Pferdemanagement als Studienschwerpunkt
Pferdemanagement und BWL im Studium | Foto: Thinkstock/Pawel Czaja, Thinkstock/Anna Gontarek-Janicka
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05. Nov 2015

Barbara Kotzulla

Studium

Mit BWL-Studium in die Pferdewirtschaft

-ARCHIV-

Im Interview: "Pferdeflüsterin" Andrea Kutsch über ihre Kooperation mit der ISS

Pferdemanagement: Der optimale Umgang mit Mensch und Tier

Seit September 2013 bietet die ISS Hamburg allen Interessierten den Bachelor-Studiengang BWL mit Schwerpunkt Service Management in Kombination mit Pferdemanagement an. Die Studierenden können damit drei (Pferde-)Fliegen mit einer Klappe schlagen: Neben klassischen BWL-Grundlagen wird ihnen hierbei zum einen dienstleistungsorientiertes Wissen vermittelt, zum anderen theoretische wie praktische Fähigkeiten für die Pferdewirtschaft. 

Für dieses Modell konnten "Pferdeflüsterin" Andrea Kutsch und ihre AKA | Andrea Kutsch Akademie gewonnen werden. Für die Pferdefachspezialistin steht vor allem der gewaltfreie Umgang mit den Tieren im Vordergrund, auf den auch im BWLPlus-Studiengang ein großes Augenmerk gelegt wird. Während des Studiums wird den Studenten und Studentinnen dazu die Trainingstechnik Evidence-Based Equine Communication® (EBEC®) weitergegeben.

Das dreijährige Studium an der ISS Hamburg wird in Studienblöcken von zwei bis vier Wochen absolviert. Dazwischen nehmen die Studierenden nicht nur Praktika in Unternehmen der Pferdewirtschaft und Praxisprojekte wahr, auch drei Aufenthalte an der AKA, davon eine 7-wöchige Reise an die AKA in San Diego, Kalifornien, sind vorgesehen.

Wirtschaftswissenschaft trifft Horsemanship: AKA-Leiterin Andrea Kutsch ist sich sicher, mit diesem Studiengang die Bedürfnisse der Pferdewirtschaft optimal abdecken zu können, wie sie im Interview mit UNIcheck verriet. Ihrer Ansicht nach fehlt es dort vor allem an engagierten Köpfen, die sowohl Service am Kunden und den Dienstleistungsgedanken groß schreiben, sich aber gleichzeitig auch fundiert mit dem Pferd als Arbeitspartner auseinandersetzen.

Andrea Kutsch von der AKA im Interview

Pferdeflüsterin Andrea KutschUNICUM Abi: Frau Kutsch, am 01. September 2013 startete an der ISS der Bachelor-Studiengang BWLPLUS mit Pferdekommunikation und -training in Zusammenarbeit mit der AKA. Warum war die Zeit reif für eine Kooperation?

Andrea Kutsch: Im Jahr 2009 hatte ich schon einmal den Studiengang der Pferdekommunikationswirtschaft akkreditiert als Vorreiter in der Integration vom Wirtschaftsthemen und einer wissenschaftlich basierten Trainingstechnik für Pferde. Nach zwei Jahrgängen haben wir dann aber gemerkt, dass wir vom Studieninhalt in den Bereichen Tiermedizin sowie Lehren und Unterrichten die Absolventen ein wenig am Markt vorbei ausgebildet haben. Die Zielsetzung- und -richtung war noch nicht richtig, doch zu der damaligen Zeit war es schwer, die Situation marktforschungsbasiert zu analysieren. Es ging um Fragen wie: Was braucht die Pferdewirtschaft wirklich an Fachkräften, um die Situation in den Betrieben zu verbessern? Wie schaffen wir es mit unseren Absolventen, die Unternehmen der Pferdewirtschaft im Bereich Service und Dienstleistung zu verbessern – und zwar für Mensch und Tier? 2009 hatten wir noch nicht herauskristallisiert, welche Defizite in der Branche herrschten und wie wir diesen mit einem Ausbildungsangebot entgegenwirken können. Das ist uns nun aber gelungen.

Was fehlt demnach der Pferdewirtschaft?
Die Pferdewirtschaft in Bezug auf Ausbildung und Training von Pferden basiert auf einer alten Tradition – und kann in den letzten Jahrhunderten nahezu keine Weiterentwicklung verzeichnen. In allen anderen Branchen gibt es innovative Veränderungen, überall gibt es neue Produkte, die die Wirtschaftszweige attraktiv gestalten. Wir können vielleicht in der Tiermedizin und Zucht zahlreiche Fortschritte ausmachen, dann natürlich auch in der Haltung und Ernährung – aber nicht in den Bereichen Management, Dienstleistung, Service, Kommunikation und in der gewaltfreien Ausbildung von Pferden. Im Studiengang ist es uns wichtig, dass wir nicht mehr irgendeinen Glauben oder eine alte Tradition vermitteln, sondern eine wissenschaftliche Basis, mit der wir auch die Wirtschaft effizienter gestalten können.

Was sollten Studieninteressierte definitiv mitbringen?
Man muss natürlich ein großes Interesse an Pferden mitbringen und erste reiterliche Grundlagen. Man sollte schon einmal auf einem Pferd gesessen haben, muss aber wirklich kein Turnierreiter sein. Wir bedienen im Rahmen des Studiums die einzelnen Disziplinen des Reitens nicht, da sie auch nicht auf der Natur des Pferdes basieren. Mit der wissenschaftlich basierten Trainingsmethode EBEC®, "Evidence-Based Equine Communication®", bringen wir dem Pferd mittels klassischer Konditionierung unter Berücksichtigung seiner instinktiven Verhaltensweisen bei, was es für uns tun soll. Hierbei geht es um Informationstransfer: Wie kann ich dem Pferd artgerecht, gewaltfrei, aber gleichzeitig wirtschaftlich effizient die Informationen weitergeben, die nicht nur mir, sondern auch dem Pferd nutzen. Daneben sollte man für den Studiengang schon ein karriereorientiertes Denken mitbringen – und einen gewissen Pioniergeist. In dieser Branche können wir einfach noch unheimlich viele Produkte entwickeln. Bildlich formuliert arbeiten wir in der Pferdewirtschaft immer noch in einem Industriezweig, in dem nicht in jedem Büro ein Computer steht. Wir haben nun die passende Technik entwickelt und bringen den Studenten bei, damit umzugehen, damit diese das Wissen erfolgreich am Markt etablieren können.

Wie wichtig ist dieser Studiengang auch als Schritt für Sie persönlich?
Für mich ist das eine ganz spannende Phase – ich glaube, das ist ein wirklicher Durchbruch. Wir haben jetzt über Jahre, auch im "Try-and-Error"-Verfahren, Ergebnisse und Erfahrungen zusammengetragen, um diesen Studiengang zu entwickeln. Gepaart mit der ISS haben wir nun die Chance, unsere Kenntnisse nach außen zu transportieren. Hier bekommen junge Menschen die Möglichkeit, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Und ich bekomme Menschen an meine Seite, die ich ausbilden und stärken kann, und denen ich mein Wissen an die Hand geben kann. Somit kann sich vielleicht mein Traum erfüllen: Ich würde gerne in 40 Jahren zurückblicken und wissen, dass es etwa die Peitsche, das bislang meist verkaufte Produkt der Pferdewirtschaft, nicht mehr gibt. Das ist Ziel einer Bewegung zum harmonischen und gewaltfreien Umgang mit Pferden, der dann auch noch wirtschaftlich effizient ist.

Wollen Sie das Studienangebot in Zukunft noch ausweiten?
Am Ende des Bachelor sind die Studenten auf der einen Seite in der Lage, mit Pferden zu kommunizieren, sie zu trainieren und auszubilden; auf der anderen Seite können sie ein Unternehmen erfolgreich managen und führen und verfügen über die wichtigsten BWL-, Marketing- und Controlling-Grundlagen. Es ist zwar noch nicht vereinbart, aber wir planen, einen Master obendrauf zu setzen, der sich dann mit phobischen Pferden beschäftigt, ebenso wie mit tiefergehenden Wirtschaftsthemen.

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