Olympia 2016 Teilnehmer
Heute Uni, morgen Olympia: Diese Studenten vertreten Deutschland in Rio | Foto: Thinkstock/SkgKirill
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27. Jul 2016

Sebastian Wolking

News

Olympia 2016: 3 Studenten auf Goldmedaillen-Jagd!

Vom Hörsaal zu den Olympischen Spielen nach Rio

Der Kanute: Max Hoff


InfoSteckbrief

  • 33 Jahre
  • siebenmaliger Weltmeister (1x Bronze bei Olympia 2012)
  • studiert BWL als Aufbaustudium an der privaten Fernhochschule AKAD in Leipzig


UNICUM: Max, du hast von 2004 bis 2009 an der Uni Köln Biologie mit Schwerpunkt Molekularbiologie studiert und mit Diplom abgeschlossen. Seit 2011 hängst du noch ein Aufbaustudium in BWL an einer privaten Hochschule dran. Warum?
Max: Weil ich später irgendwo eine vernünftige Arbeit finden will (lacht). Nein, im Ernst: Als Diplom-Biologe ist der Arbeitsmarkt doch relativ schwierig. Und ich möchte später nicht Wissenschaftler werden, darauf läuft es bei vielen Biologen ja hinaus. Eine Promotion kam auch deshalb nicht infrage, weil sie mit dem Sport zeitlich und logistisch nicht vereinbar ist. Mit einem BWL-Studium bin ich einfach breit aufgestellt. An einer privaten Hochschule deshalb, weil es sich um eine Fernuni handelt, an der ich mit naturwissenschaftlichem Erstfach einen Master in BWL anhängen kann. Es ist ein Aufbaustudium. Und die private Hochschule ist auch ein bisschen kooperativer, was den Sport angeht.

Was ist für dich das das Schöne am Studieren – und was gefällt dir weniger?
Dass ich mir viel frei einteilen kann, das gefällt mir. Seminare habe ich gar keine, ich muss im Prinzip nur zu den Klausuren erscheinen. Es bringt mich definitiv weiter. Aber ich muss auch zugeben, dass ich langsam müde werde, am Schreibtisch zu sitzen und die Bücher durchzuwälzen. Um ehrlich zu sein: Ich bin das Studieren leid, es hängt mir langsam zum Halse raus. Aber bald ist es ja hoffentlich zu Ende.

Welche Pläne hast du denn für die Zeit nach dem Sport?
Der fixe Plan ist ehrlich gesagt noch nicht da. Aber ich möchte dem Sport erhalten bleiben. Am liebsten würde ich in die Industrie gehen, entweder direkt zu einem Sportartikelhersteller oder in die Marketingabteilung eines großen Unternehmens, das sich im sportlichen Bereich stark engagiert. Ich glaube schon, ein Unternehmen mit meinem Wissen nach vorne bringen zu können. 

Welche Eigenschaft als Sportler kannst du später im Beruf sicher gut gebrauchen?
Der Sport hat mir geholfen, all meine Aufgaben konsequent anzugehen. Ich hatte nie sehr viel Zeit und musste dadurch die Zeit, die ich hatte, sehr effektiv nutzen. Das Studium hat mir auch geholfen, mich zu organisieren. Und es hilft mir, mich auch mal vom Sport abzulenken. Wenn es im Sport mal nicht so gut läuft, gibt es einem Sicherheit und zeigt, dass der Sport nicht das Einzige ist im Leben. Ich glaube, es ist wichtig, dass man neben dem Sport noch eine Aufgabe hat. 

Warum klappt es diesmal mit dem Olympiasieg?
Weil ich noch mehr trainiert habe, reifer geworden bin und mehr Erfahrung habe. Aber das Wichtigste ist: Aller guten Dinge sind drei. Es sind meine dritten Olympischen Spiele. Bislang habe ich den fünften, dritten und vierten Platz belegt. Jetzt fehlen also noch zwei Plätze und die sind hoffentlich besser.

Die Judoka: Laura Vargas Koch


InfoSteckbrief

  • 26 Jahre
  • Vize-Weltmeisterin 2013
  • promoviert in Mathematik an der RWTH Aachen in Algorithmischer Spieltheorie


UNICUM: Laura, du arbeitest gerade an der RWTH Aachen an deiner Doktorarbeit in Mathematik. Wie läuft es denn so?
Laura: Ich kann mich nicht beklagen, weil ich von der RWTH erstens ein Stipendium erhalten habe und zweitens auch generell sehr gut unterstützt werde. Ich bin jetzt seit ungefähr einem Jahr Doktorandin und habe kürzlich mein erstes wissenschaftliches Paper veröffentlicht. Aber wann ich letztlich meinen Doktor in der Tasche habe, kann ich beim besten Willen zeitlich noch nicht abschätzen. In der Regel dauert eine Promotion in Mathe zwischen drei und fünf Jahren.

Wie sieht dein bisheriger akademischer Werdegang aus?
Nach dem Abitur hatte ich anfangs noch überhaupt keinen richtigen Plan, was ich eigentlich machen sollte. Für ein reines Mathematik-Studium hat mir damals ehrlich gesagt der Mut gefehlt. Dann bin ich auf den Studiengang "Naturwissenschaften in der Informationsgesellschaft" an der TU Berlin aufmerksam geworden. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Mathe, Physik, Bio und auch gesellschaftlichen Aspekten. Geschätzt waren 60 Prozent der Studenten Frauen und 40 Prozent Männer, weil der Studiengang speziell auch Frauen für die MINT-Fächer begeistern soll. Bei mir hat das auch sehr gut geklappt. Das Studium hat bei mir ein tieferes Interesse für die Mathematik geweckt, daher habe ich mich auch auf Mathe spezialisiert. Ich habe erst meinen Bachelor gemacht, danach noch meinen Master in Mathe drangehängt und nun schreibe ich meine Doktorarbeit.

Und was kommt nach dem Doktor?
Ich könnte mir vorstellen, an der Uni zu bleiben. Aber auch das Thema selbstfahrende Autos interessiert mich sehr, weil in diesem Bereich sehr viel mit Algorithmen gearbeitet wird. Das fände ich auch sehr spannend. Aber zunächst mal steht der Sport für mich im Vordergrund. Bis zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 will ich auf jeden Fall noch weitermachen.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich Sport und Studium gewissermaßen auch gegenseitig befruchten. Stimmt das?
Ja, ich habe zum Beispiel keine Prüfungsangst. Das unterschiedet mich schon schon von vielen Studenten, die ja speziell ein Problem mit mündlichen Prüfungen haben. Als Sportlerin entwickelt man eine gewisse Nervenstärke. Nicht zu unterschätzen sind andererseits die Erfolgserlebnisse, die man während des Studiums sammelt. Die tun vor allem gut, wenn es im Sport nicht so gut läuft. Das ist ein großer Vorteil. Grundsätzlich lernt man als Student, sich Ziele zu setzen, die eigene Zeit einzuteilen und sich selbst zu organisieren. Alles Dinge, die man auch im Sport gebrauchen kann.

Viele Leistungssportler wollen dem Sport nach der eigenen Karriere erhalten bleiben. Wäre das nicht auch eine berufliche Option?
Eine berufliche Option auf keinen Fall. Ich könnte mir schon vorstellen, mich ehrenamtlich im Verein zu engagieren. Aber ich kann mir nicht vorstellen, Trainer zu werden. Das würde mir keinen Spaß machen und ich fürchte, dass ich dafür auch nicht so gut geeignet bin. Ich agiere im Sport sehr intuitiv. Auch motivieren liegt mir nicht so, das können andere besser. Lehrer wäre deshalb auch nichts für mich.

Der Fechter: Maximilian Hartung


InfoSteckbrief

  • 26 Jahre
  • Mannschafts-Weltmeister 2014
  • studiert an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen Soziologie, Politik und Wirtschaft

 

New outfit rocks! Ready for @rio2016 #wirfuerd #roadtorio

Ein von Max Hartung (@derhartung) gepostetes Foto am


UNICUM: Maximilian, du studierst Soziologie, Politik und Wirtschaft. Was hast du später damit vor?
Maximilian: Um ehrlich zu sein habe ich mich noch nicht festgelegt. Die ehrenamtliche Arbeit im Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe macht mir unheimlich viel Spaß und ich kann mir vorstellen, im Non-Profit-Bereich für eine NGO oder Stiftung zu arbeiten. Das Praktikum im Europaparlament vergangenes Jahr war allerdings auch aufregend. Ich werde mir nach meinem Karriereende Zeit nehmen und mich entscheiden.

Was gefällt dir am Studieren?
Mir gefällt anders als den Meisten der theoretische Teil (lacht). Mir macht es Spaß zu abstrahieren und in Modellen zu denken. Ich habe mich schon vor Beginn des Studiums oft gefragt: Wie funktioniert das hier eigentlich alles? Es ist toll, im Studium darüber nachzudenken, auch wenn man es hinterher natürlich immer noch nicht weiß.

Hilft dir der Sport in irgendeiner Weise auch im Studium? Oder andersherum das Studium im Sport?
Beides gibt Sicherheit. Wenn es mal mit dem Sport nicht gut läuft, weiß ich, ich habe immer noch meine Ausbildung und werde, wenn es mal nicht mehr läuft oder ich mich verletze, keine große Mühe haben, umzusatteln. Gleichzeitig hilft der Sport enorm, um vom Studium abzuschalten. Beim Fechten ist man ganz auf den Gegner und den Moment konzentriert. Da vergisst man den Klausurstress. Umgekehrt lenkt das Studium ab, wenn der Druck mit der Olympiaquali groß ist. Für mich funktioniert es gut, auch wenn oft viel zu tun ist.

Wenn du dir deinen Traumjob backen könntest, was müsste der beinhalten?
Auf jeden Fall müsste ich den Sinn sehen hinter dem, was ich tue. Ich möchte gerne gemeinsam mit anderen Menschen für eine Sache arbeiten, an die ich glaube.

Warum sollten mehr Studenten fechten?
Weil Fechten cool ist und Spaß macht (lacht).

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