Handelspartner China
Unser wichtigster Import-Partner: China (hier Shanghai) | Foto: Unsplash/Hanny Naibaho
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01. Mär 2018

Christina Scholten

Aktuelles

Handel international: Geschäfte mit der ganzen Welt

Die Globalisierung treibt den Handel voran – auch in Deutschland

Die Welt ist zwar nach wie vor kein Dorf, aber durch die wachsenden internationalen Beziehungen sind die Länder dieser Erde inzwischen eng miteinander verbunden. Die zunehmende Globalisierung treibt auch den Handel an. Öl aus Norwegen, Jeans aus den USA und Handys aus Asien: Wir können schnell und einfach Waren aus aller Herren Länder bestellen oder hierzulande kaufen. Warum das überhaupt geht und welche Rolle Deutschland als Exportland spielt, erklären wir dir in der Übersicht.

Warum handeln wir so viel mit dem Ausland?

"Deutschland ist Exportweltmeister" – diesen Spruch hat jeder schon einmal gehört. Tatsächlich ist die deutsche Wirtschaft in hohem Maße exportorientiert. Fast jeder vierte Arbeitsplatz hierzulande hängt vom Export ab. Doch Deutschland ist nicht nur abhängig von Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen, sondern auch vom Import.

Das liegt nicht nur daran, dass die Menschen hierzulande ganzjährig Ananas essen wollen, die nicht auf deutschen Feldern wachsen, oder wir amerikanische Autos fahren wollen. Wir brauchen zum Beispiel auch dringend Erdöl, das hierzulande nicht in großen Mengen vorhanden ist.

Deutschland ist ein recht rohstoffarmes Land, vor allem, was den Energiebereich angeht. Somit sind wir abhängig von den Lieferungen anderer Länder – und andere Länder sind ebenso abhängig von den Waren, die wir ihnen liefern.

Wie immens hoch der Außenhandel ist, zeigen die Zahlen: Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes exportiere Deutschland im Jahr 2016 Waren im Wert von 1 204 Milliarden Euro. Im Gegenzug importierte es Waren im Wert von 955 Milliarden Euro. (Zum Vergleich: 1996 importierte Deutschland Waren im Wert von nur 352.995 Euro und exportierte Waren im Wert von nur 403.377 Euro.)


 
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Deutschlands wichtigste Handelspartner

In Sachen Import: die anderen EU-Länder, vor allem die Niederlande und Frankreich. Außerdem spielen asiatische Länder eine immer größere Rolle. So ist China als Einzelland mit 9,82 Prozent der wichtigste Import-Partner Deutschlands (Umsatz: 94 Mrd. Euro).

In Sachen Export: USA mit einem Umsatz von ca. 107 Mrd. Euro.

Warum steht Deutschland wegen seiner Exportüberschüsse oft in der Kritik?

Deutschland verkauft seit vielen Jahren mehr und oft teurere Güter ins Ausland als es einkauft – das nennt man Exportüberschuss. Dieser erreichte 2016 deutlich über acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Das wird oft von anderen Ländern kritisiert, zuletzt beispielsweise durch Donald Trump. Auch der Internationale Währungsfond (IWF) warnt vor zu hohen Exportüberschüssen in Deutschland: Es könnte ein zu großes Ungleichgewicht zwischen den Handelsländern entstehen. Denn damit die anderen Länder überhaupt so viel aus Deutschland kaufen können, müssen sie sich bei uns verschulden. Wir geben dem Ausland also Kredite. Damit haben die Deutschen nicht nur eine höhere Position, sondern können selbst auch Schwierigkeiten bekommen: Wenn ein Schuldner die Kredite beispielsweise nicht zurückzahlen kann.

Was wird gegen den Exportüberschuss getan?

Damit wieder ein Gleichgewicht entsteht, raten Experten, dass Deutschland mehr investieren müsse. In eine bessere Infrastruktur zum Beispiel, in Kindergärten und Schulen, in höhere Löhne oder in geringere Sozialabgaben. Das alles soll die Wirtschaft hierzulande stärken – und soll wiederrum dazu führen, dass sich die Kaufkraft erhöht.

Natürlich gibt es hierzu auch Gegenstimmen. So erklärte Dr. Ludger Schuknecht, Chefökonom und Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass der Ruf nach Investitionen kurzsichtig und kein Allheilmittel sei. Seiner Meinung nach hilft die starke Wirtschaft Deutschlands allen Ländern.

Der Außenhandel ist also eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Sicher ist, dass er auch in den kommenden Jahren eine große Rolle für die Wirtschaft in Deutschland spielen wird. Spannend ist die Frage, ob dann immer noch Deutschland Exportweltmeister sein wird – oder ob China uns den Platz wieder abgeluchst hat.


Exkurs: Was ist das Freihandelsabkommen TTIP?

TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) ist ein geplanter Vertrag, der den Handel zwischen den USA und der EU vereinfachen soll. Einerseits sollen dadurch bürokratische Hürden wie Sondergenehmigungen wegfallen, die den Handel oft erschweren. Außerdem soll der Zoll weitgehend abgeschafft werden und damit Gebühren umgangen, was beispielsweise Importe wie Autos billiger machen würde.

TTIP steht bei vielen Leuten in der Kritik. Sie sehen die Gefahr, dass bestimmte Regelungen, die hier in der EU gelten, mit dem Vertrag außer Kraft gesetzt werden. So wollen sie zum Beispiel nicht, dass genveränderter Mais hierzulande verkauft werden darf. Außerdem finden die Verhandlungen im Geheimen statt: TTIP-Gegner befürchten, dass dadurch gewisse Firmen eine zu große Macht erlangen können.


 

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