Hochschule Magdeburg-Stendal
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19. Jun 2020

UNICUM-Team

Studium

Fairer Stoff

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Mit kleinen Kleidchen aus alten Laken hat alles begonnen, damals an Omas Nähmaschine. Inzwischen steht Betsy Peymann, die an der Hochschule Magdeburg-Stendal BWL studierte, vor ihrem eigenen Fashionstore. „natürlich.lokal.fair” ist ihr Slogan, ihr Statement für Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg. Die 27-Jährige zeigt, dass faire Mode auch sexy sein kann.

Schon als Kind saß Betsy Peymann neugierig neben ihrer Oma und beobachtete die ratternde Nähmaschine. Schneiderin müsste man sein. So wie Oma aus scheinbar schlichten Stoffen Neues, ja Schönes schaffen. Genauso wie es auch schon die Großtante machte: Einfach das Land verlassen und im fernen New York ein eigenes Fashionlabel gründen.

Na gut ... ganz so weit weg musste es dann doch nicht sein. Denn Betsy, eigentlich Elisabeth, fühlt sich in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt sehr gut aufgehoben. Anfang 2019 ging für sie der Wunsch, den sie seit ihrer Kindheit akribisch verfolgte, in Erfüllung. Im März war dort – scheinbar ganz plötzlich – im Breiten Weg, der Einkaufsmeile der Stadt, ein Laden eingezogen, über dessen Eingang in weißen Lettern ihr Name prangt: Betsy Peymann. Ein unbeschreibliches Gefühl für die 27-Jährige. „Am Tag des Pre-Openings wurde das Schild aufgehängt”, erinnert sie sich, „erst da habe ich gemerkt: Es ist so weit und ich bin Inhaberin eines eigenen Geschäfts.”

Weg mit den Filzstulpen: Fair ist sexy

Auf dem Schaufenster direkt neben der Eingangstür mit der Nummer 175 steht ihr Slogan geschrieben: „natürlich.lokal.fair”. Von Mode für Männer und Frauen, Accessoires und Lifestyleprodukten wie Federmäppchen, Notizblöcke oder Trinkflaschen – hier gibt es nichts, das nicht fair und umweltschonend produziert wurde. Von muffigen Filzstulpen oder Palettenmöbeln fehlt weit und breit jede Spur. „In den letzten Jahren ist die Nachfrage und somit auch das Angebot fairer Mode rasant gestiegen. Unsere Kleidung ist modisch und zeitlos. Wir möchten Menschen so davon überzeugen, über Nachhaltigkeit nachzudenken. Faire Mode kann auch sexy sein.” Betsy setzt u. a. auf trendige Jeans und Pullover von Marken wie ArmedAngels, Bleed, Jan'n June und Verena Bellutti. Neben Bio-Baumwolle gibt es viele weitere nachhaltige Stoffe, aus denen die Kleidung besteht, beispielsweise Leinen, Tencel und recyceltem Polyester.

Nie den Faden verlieren

Das Konzept wirkt stimmig, was wenig verwundert, hatte Betsy ihren Plan doch schon gut ein halbes Leben ins Auge gefasst. Auf einem Bauernhof in Celle aufgewachsen, inspiriert von Oma und Großtante, wusste sie schon früh, wohin die Reise gehen soll. Nach der Schule absolviert sie eine Ausbildung zur Mode- und Designassistentin in Hannover, lernt dort alles von der Pike auf: von der Gewinnung der Rohstoffe, der Zusammensetzung der Fasern, der Technologie von Textilien, Trendrecherche und Illustration, Schnitterstellung und dem Entwerfen und Nähen von Kleidungsstücken.

2013 entscheidet sich Betsy für ein anschließendes BWL-Studium an der Hochschule Magdeburg-Stendal. „Natürlich hätte ich auch ein Modedesignstudium anschließen können”, aber den beruflichen Erfolg von den Einschätzungen ihrer Profs abhängig machen? Das kam für sie nicht infrage: „Kreativität ist nicht bewertbar”, ist sie sich sicher. Und nach fünf Jahren Studium fühlt sie sich umso mehr in ihrer Entscheidung bestärkt. „Anfang des Studiums war ich immer die gelernte Mode- und Designassistentin, die in jeder Vorlesung zeichnete und bei der alle dachten: ‚Was will die eigentlich?‘ Aber ich wusste, ich brauche dieses Studium, um selbstständig zu sein.”

Mit jedem Semester wurden ihre Pläne für die Zukunft konkreter, die Studieninhalte umso spannender. Sie saugte sie förmlich auf. „Ich bin ein sehr praktischer Mensch und BWL kann schnell theoretisch, ja langweilig werden”, gesteht sie. Nicht aber an der Hochschule Magdeburg-Stendal: „Wir hatten sehr viele Praxisprojekte, Bezüge zur freien Wirtschaft und auch unsere Professoren stammen zum Teil aus der Praxis. Das hat mir wirklich sehr geholfen.”

Stolz und Vorurteil

Im Frühjahr 2018 startet die damals 25 Jahre alte Absolventin in die zwölfmonatige Gründungsphase, schreibt einen Businessplan, entwickelt Meilensteine, geht auf Immobiliensuche. Monatelang stand sie unter Adrenalin, musste sich gegenüber Kommentaren wie „Frau Peymann, sind Sie sicher, dass Magdeburg noch ein Bekleidungsgeschäft benötigt?” behaupten, hatte sogar extra einen KfW-Gründerkredit aufgenommen. „Davon hatte ich meiner Mutter lange nichts erzählt”, schmunzelt Betsy verlegen. Doch die Sorgen, auch darüber, ob überhaupt jemand faire Mode kaufen wolle, blieben unbegründet. Heute betrachtet sie noch immer stolz ihr Ladenschild. Ohne ihr Studium an der Hochschule wäre das alles nicht möglich gewesen, sagt sie. „Das Studium hat mir so viel Wissen an die Hand gegeben, dass ich inzwischen ein gutes Standing habe und ich empfinde mich als absoluten Glückspilz, morgens in meinen Laden zu gehen und das machen zu dürfen, was ich wirklich liebe. Das hätte ich mir vor sechs Jahren nicht vorstellen können.”

Infos zum Studienangebot: www.studieren-im-gruenen.de

 

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