Frauen in MINT-Berufen
MINT-Berufe sind spannend – auch für Frauen! | Foto: Thinkstock/Matej Kastelic
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28. Aug 2013

Nathalie Klüver

News

Wo sind die MINT-Mädels?

-ARCHIV-

Frauen und Technik: In Zukunft hoffentlich die Regel

Klischees, die leider die Realität beschreiben

Sie, die Soziale, die gerne etwas mit Menschen machen möchte und schon früher ihre Puppen hingebungsvoll gepflegt hat. Er, der Macher, der schon als kleiner Junge Papas Werkzeugkasten auseinandernahm. Klischees – aber sie beschreiben die Realität, leider. Immer noch entscheiden sich Mädchen lieber für ein Studium in den Sozial- oder Geisteswissenschaften als für MINT-Fächer.

Die gute Nachricht: Der Frauenanteil in den MINT-Fächern steigt kontinuierlich. Die Schlechte: Es sind immer noch zu wenige Frauen. 2011 haben sich nur 9,3 Prozent aller Studienanfängerinnen für ein Fach in den Ingenieurwissenschaften entschieden. Insgesamt wählten ein Drittel aller Studienanfänger (Jungs und Mädchen) diese Fächer. Laut DGB-Studie sieht es auch bei den Arbeitnehmern nicht anders aus: Nicht einmal jeder fünfte MINT-Beschäftigte ist weiblich.

Dabei sind die Zukunftschancen für die Absolventen bestens: Schon jetzt beklagen sich die Unternehmen über zu wenig Nachwuchs. Laut MINT-Meter der Initiative "MINT Zukunft schaffen" lag die Fachkräftelücke in den MINT-Berufen im Juni 2013 bei 114.800 – das heißt, 114.800 Stellen konnten nicht besetzt werden! Woran liegt es?

Dass die unterschiedlichen Interessen nicht rein angeboren sind, sondern vor allem durch Erziehung und Sozialisation, also gesellschaftliche Einflüsse, entstehen, ist nicht mehr umstritten. Heute haben Jungs und Mädchen eigentlich die gleichen Chancen, nicht so wie vor hundert Jahren, als im alten Preußen an Mädchenschulen Fächer wie Physik oder Chemie gar nicht erst auf dem Lehrplan standen. Damals sollte eine Frau vornehm Gedichte rezitieren können. Das ist heute zum Glück anders. Trotzdem studiert das weibliche Geschlecht lieber Germanistik als Maschinenbau.

"Das ist nichts für mich, weil ich eine Frau bin"

Der Wissenschaftsjournalist und Physiker Ranga Yogeshwar schiebt dies auf das immer noch sehr konservativ geprägte Bild in der Gesellschaft. "Interessanterweise hat das mehr mit Gefühl als mit Ratio zu tun." Die Pisa-Studie zeigt: Mädchen sind in Mathe genauso talentiert wie Jungs. Aber da gibt es noch die alten Sprüche à la "Frauen und Technik", die sich hartnäckig halten. Eine Art selbsterfüllende Prophezeiung, meint Yogeshwar. "Junge Frauen haben das Gefühl, 'das ist nichts für mich, weil ich eine Frau bin'." Statt sich auf die eigenen Fähigkeiten zu konzentrieren, hören sie auf Vorurteile. "Das Erinnern an ein Vorurteil reicht aus, dem Vorurteil die Tür zu öffnen und es mächtig zu machen. Nichts ist schwerer, als solche Vorurteile abzubauen."

Die nicht nur unter Männern vorherrschen – sondern auch unter Frauen und Mädchen selbst. Wer Maschinenbau studiert, muss hässlich sein, ein graues Mäuschen oder Mannsweib, denken immer noch viele. Vor allem in der Pubertät werden Rollenbilder gefestigt, um für das andere Geschlecht attraktiv zu sein. Lieber über High Heels sprechen als über die Leidenschaft Programmieren, denkt sich da manche 15-Jährige, die befürchtet, mit so einem Hobby nicht bei den Jungs landen zu können.

Die fehlenden Vorbilder sieht auch Barbara Schwarze als Problem. Die Professorin für Gender und Diversity von der FH Osnabrück beschäftigt sich in ihren Forschungen mit eben jenen Problemen. Deshalb sei es wichtig, jungen Mädchen weibliche Role Models zu zeigen, junge Frauen, die sich für ein technisches Studium entschieden haben, Absolventinnen technischer Studiengänge, die erfolgreich in ihrem Beruf sind. Auch die Medien könnten stärker ihren Teil dazu beitragen, MINT-Berufe für Mädchen attraktiver zu machen. "Wann wird in einer deutschen TV-Serie schon mal eine Ingenieurin gezeigt?", fragt Barbara Schwarze. Dabei könnte man, ähnlich wie in US-Serien wie CSI oder Crossing Jordan, Begeisterung für naturwissenschaftliche Berufe wecken – und zeigen, dass auch Frauen sie erfolgreich ausüben können. Ohne dabei dem Klischee einer grauen Maus zu entsprechen.

"Frauen sind in MINT-Berufen unverzichtbar"

Doch Barbara Schwarze macht nicht nur Vorurteile für die Situation verantwortlich. Sie spricht von einem "ganzen Bündel an Gründen". Weshalb es auch so schwer ist, etwas zu ändern. "Man muss an vielen Stellschrauben gleichzeitig drehen." Sie kritisiert, dass in der Schule in den naturwissenschaftlichen Fächern das Thema Technik zu wenig präsent ist. "Es fehlen Berührungspunkte zu Unternehmen wie gemeinsame Projekte."

Die Verbindung zwischen Theorie und Praxis gelte es zu schaffen, damit Schüler wissen, wofür man die Formeln eigentlich benutzen kann. "Die meisten Lehrer haben keine Erfahrungen in der Berufspraxis außerhalb der Schule." Dabei gibt es positive Ansätze. Wie ein Wahlpflichtfach MINT für Mädchen, das es an einigen Schulen gibt. Oder offene Labore an Hochschulen. Nicht zu vergessen der "Girl's Day". Und zahlreiche Initiativen, wie "MINT Zukunft schaffen" oder der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen "Komm, mach MINT", für den Barbara Schwarze als Beraterin arbeitet.

Auf einer Projektlandkarte zeigt die Website des Paktes Mentoringangebote, Praktikumsmöglichkeiten oder Veranstaltungen zu dem Thema an. Auch das Niedersachsen-Technikum, in dem das Hochschulstudium und die Berufspraxis in Unternehmen erprobt werden, zeige mit einer Erfolgsquote von über 90 Prozent, dass Mädchen erfolgreich für technische Berufe gewonnen werden können.

Doch damit die Angebote ihre Wirkung entfalten, braucht es Kontinuität, sagt Barbara Schwarze. Theorie und Praxis sollten während der ganzen Schullaufbahn, also von der Kita bis zur Uni miteinander verknüpft werden. Dabei sei es so wichtig, Frauen in MINT-Berufe zu locken. Frauen haben andere Führungsstile, andere Erfahrungshintergründe, die zu anderen Ideen führen können. Das gibt neue Impulse, beispielsweise für Produktentwicklungen. Nicht zuletzt könne Deutschland angesichts des drohenden Fachkräftemangels nicht auf Frauen in Technik und Naturwissenschaft verzichten: "Indien und China machen in Sachen Technik große Sprünge, da kann es Deutschland sichnicht leisten, auf dem derzeitigen Niveau zu verharren."

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Veröffentlicht am 23. Mär 2016 um 20:40 Uhr von EcwardCof
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