Basketballspieler Jasper Günther
Wir haben Jasper (am Ball) gefragt, wie er Profisport und Studium unter einen Hut kriegt. | Foto: Christoph Maderer

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Basketballspieler Jasper Günther im Interview

So vereinbart Jasper Studium und Profikarriere

Profi-Karriere statt Gap Year

UNICUM: Wie lange spielst du schon Basketball?
Jasper: Ich habe mit elf Jahren angefangen, Basketball zu spielen. Ich hatte schon immer einen Bezug zu der Sportart. Meine Heimatstadt Hagen ist eine Basketball-Stadt. Ich musste also nicht in andere Städte fahren, um Basketball zu spielen. Dazu kommt, dass meine beiden Brüder und meine Eltern auch alle Basketball gespielt haben. Die Entscheidung für Basketball fiel mir also nicht schwer. Ich habe vorher auch viele andere Sportarten ausprobiert, unter anderem Fechten und Tennis, aber mich dann schließlich auch für Basketball entschieden.

Du bist mittlerweile aber nicht nur Profi-Spieler, sondern studierst auch…
Ja, das stimmt. Als ich 2017 mein Abitur gemacht habe, wollte ich mich ein Jahr lang zunächst ganz auf den Sport konzentrieren. Nach einem Jahr habe ich dann aber beschlossen, mit dem Studium anzufangen und studiere jetzt Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni Hagen.

Den Sport betreibst du aber trotzdem weiter wie vorher?
Ja, genau, den betreibe ich weiter wie vorher. Ich habe mir das Jahr Auszeit zwischen Schule und Studium nicht genommen, weil mich das Lernen einschränkt, sondern weil ich nach zwölf Jahren Schule einfach das Bedürfnis dazu hatte. So wie andere vielleicht ein Jahr ins Ausland gehen, habe ich mich ein Jahr lang voll auf den Sport konzentriert.


 

Basketballspieler Jasper Günther Phoenix Hagen

Über Jasper Günther

Jasper ist 20 Jahre alt und spielt seit seinem elften Lebensjahr Basketball. Aktuell ist er Profi-Basketballspieler bei dem Zweitligaverein Phoenix Hagen. Er studiert außerdem Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen. Zu seinen größten sportlichen Erfolgen zählen Bronze beim European Youth Olympic Festival 2015 und Bronze bei der Deutschen Meisterschaft 2015. Jaspers Brüder und Eltern haben ebenfalls Basketball gespielt. Sein Bruder Per (31) spielt beim Bundesligisten Ratiopharm Ulm der Basketball-Bundesliga.

 

"Es gehört viel Disziplin dazu."

Hast du das Studium mit einem konkreten Ziel begonnen?
Im Basketball hat man nicht ausgesorgt, wenn man seine Profi-Karriere beendet. Wenn man früh anfängt, sich ein zweites Standbein aufzubauen, und einen Bachelor- oder vielleicht sogar Master-Abschluss hat, glaube ich schon, dass einem das die Karriere nach der Karriere sehr erleichtert. Deswegen möchte ich mein Studium so gut wie möglich durchziehen. Ich werde meinen Abschluss zwar nicht in Regelstudienzeit schaffen, aber ich möchte die Studienzeit trotzdem so kurz wie möglich halten. Ich habe Teamkollegen, die es geschafft haben, mit 26 Jahren ihren Bachelor abzuschließen – was für Profisportler relativ früh ist. Die können jetzt ausgelassen die Sportart weiter ausüben, ohne sich Sorgen darüber machen zu müssen, mit Anfang 30 vielleicht mit leeren Händen dazustehen.

Wie lässt sich das Studium denn mit deiner Sportlerkarriere vereinbaren?
Basketball ist für mich aktuell schon wie ein Vollzeit-Job – nur nicht mit Arbeitszeiten, die man sonst aus klassischen Bürojobs kennt. Man kann im Sport natürlich nicht acht oder neun Stunden am Tag arbeiten, weil der Körper das nicht mitmachen würde. Ich habe zwei Stunden Training morgens und zwei Stunden Training abends plus extra Arbeit, die du noch investieren kannst, wenn dein Körper das hergibt. In den Zeiten dazwischen muss ich mir meine Zeit zum Lernen gut einteilen. Da ich an der Fernuni studiere, muss ich mich viel selbst motivieren. Es gehört viel Disziplin dazu – anders wird man es wahrscheinlich nicht schaffen. Es ist schwierig, an einer Präsenz-Uni zu studieren, vor allem, weil für mich dann wohl morgens das Training ausfallen würde. Das würde mich einschränken und sich auch in der Spielzeit widerspiegeln. Wenn man bei der Hälfte des Trainings nicht anwesend ist, lässt der Trainer einen vielleicht nicht mehr so viel spielen wie andere Spieler, die immer da sind.

Möchtest du auch nach Ende deiner Profi-Karriere im Sportumfeld bleiben?
Das wird sich noch herausstellen, je nachdem, wo meine Karriere hingeht. Mein Bruder [Per Günther, Anm. d. Red.] spielt aktuell noch in der Bundesliga. Das wird er wahrscheinlich auch nicht mehr so lange machen, weil er schon 31 ist. Er hat vielleicht die Möglichkeit, danach im Fernsehen zu moderieren, oder als Experte im Fernsehen aufzutreten. Um so etwas zu machen, muss man natürlich vorher auch schon etwas erreichen. Ich könnte mir auch gut vorstellen, später in diese Richtung zu gehen. Es muss aber nicht unbedingt die sportliche Richtung sein. Über den Verein lernt man ja auch Sponsoren kennen – vielleicht ergibt sich darüber ja mal ein Job. Oder man arbeitet im Verein.

Gibt es im Basketball klassische Karrierewege danach?
Das ist im Basketball nicht anders als in anderen Sportarten auch. Wenn man die Gabe dazu hat, Trainer zu werden, dann machen das auch viele. Aber nicht jeder Basketballer hat automatisch auch das Zeug dazu, als Trainer zu arbeiten. Es gibt aber auf jeden Fall Leute, die das gerne machen. Und es hilft auch, selbst Profi gewesen zu sein, aber einen klassischen Weg gibt es nicht.

Ist der Gedanke "Was mache ich, wenn ich kein Profi mehr bin?" bei dir schon präsent?
Auf jeden Fall. In dem Jahr nach der Schule, in dem ich nur Basketball gespielt habe, habe ich auch gemerkt, dass viel Luft ist, in der man noch produktiv sein kann. Es ist also durchaus zu schaffen, sich nicht nur auf eine Sache zu beschränken. Und es kann immer sein, dass die Profi-Karriere verletzungsbedingt doch nicht so lange geht, wie man sich das vielleicht zunächst vorgestellt hat.

Karriere als Basketballspieler: "Mit 35 ist bei den meisten Schluss."

Wie lange dauert denn die klassische Karriere als Basketballspieler?
Das ist schwierig pauschal zu sagen. Es kommt darauf an, wie fit man ist, wie viel Lust man noch darauf hat und ob man auch Abstriche machen möchte, was das Niveau angeht. Man könnte zum Beispiel noch in der zweiten Liga weiterspielen. Das machen manche gerne, wenn es für die erste Liga nicht mehr reicht. Andere reizt es jedoch nicht, auf diesem Niveau weiterzuspielen, und sie beenden ihre Karriere dann lieber. Mit ca. 35 Jahren ist bei den meisten Schluss. Da ist man einfach nicht mehr so fit wie mit 25.

Dieses Jahr bist du als Botschafter bei den Ruhr Games vertreten. Was genau steckt hinter der Veranstaltung?
Am einfachsten kann man es erklären, wenn man Olympia oder eine Leichtathletik-WM nimmt, und sich das in einem ganz kleinen Rahmen vorstellt. Verschiedene Sportler treten in Wettkämpfen in unterschiedlichen Sportarten gegeneinander an. Danach gibt es dann noch eine große Show, wo dieses Jahr Cro auftritt. In erster Linie geht's bei den Ruhr Games um das Zusammentreffen mit anderen jungen Sportlern. Vor zwei Jahren habe ich bei den Ruhr Games selbst mitgespielt. Mit den Jugendteams – dafür bin ich jetzt zu alt. Ich werde aber auf jeden Fall trotzdem da sein und freue mich auf das Cro-Konzert und auch darauf, mir die anderen Sportarten anzusehen.


Ruhr Games Infos

Infos zu den Ruhr Games

Die Ruhr Games finden vom 20. bis zum 23. Juni 2019 im Landschaftspark Duisburg Nord statt. Bei dem Sport- und Kulturfestival gibt es über 600 Angebote im Bereich Sport, Kultur und Europa. Athletinnen und Athleten aus über 32 Ländern treten in Wettkämpfen, Turnieren und in der Europameisterschaft im Skateboarding gegeneinander an. Außerdem treten einige Musik-Acts, u.a. Cro und Bosse, im Rahmenprogramm des Festivals auf. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Mehr Infos findest du auf der Webseite der Ruhr Games.

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