Finanzen EM 2016
Bei der EM 2016 sind nicht nur die Fans die Gewinner | Foto: Thinkstock/Giorgio Mangini
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11. Jun 2016

Jasmin Lörchner

Zündstoff

Finanzcheck Europameisterschaft

Wer bei der lukrativen Fußball-Sause alles mitverdient

80 Prozent mehr Tickets verkauft

Die EURO 2016 in Frankreich ist das bisher größte europäische Sportevent: Erstmals kämpfen 24 statt 16 Mannschaften um den Pokal. Deutschland hofft auf ein Meisterschafts-Double, Spanien auf den EM-Hattrick. Innerhalb von vier Wochen werden 51 Spiele an zehn Spielorten ausgetragen. Im Vergleich zur EM 2012 werden 80 Prozent mehr Tickets verkauft; insgesamt werden 2,5 Millionen Fans in den Stadien erwartet. Unicum wirft einen Blick auf die Kosten und Erträge der Europameisterschaft.

Stadion kostete 405 Millionen Euro

Frankreich hat 1,6 Milliarden Euro in Neubauten und Modernisierungen der Stadien investiert. Lille, Nizza, Bordeaux und Lyon haben neue Stadien bekommen. Das Stade de Lyon ist mit 405 Millionen Euro der teuerste Neubau; 59.000 Zuschauer finden hier Platz. Die größten Kapazitäten hat das Stade de France mit 80.000 Sitzen. Hier werden das Eröffnungsspiel und das Finale ausgetragen. Rrstmals in der 55-jährigen Geschichte des Turniers zahlt die UEFA Miete für die Nutzung der Stadien: 21 Millionen Euro gehen an den Französischen Fußballverband FFF, der das Geld an die Eigentümer und Betreiber der Stadien weiterleitet.


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Europameister kassiert 27 Millionen Euro

Weil mehr Mannschaften als je zuvor um den Pokal kämpfen, hat die UEFA das Preisgeld auf 301 Millionen Euro erhöht. Das Geld wird nach Erfolg zwischen den teilnehmenden Mannschaften aufgeteilt: Jedes Team bekommt acht Millionen Euro für die Qualifikation zur EM. Pro Sieg und abhängig von der Platzierung in der Gruppe gibt es zusätzlich Geld. Der Europameister 2016 kann bis zu 27 Millionen Euro mit nach Hause nehmen.

Gourmet-Menüs für Platin-VIPs

Für die EM werden 100.000 VIP-Pakete im Gold- oder Platinstandard angeboten: Gold-Gäste bekommen Spitzenplätze, ein Unterhaltungsprogramm und Verköstigung in der Lounge. Platin-VIPs verfolgen das Spiel von einer Loge aus, in der Drinks und Gourmet-Menüs serviert werden. Die Preise für einen Einzel-Pass im Goldstandard starten bei 950 Euro. Eine Loge für 16 Personen beim Finale im Stade de France kostet 29.900 Euro.  

Das Bewirtungsprogramm wird organisiert vom international tätigen Event-Caterer Do&Co. Das österreichische Unternehmen übernahm bereits die Verköstigung bei den vorangegangenen Europameisterschaften. Bei der EURO 2012 in Polen und der Ukraine betreute Do&Co 85.000 VIP-Gäste und erzielte damit einen Umsatz von knapp 20 Millionen Euro. In Frankreich wird Do&Co sich um 200.000 Mahlzeiten kümmern und dürfte damit hochgerechnet rund 47 Millionen Euro Umsatz machen.


Verträge mit über 500 Hotels

Der Schweizer Konzern Kuoni ist die offizielle Reiseagentur für die EM 2016. Kuoni organisiert die Unterbringung aller Beteiligten von den Nationalmannschaften über Medienvertreter bis hin zu Lieferanten und Verbandsmitarbeitern. Das Unternehmen hat Verträge mit über 500 Hotels in ganz Frankreich geschlossen und organisiert Zimmer für mehr als 250.000 Übernachtungen während des Turniers.

150 Millionen Zuschauer vorm Bildschirm

Laut UEFA werden insgesamt acht Milliarden Zuschauer die Live-Übertragungen der Spiele verfolgen, pro Match mehr als 150 Millionen. Entsprechend wertvoll sind die Übertragungsrechte für die Spiele: Insgesamt rechnet die UEFA mit Einnahmen von 1 Milliarde Euro. ARD und ZDF haben nach Insiderinformationen 160 Millionen Euro bezahlt, um die Spiele im deutschen Fernsehen zeigen zu dürfen.


Adidas steigert Gewinnprognose

Der Verband hat zehn internationale Sponsoren: Adidas, Carlsberg, Coca Cola, Continental, Hisense, Hyundai-Kia, McDonalds, Orange, Socar und Turkish Airlines. Ihre exklusiven Verträge mit der UEFA erlauben es ihnen, mit dem offiziellen Logo und Slogan der EM zu werben. Ein lukratives Geschäft: Der Sportartikelhersteller adidas hat gerade seine Gewinnprognose angehoben. Beflügelt von der EM und Olympia rechnet adidas damit, den 2015 erzielten Gewinn von 720 Millionen Euro um 15 bis 18 Prozent steigern zu können, ein Plus von 108 bis 129 Millionen Euro. Andere Unternehmen müssen eine Lizenz vom Verband erwerben, um Werbung mit den offiziellen Symbolen machen zu dürfen. Die Verträge mit Sponsoren und Lizenznehmern bringen der UEFA nach eigenen Berechnung einen Ertrag von 400 Millionen Euro ein.

Mehr als 10 000 Soldaten im Einsatz

Als Folge der Terror-Anschläge hat Frankreich das Budget für die Sicherheitsmaßnahmen während des Turniers von 12 Millionen Euro auf 24 Millionen Euro verdoppelt. Ein Großteil davon fließt in die Sicherung der zehn Fan-Zonen, in denen die Spiele auf einer großen Leinwand gezeigt werden. Insgesamt werden fünf Millionen Besucher während des Turniers in den Fan-Zonen erwartet. Mehr als 10.000 Soldaten, Tausende Spezialkräfte, Drohnen und ein 2 Millionen Euro teures Videoüberwachungssystem werden im Einsatz sein. Die Kosten dafür werden zwischen der UEFA, dem Staat und den zehn Gastgeber-Städten aufgeteilt.

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Veröffentlicht am 07. Jun 2016 um 19:51 Uhr von Chris Tian
Nicht zu vergessen natürlich, dass eben auch die französischen National-Sicherheitskräfte durch ihren flächendeckenden und intensiven Einsatz ordentlich mit verdienen ;) aber Sicherheit geht natürlich immer vor bei solchen Großereignissen!