Anne Frank beste Freundin
Anne Frank und ihre beste Freundin Jacqueline van Maarsen | Foto: WDR/Jacqueline van Maarsen/Anne Frank Fonds Basel

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Anne Franks beste Freundin: "Anne wollte immer berühmt werden."

Gespräch mit Jacqueline van Maarsen und ihrem Enkel Job

Anne Frank: Jacqueline van Maarsen war ihre beste Freundin

Plötzlich wird es ganz still im "Studio Zwei", in das der WDR zum Pressegespräch mit Jacqueline van Maarsen geladen hat, als sich die 90-Jährige auf einen Rollator gestützt ihren Weg zur Bühne bahnt. Man merkt, dass es wohl alle Anwesenden beeindruckt, dass gerade die Frau den Raum betritt, die Anne Frank als Mädchen gut kannte, ihre beste Freundin war und der sogar ein bewegender Abschiedsbrief in Anne Franks Tagebuch – das nach ihrem Tod so berühmt wurde – gewidmet wurde. Anne und Jacqueline lernen sich im Herbst 1941 in Amsterdam kennen, als die beiden das Jüdische Gymnasium in Amsterdam besuchen. Die beiden sind unzertrennlich – bis Anne im Juli 1942 plötzlich verschwindet. Jacqueline vermutet, dass Anne und ihre Familie zu Verwandten in die Schweiz geflüchtet sind und ahnt nicht, dass sich ihre Freundin immer noch in Amsterdam, in einem Versteck in einem Hinterhaus, befindet. Jacqueline, die als Tochter einer katholischen Mutter und eines jüdischen Vaters am 30. Januar 1929 in Amsterdam geboren wurde, hat große Angst vor den Nazis. Sie muss jedoch schon bald nicht mehr fürchten, in ein Konzentrationslager verschleppt zu werden: Der Jurist Hans Calmeyer, der für die deutschen Besatzer "rassistische Zweifelsfälle" bewertet, stuft Jacqueline und ihre Schwestern als "nicht-jüdisch" ein. Dass Anne im Februar 1945 im KZ Bergen-Belsen stirbt, erfährt Jacqueline erst nach Ende des Kriegs, als sie Annes Vater wieder trifft, der ihr schließlich auch den Abschiedsbrief überreicht, den Anne an Jacqueline in ihrem Tagebuch verfasste.


Anne Frank Informationen

Wer war Anne Frank?

Anne Frank

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. 1934 ist sie mit ihrer Familie in die Niederlande ausgewandert, um der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen. 1941 lernte sie in der Schule ihre Freundin Jacqueline van Maarsen kennen. Ab Mitte des Jahres 1942 lebte sie für zwei Jahre mit ihrer Familie in einem Hinterhaus-Versteck in Amsterdam, bis sie 1944 von den Nationalsozialisten verhaftet wurde. Während ihrer Zeit in dem Versteck führte Anne ein Tagebuch, indem sie ihre Erlebnisse, Gedanken und Träume festhielt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Buch als "Das Tagebuch der Anne Frank" von ihrem Vater Otto Frank, der als Einziger seiner Familie den Krieg überlebte, veröffentlicht. Anne starb im Frühjahr 1945 im KZ Bergen-Belsen.


Scroll dich durch die Story und sieh, wie Jacqueline van Maarsen den bewegenden Abschiedsbrief ihrer Freundin Anne Frank vorliest:


"Ich hätte Anne gerne gesagt, dass sie berühmt geworden ist."

Was sie ihrer Freundin Anne noch gerne gesagt hätte? "Dass sie berühmt geworden ist. Denn sie wollte immer berühmt werden", erklärt Jacqueline van Maarsen. Die Erinnerung an ihre Freundin Anne Frank und an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs wachzuhalten, hat die Niederländerin zu ihrer persönlichen Aufgabe gemacht. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie mehrere Bücher über ihre Erinnerungen an Anne Frank herausgebracht und immer wieder an Schulen über ihre eigenen Erfahrungen berichtet, um die Erinnerung für nachfolgende Generationen wachzuhalten. In der Hoffnung, "dass junge Leute verstehen, dass die Geschichte wichtig ist". An Schulen geht sie altersbedingt mittlerweile nicht mehr, für das Projekt "WDR AR 1933-1945" hat sie ihre und Anne Franks Geschichte nun aber noch mal erzählt: Die Augmented-Reality-App des WDR ermöglicht es, Zeitzeugen als Hologramm digital ins Klassenzimmer zu holen.


Wie die App aussieht, kannst du dir hier anschauen:


Anne Frank war immer präsent

Auf die App selbst habe Jacqueline van Maarsen erstmal skeptisch reagiert ("Muss das so?"), sie verstehe jedoch auch, "dass das für junge Menschen heutzutage interessant ist." Einer dieser jungen Menschen ist ihr Enkel Job (18), der Jacqueline van Maarsen zu dem Pressegespräch begleitet hat. Job hat gerade die Schule beendet und wird ab dem Herbst Angewandte Physik an der Universität Delft studieren. Dass seine Oma an der Zeitzeugen-App des WDR mitgewirkt hat, findet er gut. "Projekte wie diese App sind definitiv wichtig, um Geschichte für Schüler zugänglicher zu machen – insbesondere auch für jüngere Jahrgangsstufen", erklärt er. "Meine Oma ist auch mal an meine Schule gekommen, um dort über Anne Frank und ihre Geschichte zu sprechen – da muss ich ungefähr sieben Jahre alt gewesen sein. Letztes Jahr hat sie wieder an meiner Schule gesprochen. Sie tut viel dafür, um auch den jüngeren Generationen zu verdeutlichen, was für schreckliche Dinge während des Zweiten Weltkriegs geschehen sind." Die Geschichte von Anne Frank war in Jobs Familie immer präsent. "Ich erinnere mich an keine Zeit, in der ich nicht wusste, wer Anne Frank ist. Meine Großmutter war eben schon immer die beste Freundin von Anne Frank."


Job Sanders Enkel Jacqueline van Maarsen


"Wir müssen unser Bestes tun, um alle daran zu erinnern, was passiert ist."

Für ihn selbst ist seine Oma in erster Linie einfach seine Oma. Bei seinen Freunden sorgt die Geschichte jedoch häufig für Erstaunen. "Wenn ich meinen Freunden das erste Mal sage, dass sie die beste Freundin von Anne Frank war, sind sie immer sehr überrascht und interessiert." Anders als Job haben viele Leute in seinem Alter niemanden mehr in ihrem persönlichen Umfeld, der den Zweiten Weltkrieg selbst miterlebt hat. Für Job ist es daher umso wichtiger, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät: "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es noch mal einen Weltkrieg mit dem gleichen Ausmaß wie der Zweite Weltkrieg geben wird – denn das Ausmaß war unfassbar groß. Aktuell liegt der Krieg erst einige Jahrzehnte zurück und die meisten haben noch vor Augen, wie furchtbar das Ganze war. Aber was ist in 100 Jahren? Wir müssen unser Bestes dafür tun, um alle daran zu erinnern, was passiert ist."

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