Jugend hackt
"Jugend hackt": Treffpunkt für junge Programmierer | Foto: Jugend hackt

06.01.2016

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19. Dez 2016

Nathan Niedermeier

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"Jugend hackt": Drei junge Programmierer über ihr Hobby

Ilias Ennmouri: "Man kann auf einen Knopf drücken und dann passiert etwas krasses"

Ilias ist 15 Jahre alt, kommt aus Elchesheim-Illingen bei Karlsruhe und programmiert gerne. Durch Hackathons hat er nicht nur deutschlandweit und international Freunde gefunden, sondern auch Tim Cook, der 2011 Steve Jobs als Chief Executive Officer (CEO) bei Apple ablöste, getroffen. Bei "Jugend hackt" ist der junge Programmierer seit einem Jahr mit dabei. Nach der Schule möchte er auf der City University in London Computer Science studieren.

UNICUM: Was macht dir besonders Spaß am Programmieren?
Ilias: Als ich 10 Jahre alt war, hat mein Vater mir seinen alten Computer hingestellt und dann durfte ich daran rumprobieren. Ich bin immer tiefer in die Dateien reingegangen, habe gegoogelt und geguckt, was das für eine Sprache ist. So hat eigentlich alles angefangen. Was mich wirklich fasziniert? Die Tatsache, dass man auf einen Knopf drücken kann und dann irgendetwas Krasses passiert.

Wie hast du von Jugend hackt erfahren?
Ich habe vorher sehr viel gezockt und programmiert, das ist meine Hauptfreizeitaktivität, die mir Spaß macht. Ich habe im Internet recherchiert und darüber von Hackathons erfahren. Dann habe ich geguckt, was es da in meiner Nähe gibt und habe dann eine Veranstaltung von "Jugend hackt" in Ulm gefunden. Ich habe noch einen Kumpel gefragt, der ist dann auch mitgekommen. 

Was machst du genau bei "Jugend hackt"?
Ilias Ennmouri Tim CookIch war zum Beispiel bei dem Projekt "Scan ess einfach" mit dabei. "Scan ess einfach" funktioniert so: Wenn du den Barcode eines Lebensmittels scannst, werden die Inhaltsstoffe angezeigt und definiert. Wir aus der Gruppe schreiben noch wöchentlich und arbeiten weiter an unserem Projekt. Es soll erstmal als Website stehen bleiben und vielleicht fügen wir dann noch die iPhone-App hinzu. Meine Aufgabe bei dem Projekt war es, die App zu programmieren. Zusätzlich habe ich überlegt, welchen Server wir nehmen und diesen dann eingerichtet. Die App habe ich dann leider nicht mehr ganz fertig programmiert bekommen.

Aber außerhalb von Jugend hackt programmierst du ja auch, was genau machst du dann?
Ich arbeite gerade an einem Schlüsselbund für den Mac, das für den Benutzer ziemlich einfach, aber im Hintergrund sehr komplex ist. Auf jedem Mac gibt es so einen Schlüsselbund von Apple – der ist zwar gut, aber nicht einfach zu bedienen und ziemlich unübersichtlich. Meine App soll das einfacher machen. Die Sache ist auch schon halb fertig und wird bald veröffentlicht. Mir ist es wichtig, den Leuten den Weg zu Sicherheit leichter zu machen. Die Themen Sicherheit und Kryptographie liegen mir am allermeisten am Herzen.

Wie kam es das du Tim Cook getroffen hast?
Ich bin in diesem Sommer als Schülerstipendiat zur WWDC 16 von Apple gefahren, das war in San Francisco. WWDC, das steht für "World Wide Developers Conference" und ist eine jährlich stattfindende Konferenz für Softwareentwickler. Da war natürlich auch Tim Cook vor Ort.   


Paula Matuundju: "Wenn man mir etwas zeigt, will ich das unbedingt lernen."

Paula kommt aus Köln-Mühlheim. Neben ihrem Interesse für Informatik spielt sie Geige und geht montags zum Rock'n'Roll-Tanz. Vor zwei Jahren war die 15-Jährige zum ersten Mal bei einem Hackathon von "Jugend hackt" mit dabei. Zusammen programmieren macht ihr viel mehr Spaß als alleine. Ob sie das später aber auch beruflich machen möchte, weiß sie noch nicht.

UNICUM: Wie kam es, das du bei Jugend hackt mitmachen wolltest?
Paula: Ich habe zwar seit der 8. Klasse Informatik, das hat aber nicht so wirklich was gebracht, weil unsere Lehrerin eigentlich dauerhaft krank war. Da habe ich also nicht wirklich viel gelernt und weiß quasi so viel wie vorher. Aber mein Vater ist Programmierer und beschäftigt sich viel mit dem ThemaPaula Matuundju Open-Data. Er wurde gefragt, ob er nicht Mentor für "Jugend hackt" werden möchte, das ist er dann auch geworden. Er meinte, dass ich doch mal mitkommen könnte – das fand ich eine super Idee. Ich konnte nicht viel machen wegen der Lehrerin, von der ich gerade erzählt habe, aber ich habe schon ein bisschen verstanden, wie das alles so funktioniert.  

Was hat dir daran besonders Spaß gemacht?
Ich fand die Leute ganz cool und ich habe viel gelernt. Zusammen Probleme finden und dann Projekte dazu entwickeln, das ist es, was mir daran Spaß macht. Informatik und Programmieren kann man zwar auch alleine, aber ich finde, zusammen macht es mehr Spaß und man lernt neue Leute kennen. Ich habe auf den "Hackathons" zwar eigentlich nur gebastelt, aber ich wollte unbedingt wieder kommen. Beim zweiten Mal war ich dann bei dem Projekt "Schul-o-Mat" mit dabei.

Was ist das für ein Projekt?
"Schul-o-Mat" gibt Schülern die Möglichkeit, ihre Schule auf einer Website zu bewerten. So können andere Schüler, die sich über die Schule erkundigen wollen, sehen, wie die Schüler sie finden. Die Website dafür gibt es schon. Sie funktioniert noch nicht perfekt, aber es sind schon viele Schulen darauf zu finden. Ich habe das Logo für das Projekt am Computer designt und bei verschiedenen anderen Sachen mitgeholfen. Die Projektidee dazu haben wir zusammen als Gruppe entwickelt.

Programmierst du auch außerhalb von "Jugend hackt"?
Mein Vater hat neulich ein Gerät gekauft, das die Luftfeuchtigkeit misst. Das haben wir gemeinsam zusammengebastelt und etwas damit rumgespielt. Wir haben immer so kleine Projekte. Wir wollten auch mal eine Karte von Wochenmärkten machen, auf der man dann sieht, wann wo ein Markt ist, aber irgendwie hatten wir dann nicht die Zeit dazu.

Was findest du denn besonders spannend am Programmieren oder an Informatik?
Ich finde es total cool, was man alles Unglaubliches damit machen kann, da würde ich gern auf allen Ebenen lernen. Ich glaube, ich bin einfach zu neugierig. (Lacht) Wenn man mir etwas zeigt, will ich das unbedingt lernen. Man hat mit dem Internet und der Technik so viele Möglichkeiten. Ich finde diese Themen sollten auch in der Schule stärker aufgegriffen werden, im Moment wird dort nämlich noch viel zu wenig darüber gesprochen.


 

Jonas Griepentrog: " Wenn man programmieren kann, dann gibt es keine Grenzen."

Jonas wohnt in Leichlingen bei Leverkusen. Der 14-jährige programmiert nicht nur gerne, neben der Schule spiele er Tischtennis und geht auch noch regelmäßig ins Fitnessstudio. Er war bisher bei zwei "Jugend hackt"-Veranstaltungen mit dabei. Er hat sich Videos angeschaut und dann einfach drauflos programmiert. Ob er so etwas später beruflich machen möchte, ist noch nicht sicher, aber es wäre auf jeden Fall eine Option.

UNICUM: Wie kam es, dass du Lust hattest, zu einer Veranstaltung von "Jugend hackt" zu fahren?
Jonas: Ich habe im Internet recherchiert, weil mich das Programmieren generell interessiert hat. Dann habe ich mir ein paar Videos angeschaut, Artikel durchgelesen und einfach mal drauflos programmiert. Als ich dann von "Jugend Jonas Griepentroghackt" erfahren habe, dachte ich: "Das kann ich ja mal ausprobieren!"

Was hast du vorher programmiert?
Nichts Großes, nur kleinere Anwendungen wie zum Beispiel einen Taschenrechner.

Hast du in der Schule Informatikunterricht?
Ja, ich habe in der Schule Informatik gewählt und das gefällt mir auch ganz gut. Wir haben dort auch programmiert, was mir natürlich Spaß gemacht hat. Im Moment sprechen wir darüber, was man so im Internet darf, über Sicherheit und Verschlüsselung. Aber wenn man nicht Informatik gewählt hat, dann erfährt man nichts davon. Die Leute wissen gar nicht, was sie da so alles tun oder wann es gefährlich werden kann.

Das heißt: Was muss ich wissen?
Um das Internet richtig nutzen zu können, muss man beides kennen: die Vorteile, aber auch die Gefahren. Wichtig ist, Gefahren zu erkennen und richtig damit umgehen zu können. Wenn man dazu in der Lage ist, dann überwiegen auf jeden Fall die Vorteile des Internets.

Was macht Programmieren für dich so interessant?
Was ich besonders toll finde, ist, dass man unendlich viele Möglichkeiten hat. Man kann kreieren, was man möchte – wenn man programmieren kann, gibt es keine Grenzen.

Und was gefällt dir besonders an "Jugend hackt"?
Man hat Möglichkeiten, die man zu Hause nicht hat – einfach schon von der Hardware her. Wenn man zum Beispiel eine Drohne programmieren möchte, braucht man einen Mikrocontroller, also so eine Art Mini-PC. So etwas hat man zu Hause so nicht zur Verfügung.

Bei "Jugend hackt" warst du an der Programmierung von "GetUp" beteiligt. Worum geht es da?
"GetUp" ist eine Drohne, die den Benutzer morgens mit einem Ton weckt und dann selbstständig wegfliegt. Um die Drohne ausstellen zu können, muss der Benutzer sie fangen. Wenn man die Drohne eingefangen hat, ist man wach. Bei "GetUp" war es mein Job, dafür zu sorgen, dass die Drohne nicht gegen eine Wand fliegt – dass sie also eine Wand erkennt und dann nicht mit ihr kollidiert.


Weitere Infos zu "Jugend hackt"

"Mit Code die Welt verbessern" – unter diesem Motto veranstalten die "Open Knowledge Foundation Deutschland" und "mediale pfade" seit 2013 Hackathons für 12- bis 18-Jährige. 2016 gab es acht solcher "Jugend hackt"-Veranstaltungen. Fünf der Events waren in Deutschland – in Berlin, Hamburg, Köln, Ulm und Leipzig. Erstmals gab es aber in diesem Jahr auch jeweils einen Hackathon in der Schweiz, Österreich und sogar in Südkorea.

Zu Beginn eines solchen Wochenendes finden sich die Teilnehmer in Gruppen von drei bis acht Leuten zusammen. Die Gruppen überlegen sich dann ein Projekt zu einem vorher bekanntgegebenen Oberthema und beginnen mit dem Tüfteln, Basteln und Programmieren. Dabei kommen dann ganz unterschiedliche, geniale Projekte heraus, wie auch die drei, die uns Ilias, Paula und Jonas vorstellen. Unterstützt werden die Nachwuchsprogrammierer von ehrenamtlichen Mentoren.

"Jugend hackt" ist ein Programm, das junge programmierbegeisterte Menschen fördern möchte. Bewusst geht es um die Verknüpfung von gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen sowie den Programmierfähigkeiten der Jugendlichen. Am 5. Dezember 2016 hat "Jugend hackt" in der Kategorie "Demokratie stärken" den "Deutschen Engagementpreis" verliehen bekommen. 

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