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Fotos: ZDF/Christian A. Rieger, © Bavaria Fernsehproduktion/Christian Rieger

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16. Aug 2017

Sabine Neumann

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Wie wird man Produzent?

Interview mit "Rosenheim-Cops"-Produzent Alexander Ollig

Produktion eines Quotensiegers

Seit 2002 läuft die Krimiserie "Die Rosenheim-Cops", die von der Bavaria Fernsehproduktion GmbH produziert und im ZDF ausgestrahlt wird, nun schon in regelmäßigen Abständen im deutschen TV.  Mittlerweile gibt es über 400 Folgen! "Die Rosenheim-Cops" haben viele Fans, oft können sie sogar mit ihren über 5 Millionen Zuschauer den Quoten-Tagessieg feiern. Gedreht wird im Chiemgau, aber auch in Rosenheim – und in den Bavaria Filmstudios im Münchner Süden.

Alexander Ollig gehört seit 14 Jahren zum Team rund um "Die Rosenheim-Cops". Zuerst war er als Redakteur dabei, seit 2008 ist er als Produzent für die Krimiserie zuständig. Doch bevor der Dreh überhaupt beginnen kann, müssen für Ollig und das Team erst einige wichtige Voraussetzungen erfüllt sein.

Gehört mit dazu: Viel lesen!

UNICUM: Alexander, was hast du vor den "Rosenheim-Cops" gemacht?
Alexander Ollig: Ich war als Redakteur für das fiktionale Programm über 20 Jahre beim ZDF tätig.

Wie bist du dann zu den Rosenheim-Cops gekommen?
2003 habe ich im ZDF die Redaktion der Serie übernommen. Als der Rosenheim Produzent in Rente ging, fragte mich der Bavaria Geschäftsführer, ob ich diesen Job nicht übernehmen möchte. Ich wollte.

Wie sehen deine täglichen Aufgaben aus?
Ich lese viel (lacht). Das sind im Jahr dann so um die 200 Drehbücher, denn ich bin im Wesentlichen mit der Drehbuchentwicklung beschäftigt. Bevor eine Folge gedreht wird, haben wir im Schnitt ca. sieben Buchfassungen davon gelesen, die zuvor immer wieder geändert werden mussten. Zuerst sitze ich mit meinen Drehbuchautoren zusammen und wir entwickeln eine Idee. Das geht dann immer so weiter, bis das Drehbuch mit Motiven, Handlungen und Dialogen endlich fertig ist.

Auf Bauch und Instinkt hören

Worauf musst du dabei besonders achten?
Die zu erzählende Geschichte muss funktionieren und die Dramaturgie muss stimmen. Bauch- und Instinktgefühl spielen bei mir da eine große Rolle.

Gab es schon mal Probleme und wie wurden diese dann gelöst?
Jeder Tag ist für mich eine neue Herausforderung. Ein Alptraum ist es, wenn ein Hauptdarsteller plötzlich krank wird. Dann erstellen wir noch abends mit Regisseur und ggf. Drehbuchautor ein Notfallprogramm, so dass am nächsten Tag reibungslos weiter gedreht werden kann. Es gibt nichts Schlimmeres als Produktionsstillstand bei Dreharbeiten, denn jeder Tag kostet viel Geld.

Kreativität ist sicherlich wichtig. Wo setzt du die ein?
Überall! In einem Drehbuch, bei allen Besetzungen mit Schauspielern, Regisseur, bei der Motivsuche; ich bin mit großer Leidenschaft dabei. Erst wenn alles genau zusammenpasst bin ich auch mit meiner Arbeit zufrieden.

Mit wem arbeitest du zusammen und was macht ihr gemeinsam?
Ich habe ein eigenes Team. Dazu gehören die Junior Producerin Marlies Schuler und meine Teamassistentin Nadja Nayeri. Hinzu kommen noch 50 weitere Mitarbeiter, wie Produktions-und Aufnahmeleiter, Ausstattung, Kostüm- und Maskenbildner usw. Die organisieren alles rund um den Dreh.

Wie lange dauern die Vorarbeiten bis die erste Klappe am Set fällt?
Das kann schon mal bis zu acht Monate Zeit in Anspruch nehmen. Ich lese jetzt gerade die Drehbücher für 2018; die erste Klappe fällt dann im März 2018.

Ollig: "Ich denke in Bildern!"

Was ist spannend, also eine Herausforderung für dich, in deinem Arbeitsalltag?
Alexander Ollig: Ich liebe es Geschichten zu erzählen und zu entwickeln. Eine gute Dramaturgie ist für mich das gelungene A und 0. Ich denke beim Lesen eines Drehbuches in Bildern: Passt dieses Haus zu dieser Scene? Ist die Besetzung richtig?

Ging schon mal etwas schief?
Natürlich. Bei den Rosenheim-Cops sollte eine Hausszene von einem See aus gefilmt werden, der Untergrund war aber zu weich und die teure Kamera sackte plötzlich ab und fiel ins Wasser...

An welches Erlebnis erinnerst du dich besonders gerne zurück?
Vor einiger Zeit fanden Dreharbeiten hoch oben auf der Sprungschanze in Garmisch statt. Hier hatte nicht – wie sonst üblich - der Regisseur das letzte Wort sondern der Skisprungtrainer. Er gab den Startschuss für die zu drehende Szene, denn er musste sich nach Wind und Thermik richten.


Der Karriereweg von Alexander Ollig

Produzent Alexander OlligAlexander Ollig studierte an der RWTH Aachen Literaturwissenschaften und war danach in verschiedenen Positionen beim ZDF tätig, unter anderem auch als Redakteur.

2009 wechselte Alexander Ollig zur Bavaria Fernsehproduktion nach München, wo er seitdem die  "Die Rosenheim-Cops" produziert. Alexander Ollig ist sehr kreativ und gerne auch schriftstellerisch tätig; er hat einen Roman und mehrere Theaterstücke geschrieben, die auch aufgeführt wurden, wie z.B. die Boulevardkomödien "Blumen und andere Nettigkeiten" oder "Verwandte und andere Betrüger".


Kurz & Kompakt: Karriereweg Produzent/in

Info Alexander Ollig

  • Ein Film - oder Fernsehproduzent trägt die technische, wirtschaftliche und künstlerische Verantwortung für einen  Film bzw. für eine TV Produktion.
  • Er organisiert die komplette Durchführung mit allem was dazu gehört: Wie z.B. Kalkulation, Finanzierung, Drehbuch und Projektentwicklung, Auswahl von Schauspieler, Regisseur, Postproduktion (Filmnachbearbeitung im Studio). Für die meisten Bereiche gibt es Fachleute, z.B. ist der Produktionsleiter für die Kalkulation zuständig.
  • Den Ausbildungsberuf Produzent gibt es so nicht, sondern man kann verschiedene Berufswege als Quereinstieg durchlaufen, wie z.B. auch als Regieassistent, Producer oder Produktionsassistent.
  • Wichtig ist Phantasie, Kreativität, Teamarbeit und eine große Leidenschaft für diesen Beruf, so der Tipp von Alexander Ollig.
  • Verschiedene Akademien und Hochschulen bieten zertifizierte Qualifikationsmaßnahmen für Film- und Fernsehmitarbeiter an.

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