Coverausschnitt von "Muksmäuschenschlau"
Yigit Muk auf dem Cover seines Buchs "Muksmäuschenschlau" | Foto: Manfred Esser
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02. Nov 2015

Ann-Christin Kieter

Zündstoff

Yigit Muk: Vom Bad Boy zum Bestnoten-BWLer

Der "Muksmäuschenschlau"-Autor im Interview

Ein Schicksalsschlag brachte ihn zum umdenken

UNICUM ABI: Du bist im sozialen Brennpunkt Neukölln aufgewachsen. Was war das Kriminellste, das du gemacht hast?
Yigit Muk: Im Gegensatz zum Rest meiner Straßengang habe ich mich nie an Raubzügen beteiligt, um an Drogen heranzukommen und auch nie welche konsumiert. Manche von uns trugen täglich Schusswaffen und hatten auch keine Scheu, diese bei Bedarf einzusetzen. Soweit bin ich nicht gegangen. Aber ich habe Menschen schwer verletzt, teilweise ins Koma geprügelt. Ich hatte mehrere Anzeigen, aber musste nie hinter Gitter, bin nicht vorbestraft. Da hatte ich sehr viel Glück.

Gab es bei dir einen bestimmten Moment, in dem es "Klick" gemacht hat und du dein Leben ändern wolltest?
Das war, als ein guter Freund von mir an Leukämie gestorben ist. In solchen Situationen denkt man plötzlich darüber nach, was man mit seinem eigenen Leben machen will. Ich habe mich etwas von der Gang distanziert, mich weniger geprügelt und mich dem Islam genähert. Das war in der neunten Klasse und ich wurde auch direkt Jahrgangsbester. Dann bin schwer erkrankt, falsche Diagnosen hätten mich fast das Leben gekostet. Aber ich habe gekämpft, unzählige Male die Schule gewechselt, einen Abschluss nach dem anderen gemacht und konnte dann tatsächlich mein Abi machen.

Und zwar an einer Privatschule. Wie bist du da von deinen Mitschülern aufgenommen worden?
Es gab dort schon Leute, die gefragt haben: Was will der Kanake hier? Aber das waren zum Glück die Ausnahmen. Ich hatte das Gefühl, dort sehr gefördert zu werden, brauchte irgendwann sogar weniger Schuldgeld zu zahlen, um nicht mehr als Türsteher jobben zu müssen. Ich bin dadurch gereift, habe mich verändert. Vorher hatte ich immer diesen Ghetto-Slang drauf und bin im knallengen Muskel-Shirt zur Schule gegangen – kein Wunder, dass sie Leute mich blöd angesehen haben.  

"Gehe den Weg, der dir Freude bereitet"

Wie hat eigentlich deine Gang darauf reagiert? Warst du bei denen nicht unten durch?
Wir sind wie eine Familie und viele waren stolz darauf, dass ich diesen Weg gegangen bin. Einige eifern mir jetzt sogar nach. Ein Kollege hat im Knast den Tagesspiegel-Artikel "Bestes Abitur Berlins" über mich gelesen und beschlossen: Ich werde auch Abi machen. Er ist rausgekommen und hat Abi gemacht. Ich dachte mir, wenn du den erreichst, und das war wirklich ein richtig schlimmer Junge, dann kannst du noch mehr Leute erreichen. Dadurch kam auch der Wunsch auf, mein Buch zu schreiben.

Du hast ja tatsächlich einen Schnitt von 0,9. Ist ein Wiwi-Studium da nicht Verschwendung?
Genau das ist es auch, was ich immer vermittelt bekommen habe. Meine Mutter wollte, dass ich Arzt oder Anwalt werde. Aber an der Kant-Oberschule wurde mir vermittelt, dass man nicht zwanghaft einen Beruf ausüben sollte, nur weil er mit Prestige verbunden ist. Gehe den Weg, der dir Freude bereiten wird und in dem du mit dir selbst im Reinen bleibst. Die Wirtschaftswissenschaften faszinieren mich. Vor allem Buchhaltung und generell alles was mit Mathematik zu tun hat, weil es dabei immer ein nachvollziehbares Richtig oder Falsch gibt. Marketing ist aber auch spannend, weil es die Kreativität fördert. 

Werden wir demnächst ein zweites Buch von dir lesen: "Wie ich vom Hauptschulproll zum DAX-Manager wurde?"
(lacht) Kann sein. Aber erstmal möchte ich in die Unternehmensberatung, ich interessiere mich sehr für Firmen-Strategien, das ist unglaublich spannend. Und ich würde sehr gerne selbst gründen, am liebsten ein soziales Unternehmen. Eventuell in Neukölln? Es gibt viel Bedarf auf diesem Planeten.


Muksmäuschenschlau von Yigit MukUNICUM Abi-Buchtipp

Muksmäuschenschlau: Wie ich als Hauptschulproll ein Abi mit 1+ hinlegte

Yigit Muk
Bastei Lübbe, Oktober 2015
Preis: 9,99 Euro
Online bestellen (Amazon): Muksmäuschenschlau

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