Studium Werte
Ein Studium sollte deiner persönlichen Entwicklung dienen | Foto: Thinkstock/Wavebreakmedia Ltd
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01. Dez 2017

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Studium

Zwischen Creditpoints und Klausuren: Was bedeutet Studieren wirklich?

Über Werte, Erwartungen und Studentenklischees

"Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information": Ob dieses Zitat des Physikers Albert Einstein (1879-1955) heutzutage noch auf das Studium im Allgemeinen angewendet werden kann? In Zeiten von Bachelor, BAföG und Bewerbungsfristen scheint es, als wäre Studieren nur ein müßiger Punkt im Lebenslauf, den man schnellstmöglich hinter sich bringt, um dann so jung es geht ins Berufsleben einzusteigen. Nur: Warum eigentlich? Sollte die Studienzeit nicht diejenige sein, in der man sich als junger Mensch ausprobiert, sich hinterfragt und umfassendes Wissen ansammelt?

Im Wintersemester 2016/17 haben sich 2,8 Millionen Studierende an deutschen Hochschulen immatrikuliert. Im nächsten Winter gehörst vielleicht auch du zu den neuen Erstsemestern, die den Campus stürmen. Welche Hoffnungen du dann ans Studium stellen wirst, können wir nicht sagen. Doch wir haben für dich mit vier Studierenden und einem Junior-Professor der Universität Witten/Herdecke über Werte, Erwartungen und Studentenklischees gesprochen.

Who is Who? Die Teilnehmer der Gesprächsrunde stellen sich vor

  • Sukhjinder Gozra (28) studiert im ersten Master-Semester "Philosophie und Kulturreflexion".
  • Martin Hahn (26) studiert im 12. Semester "Business Economics" und hat sich neben dem Studium selbstständig gemacht.
  • Jens Lanfer (39) ist Juniorprofessor für "Politische Theorie & Politikfeldanalyse" an der Fakultät für Kulturreflexion.
  • Lara Venghaus (30) ist im 7. Semester "Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis".
  • Leonie Weber (22) studiert "Philosophie, Politik und Ökonomik" im 5. Semester.

Welche Werte sollten im Studium vermittelt werden?

Jens LanferUNICUM: Herr Lanfer, welche Werte wollen Sie im Studium an die Studierenden weitergeben?
Jens Lanfer: Neugierde muss man ganz großschreiben. Und natürlich auch Mut zum Widerspruch. Das, was man im Studium – in jedem Studiengang und an jedem Studienort – lernen muss, ist das Infragestellen. Wenn man einer anderen Meinung ist, dann sollte man gezielt widersprechen. Als Studierender sollte man Lust haben, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Wie wichtig sind diese Dinge an der Uni Witten/Herdecke?
Hier an der Uni Witten zählen ganz explizit bestimmte Werte – und die Studierenden bewerben sich auch genau auf diese Werte. Wer Freiheit oder soziale Verantwortung in seinem Studium sucht, ist hier richtig. Das merkt man an den Motivationsschreiben der Studierenden und an den Auswahlgesprächen, die dem Studium vorausgehen. Hier werden gerade solche Werte immer wieder hervorgehoben.

Das sagt Studentin Lara dazu:


Über den Tellerrand blicken

Sukhjinder GozraUNICUM: Sukhjinder, geht's für dich beim Studieren nur ums Fachwissen?
Sukhjinder: Eine Ausbildung ist für mich etwas, was einen Mensch in einem Fach ausbildet. Ein Studium geht aber darüber hinaus – der Mensch bildet sich hierbei selbst. 

An der Universität Witten/Herdecke gibt es dafür auch das Angebot des "StuFu", des "Studium Fundamentale". Jeden Donnerstag nehmen alle Studierende an fachfremden Seminaren teil.
Da ist ein tolles Angebot. Wir als Studierende können uns überlegen: Wo will ich mich weiterbilden? Was will ich wirklich tun? Sich diese Fragen zu stellen, ist elementar für die persönliche Weiterbildung. Ich selbst interessiere mich zum Beispiel sehr für Theater und Schauspiel. Im StuFu kann ich mich hier selbst erproben.


Von Begeisterung und akademischer Freiheit

Martin Hahn UNICUM: Laut aktuellen Studien brechen fast 30 Prozent der Studierenden ihr Studium wieder ab. Was fehlt ihnen? Ein entsprechendes Angebot der Hochschulen?
Martin: Das Problem ist: Wenn jetzt 40 Personen in einem Semester zusammenkommen, die alle Wirtschaft studieren, hat jeder von ihnen andere, persönliche Schwerpunkte. Wenn es dann einen starren Plan gibt, den ich abarbeiten muss, dann bleibt die Begeisterung auf der Strecke. Bei der akademischen Freiheit geht es aber vielmehr darum – trotz eines Studienplans – die Nuancen des Studiums für mich zu erkundschaften. Das entfacht die Begeisterung – und dadurch lerne ich viel mehr. Das zeichnet für mich das Studium im Allgemeinen und hier an der Uni Witten/Herdecke im Speziellen aus.

Was würdest du jungen Abiturienten und Studienanfängern raten?
Es ist sehr wichtig, dass man sich vor dem Studium Zeit nimmt und überlegt: Was möchte ich eigentlich wirklich studieren? In die Bereiche, die einen interessieren, kann man zum Beispiel erst einmal reinschauen, um sich dann für ein Studium zu entscheiden.

Du hast neben dem Studium ein Unternehmen gegründet. Wie wichtig war dabei die akademische Freiheit?
Hätte die Universität nicht zugelassen, dass man auch mal ein paar Semester aussetzt, dann hätte ich während des Studiums nicht gründen können. Nach dem Studium ist so ein Schritt aber auch deutlich schwerer. Hätte mir die Uni da einen Riegel vorgeschoben, wäre das halt nicht passiert. Oder es hätte dazu geführt, dass ich das Studium abgebrochen hätte, statt so wie jetzt abzuwarten, bis es im Unternehmen ruhiger geworden ist, um meine Bachelorarbeit zu schreiben.


Sollte man sich im Studium lieber Zeit lassen? Oder doch besser turboschnell studieren?


Lohnt sich ein Studium?

Was bringt StudierenUNICUM: Sukhjinder, was sind für dich wichtige Erkenntnisse, die dir das Studium gebracht haben?
Sukhjinder: Ich habe für mich festgestellt, wo die Verknüpfung zwischen meinem Studium und sozialer Verantwortung liegt. Ich habe entdeckt, was ich mit dem Studium in der Gesellschaft bewirken kann. Außerdem ist es für mich wichtig, eine kritische Haltung zu allen Dingen, die mir vermittelt werden, zu bekommen – etwa den Paradigmen der Wirtschaft. Als Studierende sollten wir kritisch, aber vorurteilsfrei sein. Auch das lernen wir hier an der Uni Witten.

Leonie, was nimmst du aus dem Studium bisher mit?
Leonie: Ich wollte nicht nur nach einem strikt vorgegebenen Plan lernen, sondern mich ausprobieren und die Möglichkeit zur Selbstbildung haben. Ansonsten glaube ich, man nimmt für sich selbst vor allem das mit, was einen berührt hat. Einzelne Seminare, einzelne Professoren oder auch, dass man merkt: Ich kann etwas, das ich mir ursprünglich gar nicht zugetraut hätte. Also: Man muss nicht immer so viel Angst haben!

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