Drehbuchautor werden
Wer als Drehbuchautor arbeiten will, braucht Ausdauer. | Foto: Jacob Ammentorp Lund/Thinkstock
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22. Nov 2017

Sabine Neumann

Studium

Wie wird man eigentlich... Drehbuchautor?

Drehbuchautor Gerhard Ammelburger im Interview

"Es fällt kein Meister vom Himmel."

UNICUM: Wie bist du zu deinem Beruf gekommen? Was hast du früher gemacht?
Gerhard Ammelburger: Ich bin relativ spät zum Drehbuchschreiben gekommen. Da war ich schon 40! Allerdings war ich vorher schon in der Fernsehbranche tätig – zunächst als Redakteur bei ProSieben, dann als Producer bei der ndF: (neue deutsche Filmgesellschaft).

Was für Voraussetzungen muss ein Drehbuchautor für seinen Job mitbringen?
Auch fürs Drehbuchschreiben gilt: Es fällt kein Meister vom Himmel. Man braucht Geduld und Ausdauer, um das Handwerk zu erlernen. Aber damit man überhaupt etwas zu erzählen hat, ist das Wichtigste: Man muss sich für Menschen und nicht nur für Filme interessieren.

Wie bist du an deine ersten Aufträge gekommen?
Durch Branchenkontakte.

Wie ging es dann für dich beruflich weiter?
Ich hatte Ideen und wusste, was die Sender suchten. Und ich hatte das große Glück, mit Produzenten/Dramaturgen zusammenzuarbeiten, die auch inhaltlich fit waren. Wie oft hat man ein Brett vom Hirn! Da hilft’s, wenn jemand sagt: Probier‘s doch mal so …

Beim Drehbuchschreiben kommt es auf die Figuren an.

Wie kommst du an neue Ideen?
Definitiv ohne Vorsatz und System. Ich fange nur die Bälle auf, die mir das Leben zuwirft. Das kann ein Zeitungsartikel sein oder die Reklame für eine Maßschneiderei …

Worauf muss man beim Drehbuchschreiben besonders achten?
Leider auf alles: Genre, Thema, Figuren, Handlung, Dialoge, Struktur, Glaubwürdigkeit, Timing … Aber wenn ich mir was herauspicken darf: die Figuren. Die müssen lebendig sein und einen interessanten Konflikt haben.

Wieviele Drehbücher hast du bisher geschrieben?
Eine ganze Menge. Aber ich schreibe ja auch nur Serienbücher, die kürzer sind (ca. 45 Minuten) und nicht den Anspruch haben, das Fernsehen neu zu erfinden.

Gibt es für dich ein Lieblingsdrehbuch und warum?
Immer das Buch, das ich zuletzt geschrieben habe. Und jedesmal denke ich: Das kriege ich so nie wieder hin.

Hast du Kollegen, die du fragen kannst, wenn du mal nicht weiter weißt? Kannst du dich austauschen?
Der Austausch mit anderen Drehbuchautoren funktioniert wunderbar auf der Ebene Klatsch und Tratsch. Was Projekte angeht, sind wir alle Konkurrenten. Das ist auch okay so. Wenn ich bei Opel arbeite, renne ich auch nicht zu Mercedes, wenn ich ein Problem habe. Dafür habe ich glücklicherweise einen Produzenten, der mir mit Rat und Tat zur Seite steht.

Woran schreibst du gerade?
Eine Folge "Rosenheim-Cops". Die Idee dazu habe ich auf eineinhalb Seiten umrissen (Exposé). Jetzt mache ich gleich mit dem Drehbuch weiter. Von der Idee bis zum drehfertigen Buch dauert’s ca. sechs Wochen.

Wie lang ist ein Drehbuch?
Ein Drehbuch zu einer Folge "Rosenheim-Cops" hat zwischen siebzig und achtzig Seiten. Das liegt an einer sehr großzügigen Formatierung. Es gibt in Deutschland offiziell keine Standards. Allerdings benutzen viele Drehbuchautoren eine Drehbuchsoftware, die Drehbücher so formatiert, dass eine Seite Drehbuch einer Minute Film entspricht.

Als Drehbuchautor kann man auch im Team arbeiten.

Ist dies ein einsamer Job? Hast du Kollegen, die mit dir an einem Drehbuch schreiben oder schreibst du immer alleine?
Den berühmten "writing pal", der mit mir die Sorgen und Nöte des Schreibens teilt, habe ich nicht. Und ich habe ihn auch nie vermisst. Aber es gibt Autoren, die grundsätzlich nur in Zweierteams arbeiten, weil z.B. der eine lieber Dialoge schreibt, der andere lieber plottet.

Was ist stets spannend, also eine Herausforderung für dich, beim Schreiben eines Drehbuches?
Wenn die Figuren und ihre Geschichte ein Eigenleben entwickeln.

Ging schon mal etwas schief?
Mein allererstes Drehbuch – was für ein Desaster! Ich hab’s nicht mal fertig gekriegt. Und das, was ich geschrieben hatte, war leider auch nicht zu gebrauchen. Dabei hatte ich zuvor jahrelang beruflich mit Drehbüchern zu tun. Selber schreiben ist eben noch Mal eine ganz andere Nummer.

Was für Tipps kannst du geben?
Schreiben, schreiben, schreiben. Und: Es muss nicht immer "Tatort" sein. Es gibt viele Möglichkeiten, mit szenischem Schreiben erfolgreich zu sein.


Drehbuchautor PorträtZur Person Dr. Gerhard Ammelburger

Dr.  Gerhard Ammelburger hat Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaften (Komparatistik) studiert, mit einer Arbeit über Rilke und Saint-John Perse promoviert und in seiner Studienzeit als Übersetzer, freier Verlagslektor und Werbetexter gearbeitet. Nach Studienende suchte und fand er eine Fernsehproduktionsfirma in München. Dann ging es weiter für ihn als Drehbuchlektor bei ProSieben und als Serienredakteur für Deutsche Serien. Bei der neuen deutschen Filmgesellschaft wurde er als Producer/Dramaturg für Serien-und Fernsehspiele eingestellt; seit 2002 arbeitet er selbstständig als Drehbuchautor.


Kurz & Kompakt: Karriere als Drehbuchautor

  • Ein Drehbuchautor ist Freiberufler und schreibt in der Regel für Kino-, Fernsehfilme und Fernsehserien. Er kann aber auch für Dokumentarfilme und -sendungen arbeiten. Neben seiner Autorentätigkeit muss sich ein Drehbuchautor immer wieder um neue Aufträge bemühen und auch gutes Networking betreiben, um so im Gespräch zu bleiben.
  • Verschiedene Drehbuchwerkstätten bieten eine Ausbildung zum Drehbuchautor an: Die Drehbuchwerkstatt in München z.B. entwickelte ein zwölfmonatiges Fortbildungsprogramm für angehende Drehbuchautoren in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Fernsehen und Film und der Bayerischen Staatskanzlei sowie dem Bayrischen Rundfunk: Hier werden aus vielen Bewerbungen jährlich 10 Autoren für ein  Drehbuchjahr bestimmt. Jeder Teilnehmer kann dann unter individueller Betreuung ein eigenes Drehbuch entwickeln.
  • Auch durch Volontariate in Produktionsfirmen und Fernsehsendern ist es möglich Drehbuchautor zu werden. Seit 1986 gibt es den Verband Deutscher Drehbuchautoren, der sich für die Interessen der Autoren einsetzt.
  • Weitere Infos unter www.drehbuchwerkstatt.de und www.hff-muenchen.de/de_DE/drehbuchwerkstatt

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