der Weg eines Kai Havertz überhaupt? Wie lassen sich Spitzensport und Schule vereinbaren? Die meisten jungen Talente wählen den Weg des Fußallinternats, in dem sie die schulische und sportliche Bandbreite kompakt vermittelt bekommen.


Vorstellung von Kai Havertz auf dem Youtube-Kanal von Bayer Leverkusen:


Der Alltag im Sportinternat

Nach dem Aufstehen um 7 Uhr und dem Besuch im Bad, geht es zum Frühstück. Auf dem Weg zum Frühstück hängen zahlreiche Poster von Stars wie Thomas Müller oder Manuel Neuer an den Wänden, denen die Nachwuchstalente nacheifern wollen. Im Bistro des Internats wird großen Wert auf gesunde Ernährung gelegt, die auf den Spitzensport angepasst ist. Nach dem Frühstück wird von 08 bis 16 Uhr (mit Unterbrechung für das Training) die Schule im Internat besucht.

Insgesamt gibt es täglich zwei Trainingseinheiten: Um 11.15 Uhr steht das Individualtraining auf dem Programm, abends gibt es dann eine zweite Einheit mit der Mannschaft. Nach dem Training müssen nochmal Schulsachen nachbereitet werden, ehe um 22 Uhr die Bettruhe beginnt. Für Videospiele oder eine Runde an dem Kicker bleibt den Schülern des Internats nur wenig bis gar keine Zeit. Der Jahresbeitrag für das Deutsche Fußball Internat in Bad Aibling liegt bei 21.600 Euro.

Zwischen Bachelor und Goldmedaillen: Förderung der Sportler während des Studiums

Doch nicht nur in der Schule, sondern auch an der Universität gibt es viele Spitzensportler, die Studium und Sport unter einen Hut bringen möchten. Bei den Olympischen Spielen 2016 im brasilianischen Rio de Janeiro waren es 44 Prozent im Kader der deutschen Athleten, die studieren oder sogar schon einen Abschluss haben. Die Sportler sind dabei natürlich auf finanzielle Hilfe angewiesen, beispielsweise durch Stipendien der Deutschen Sporthilfe, und auf Universitäten, die auf den besonderen Alltag der Sportler Rücksicht nehmen.

Ein bemerkenswertes Beispiel ist der 25-jährige Thomas Röhler, Goldmedaillengewinner im Speerwurf: Seinen ersten Bachelor in Physik konnte er nicht fortsetzen, da die Laborzeiten und die Praktika nicht mit den Trainingszeiten kombiniert werden konnten. Anschließend entschied er sich für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften (wie 35 Prozent der Spitzensportler) und schloss den Bachelor im Frühjahr mit einer 1,6 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ab.

Ein weiteres positives Beispiel: Die Uni Bonn ist eine Partnerhochschule des Spitzensports und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Spitzensportlern die akademische Ausbildung zu erleichtern. Eine individuelle Beratung, flexible Stundenpläne, mehrere Urlaubssemester und die kostenlose Nutzung der Sportanlagen der Hochschule sind einige der Vorteile.

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