Ozeanworkshop
Zwei Tage verbrachten die jungen Forscher an Bord | Foto: Joachim Dengg/GEOMAR Kiel

Wettbewerbe & Stipendien

18.11.2016

Plastikpiraten Wissenschaftjahr

Plastikpiraten: Wie viel Müll schwimmt in Deutschlands Flüssen?

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17, in dem es um Meere und Ozeane geht, erforschen Schüler das Thema Müll in kleinen und großen Flüssen. Sie werden zu Plastikpirat ... mehr »

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22. Sep 2017

Nina Weidlich

Studium

Ozeanworkshop auf Helgoland – oder: Wie wird man eigentlich Meeresforscher?

Ganz nah dran: Schüler werden Wissenschaftler

"Zwei Wochen lang haben Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 18 Jahren aus ganz Deutschland auf der Insel gemeinsam Proben genommen, erforscht und analysiert. "Wir wollten den interessierten Jugendlichen auch auf einer Ausfahrt verschiedene Methoden zeigen, mit denen man auf einem Forschungsschiff meeresbiologische Daten erhebt", erklärt Antje Wichels. Die Leiterin des Schülerlabors OPENSEA des AWI Helgoland ist eine von zahlreichen Wissenschaftlern, die den Workshop und die Forschungsfahrt der Schüler begleitet haben."

Über die gemeinsame Arbeit berichtet Wichels: "Wir haben mit einer CTD-Sonde ozeanographische Daten gemessen und Wasserproben geholt, mithilfe einer Dredsche Benthos-Organismen und mit einem Kastengreifer Sedimentproben genommen". Du verstehst nur Bahnhof? – Macht nichts. Beweist aber, dass die Forschungsgruppe nicht nur im Wasser geplanscht hat, sondern richtig tief in die Arbeit eines "echten" Wissenschaftlers eingetaucht ist. Und genau das war auch das Ziel: "Die Schülerinnen und Schüler sollten lernen, was es bedeutet, Forscher zu sein. Außerdem wollten wir ihnen klar machen, dass sie es schaffen können, diesen Berufsweg einzuschlagen und das kein abwegiges Ziel ist."

Neben ganz viel praktischer Mitarbeit gab es auch theoretische Vorträge mit aktuellem Bezug: "Wir haben uns bemüht, auch gesellschaftsrelevante Themen zu integrieren. Zum Beispiel haben wir über Überfischung oder erneuerbare Energien berichtet. In einem anderen Themenkomplex ging es um den Klimawandel und dessen Klimafolgen. Außerdem haben wir den Schülern gezeigt, wie man mit Medien umgeht, die die Fakten verdrehen und diese Themen vielleicht populistisch aufpeitschen." Viele Bereiche also, von denen die meisten zwar schon mal etwas gehört haben, die in der Schule aber häufig viel zu wenig behandelt werden.


InfoInfo: Das Projekt

"Mehr Meer" – so lautete das Motto des Ozeanworkshops, der vom 03. bis zum 16. September 2017 auf der Nordseeinsel Helgoland stattfand – an Land und auf hoher See. Organisiert und begleitet wurde die Forschungsreise von drei renommierten wissenschaftlichen Instituten: Dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Alfred Wegener-Institut Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG).

Das Projekt fand im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 – Meere und Ozeane statt und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell gefördert. Die Teilnahme am Workshop war für die jungen Forscher und Forscherinnen deshalb kostenfrei.


Nicht nur für Überflieger – jeder bekommt eine Chance

Bewerben konnte sich jeder, der das Meer liebt und sich für die Ozeanforschung interessiert. Dabei war vor allem Kreativität gefragt – von Aufsätzen über Filme bis hin zu Comics war alles dabei. "In einem Motivationsschreiben sollten die Bewerber uns außerdem erzählen, warum sie mit zu dem Workshop kommen wollen. Ihre Zeugnisse sollten sie auch mitschicken, aber besonders gute Noten oder eine bestimmte Schulform waren keine Voraussetzung", beschreibt Antje Wichels den Auswahlprozess. Insgesamt 80 Schülerinnen und Schüler wollten mit auf See, nur 20 konnten mit. "Es gab so viele gute Bewerbungen, dass wir mit den drei Instituten alles einzeln ausdiskutiert haben", sagt die Leiterin des Schülerlabors.

Die Mühe hat sich gelohnt: "Wir sind ganz begeistert von der Gruppe. Sie haben eine tolle Leistung zustande gebracht, waren ständig gut gelaunt – auch, wenn wir nach dem Abendbrot nochmal drei Stunden messen mussten", schwärmt Antje Wichels.

Antje Wichels, Julia Henze und Ina Metzger

Im Interview: Die Schülerinnen Julia und Ina waren beim Ozeanworkshop dabei

Zwei der Bewerberinnen, die die Jury überzeugen konnten, sind Julia Henze (16) aus Bayern und Ina Metzger (17) aus Schleswig-Holstein. Wir haben mit den Schülerinnen über ihre Erlebnisse beim Ozeanworkshop auf Helgoland gesprochen.

UNICUM: Die Bewerbung für die Teilnahme sollte möglichst kreativ sein. Was habt ihr euch überlegt?
Ina: Ich habe unter anderem auch ein Gedicht verfasst. Darin ging es um das Problem mit dem Plastikmüll und alle möglichen Auswirkungen, die das so haben kann.

Julia: Ich habe mir ein fiktives Gespräch zwischen einem Fischer und einem Fisch ausgedacht. Die beiden haben sich über verschiedene Themen unterhalten: Über die Meeresströmungen, die Versauerung der Ozeane und den Müll.

Woher kommt eure Faszination für das Meer und die Meeresforschung?
Julia: Mein Interesse am Meer kommt hauptsächlich durch unsere Urlaube. Wir wohnen in den Bergen und sind deshalb oft ans Meer gefahren, meistens an die Nordsee. Wenn ich Abschied vom Meer nehmen musste, hatte ich jedes Mal ein komisches Gefühl. Deshalb wollte ich jetzt einfach mehr darüber wissen.

Ina: Wir wohnen sehr hoch im Norden – ich komme aus Pinneberg – und wir waren schon immer oft auf Sylt oder in Sankt Peter-Ording. Ich bin einfach gern draußen, mag das Meer, den Wind und die Wellen.

Seid ihr in der Schule denn auch richtige Profis in den naturwissenschaftlichen Fächern wie Bio, Physik und Chemie?
Julia: Also, Biologie habe ich in der Oberstufe abgewählt. (lacht) Dafür bin ich aber mit Chemie und Physik weitergegangen – man kann schon sagen, dass mir diese beiden Fächer besonders viel Spaß machen. Wir haben auch letztens im Geographie-Unterricht über Meeresströmungen geredet, das hat mich total gepackt. Das war auch einer der Gründe, warum ich unbedingt bei dem Workshop dabei sein wollte.

Ina: Bei mir sind es auch die naturwissenschaftlichen Fächer, die mich am meisten interessieren. Ich habe Bio und Chemie als Schwerpunkt belegt, Physik und Mathe mache ich noch zusätzlich. Es ist genau so, wie Julia gesagt hat: Im Unterricht redet man zwar auch über Themen der Meeresforschung, aber eben nicht so ausführlich. Deshalb wollte ich auf Helgoland mehr erfahren.

Wie war es für euch, für längere Zeit von Zuhause weg zu sein?
Ina: Ich war schon zwei Mal bei so einer Summer School. Das waren auch jeweils zwei Wochen, aber in ganz anderen Bereichen. Deshalb war die Trennung von Zuhause eigentlich nicht so ein Problem.

Julia: Ich war mal für ein halbes Jahr in Dänemark zum Schüleraustausch. Es war also auch nicht ganz neu für mich, von Zuhause weg zu sein. Natürlich ist es trotzdem etwas anderes, in einer Gastfamilie das Alltagsleben kennenzulernen oder plötzlich als Forscher zu arbeiten.  Deshalb war ich trotzdem total aufgeregt.


InfokastenInfo: Wie werde ich Meeresforscher?

In Deutschland – und auch international – gibt es viele Universitäten, an denen man Meeresbiologie studieren kann. "Es gibt aber auch Unis, die sich mit Biotechnologie, Meerestechnik oder Ozeanographie beschäftigen – die Spezialisierung setzt heute viel früher ein", weiß die Wissenschaftlerin Antje Wichels.

Die Erfahrung zeigt aber, dass man auch mit anderen Studienfächern gute Chancen hat, in der Meeresforschung tätig zu werden: Ingenieurswissenschaften, Maschinenbau oder allgemeinere Studiengänge wie Biologie, Physik oder Chemie können als Voraussetzung interessant sein. "Die wenigsten Kollegen waren von Anfang an in der Meeresbiologie tätig, man kann sich also auch später noch entscheiden", so die Expertin.


Und wie ist so ein Forscherleben – wann musstet ihr morgens raus?
Julia: Das war immer unterschiedlich. Als wir mit dem Schiff rausgefahren sind, mussten wir schon um halb sieben oder noch früher aufstehen. Das Tagesprogramm war so voll, dass man abends um neun schon müde wurde. Ich persönlich habe immer schon gegen zehn Uhr das Licht ausgemacht.

Ina: Bei mir war es ähnlich. Einen Tag saßen wir von viertel vor neun morgens bis viertel vor neun abends im Labor – zwischendurch hatten wir nur Essenspausen. Danach ist man dann auch wirklich fertig. Schön war es trotzdem. (lacht)

Früh aufstehen, Vorträge anhören – das klingt ja nicht viel besser als Schule.
Julia: Doch, es war viel besser! In der Schule bekommt man die Theorie nur hingeklatscht, hier wurden wir von Anfang an integriert. Ein Experiment kann ein Lehrer im Unterricht einmal vorne vorführen – aber dass jeder Schüler das einmal selber ausprobiert, dazu fehlt einfach die Zeit. Das war hier anders.

Ihr wart mit ziemlich vielen Leuten auf ziemlich engem Raum. Wie war denn die Stimmung in der Gruppe?
Ina: Aus meiner Sicht waren wir eine tolle Gruppe. Es gibt wirklich niemanden, mit dem ich nicht zusammenarbeiten wollte. Natürlich hockt man fast den ganzen Tag aufeinander, aber es ist nie irgendwo ein Streit entstanden.

Julia: Ich glaube einfach, dass uns das Interesse am Meer alle von Anfang an verbunden hat. Man hatte gleich Themen, über die man reden konnte. Der erste Abend war noch ein bisschen ruhiger, aber dann war das Eis sofort gebrochen.

Was sind eure schönsten und eure schlimmsten Erinnerungen an die Zeit auf dem Schiff?
Julia: Das Essen vom Koch war wirklich sehr gut! (lacht) Das hat uns alle sehr positiv überrascht, weil wir dachten, dass es nur Linseneintopf und so etwas geben würde. Ansonsten gefiel mir besonders das Arbeiten mit den ganzen Geräten, die man davor noch nie gesehen hat. Das schlimmste Erlebnis war, als wir in einen leichten Sturm gekommen sind und der Wellengang angestiegen ist. Ich glaube, ein Drittel von uns wurde seekrank – ich gehörte dazu. Wir haben uns dann aber zusammengerafft und es ging uns gemeinsam schlecht.

Ina: Ich muss es auch nochmal sagen: Das Essen an Bord war wirklich fantastisch. Mir hat außerdem das wissenschaftliche Arbeiten richtig gut gefallen: Dass man direkt an Bord schon Versuche mit den Wasserproben gemacht hat, die wir selbst fünf Minuten vorher genommen haben. So richtig schlimm fand ich eigentlich gar nichts. Das Betreuerteam hat alles so perfekt organisiert, dass wir zwei richtig tolle Wochen hier hatten.

Wie geht´s jetzt für euch weiter? Was sind eure beruflichen Pläne?
Ina: Ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich jetzt unbedingt Meeresbiologie studieren will. Auf jeden Fall möchte ich in die naturwissenschaftliche Richtung gehen, wo man eine Verbindung zur Ozeanforschung herstellen kann. Auf einen Studiengang möchte ich mich aber noch nicht festlegen.

Julia: Ich weiß es noch nicht wirklich. Ich finde, der Workshop hat sowohl positive als auch negative Seiten von dem Beruf als Forscher gezeigt. Vielleicht mache ich nach dem Abi noch ein soziales oder ökologisches Jahr und versuche, noch mehr Eindrücke zu gewinnen und festzustellen, was genau ich studieren möchte. Auf jeden Fall wird es bei mir aber in die physikalische oder chemische Richtung gehen.

Was sind denn die positiven und negativen Seiten des Berufs?
Julia: Was ich total positiv – und erstaunlich – fand: Man hat sehr viele Geräte zur Hilfe und kann in relativ kurzer Zeit richtig viel erreichen. Das ist sehr motivierend. Negativ wird es, wenn man seinen Zeitplan nicht einhalten kann und eventuell auch noch nach dem Abendessen im Labor sitzt. An sich ist das aber auch nicht so schlimm, wenn man sich von vornherein darauf einstellt.


Du willst mehr über den Ozeanworkshop erfahren? 

  • Die Teilnehmer des Ozeanworkshops haben ihre Erlebnisse in einem Blog zusammengefasst. Alle Infos findest du unter: MehrMeer2017 Blog

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