Kunst studieren
Lässt kreative Herzen hüpfen: der Farbenschrank der ABK | Foto: UNICUM/Nina Weidlich

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28. Apr 2017

Sandra Ruppel

Studium

Kunst studieren: Trau dich einfach!

Interview mit der Kunststudentin Lisa Moll

Kunst oder nicht Kunst?

Es ist sonnig, aber ziemlich frisch, als der Bus sich die steilen Straßen hinauf zur Weißenhofsiedlung in Stuttgart schiebt. Wer zu einer der größten Kunsthochschule Deutschlands will, der muss hoch hinaus.

Hier oben auf dem Killesberg liegt sie, die Staatliche Akademie der Bildenden Künste, kurz ABK. Etwa 900 kreative Köpfe studieren hier in 18 verschiedenen Studiengängen – so auch Lisa Moll: dunkle Locken, offenes Lächeln, wache Augen, Brille.

"Die Frage, ob ich Kunst machen soll, oder nicht, hat sich nie aktiv gestellt. Das war irgendwie klar," sagt Lisa. Das kleine Atelier, das sie sich mit einigen anderen Studierenden der Akademie teilt, erinnert an den Zeichenraum, den man aus dem Kunstunterricht in der Schule kennt. An den Wänden lehnen großformatige Leinwände, unter dem Waschbecken stapeln sich leere Schüsseln mit angetrockneten Farbspritzern. Überall stehen Boxen mit verschiedenen Materialien herum: Durchaus ein passendes Setting, um kreative Herzen ein bisschen lauter klopfen zu lassen.

"Ich studiere das schon, um auch als freie Künstlerin zu arbeiten"

Davon, dass dem Kunststudium immer noch der Ruf anhaftet, "brotlos" zu sein, hat sich Lisa nicht abschrecken lassen. Zwar verrät sie, dass es durchaus auch Krisen gibt, die man für sich während des Studiums bewältigen muss. Zweifel gehören für Lisa unausweichlich mit dazu. Dennoch ist da vor allem Lebhaftigkeit und Begeisterung zu spüren, wenn sie von ihrem Studium und ihrem künstlerischen Schaffen erzählt.

Kunststudentin Lisa MollVielleicht auch deshalb, weil sie weiß, dass sie später unterrichten könnte, wenn sie wollte? Parallel zur Akademie der Bildenden Künste ist sie nämlich auch noch an der Uni Stuttgart eingeschrieben – für Geschichte und Kunst auf Lehramt. Als reines Sicherheitsnetz sieht sie das Lehramtsstudium aber nicht: "Es hilft nicht, wenn man Karriere und Unterrichten für unvereinbar hält", findet sie. "Für mich ist das Uni-Fach eine Inspirationsquelle und der Ort, wo man wissenschaftliches Arbeiten lernt. Die Akademie hingegen nutze ich schließlich für den Output. Grundsätzlich studiere ich jedoch schon Kunst, um selbst auch als freie Künstlerin zu arbeiten."

Einmal frühe Förderung, bitte!

Schon früh wurde Lisa von ihrem Umfeld in ihrer Kreativität bestärkt. Während ihrer Schulzeit nimmt sie regelmäßig an dem Wettbewerb "jugend creativ" teil – und gewinnt. Sogar mehrfach. Heute sitzt sie selbst in der Bundesjury des Wettbewerbs.

Auch Lisas Eltern nehmen Lisa in ihrer Kreativität von Anfang an ernst und stehen auch heute hinter der Studienwahl ihrer Tochter – obwohl sie manchmal auch auf die Probe gestellt werden, wie die Kunststudentin verrät. Nämlich vor allem dann, wenn die Frage "Was willst du später mal damit machen?" kommt. Lisas Antwort: "Das wusste ich am Anfang des Studiums nicht und weiß es auch nach wie vor nicht genau. Aber diese Offenheit muss man sich bewahren und meine Eltern akzeptieren das so". Eine Bedingung haben Lisas Eltern dann aber doch: "Sie sagen, dass ein Abschluss dabei herauskommen muss, mit dem ich mich selbst ernähren kann"; erzählt Lisa.


Kunst studieren ABK


Langeweile kommt bei Lisa Moll so schnell nicht auf

Aber wer die energiegeladene Künstlerin einmal kennenlernt, der spürt, dass sie das ohne Zweifel hinbekommen wird. Schließlich ist sie auch jetzt schon ziemlich aktiv: Sie gibt Workshops, entwirft Logos und auch einige ihrer Arbeiten konnte sie schon verkaufen. Auch die Ideen für außergewöhnliche Kunst-Aktionen gehen Lisa nicht aus: "In der Stadt habe ich mal eine Aktion gemacht, bei der ich Portraits auf Unterwäsche gezeichnet habe", erzählt sie. "Solche Engagements funktionieren immer ganz gut."

Alltag? Gibt es nicht!

Wenn sie nicht gerade auf Unterwäsche zeichnet, teilt Lisa ihre Zeit auf Uni, Akademie, Atelier oder die verschiedenen Werkstätten auf: "Tatsächlich ist es so: Alltag gibt es nicht. Ich bin selten immer am gleichen Ort." Die Studierenden können sich größtenteils selbst überlegen, wie sie ihre Zeit gestalten. Manche der Studierenden tauchen tagelang in die verschiedenen Werkstätten der ABK ab. In den Holz-, Metall-, Glas-, Textil-, Druck-, oder Medienwerkstätten kann jeder an seinen aktuellen Projekten arbeiten. Oder man nutzt die Zeit, um sich untereinander auszutauschen.

Kunst? Trau dich!

Das Kunststudium bietet also viel Freiraum. Und obwohl Lisa ihr Skizzenbuch immer dabei hat und das klassische Zeichnen am liebsten mag, wie sie sagt, sind krasse Zeichen-Skills allein nicht unbedingt eine Voraussetzung für ein erfolgreiches Kunststudium. Im Gegenteil. Wichtig ist nicht, dass man bestimmte Fingerfertigkeiten beherrscht, sondern, dass man offen und kreativ ist. Dass man Lust hat, mit verschiedenen Materialien herumzuprobieren und allen verrückten Ideen, die einem im Kopf herumschwirren, Gestalt zu verleihen. An sich glauben muss man, und sich einfach trauen.


jugend creativAuch du bist kerativ?

Wenn du auch Lust hast, allein oder zusammen mit deiner Schulklasse an dem Wettbewerb "jugend creativ" teilzunehmen, kannst du dich unter jugend-creativ.de informieren.
Am 1. Oktober 2017 startet der Wettbewerb unter dem Motto "Erfindungen verändern unser Leben!" in die 48. Runde. Einreichen kannst du Bilder, aber auch kurze Videos.

Wenn du dich für ein Kunststudium interessierst, kannst du unter unicheck.de nach Hochschulen suchen, die ein Kunststudium anbieten.

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