Hochschule Magdeburg-Stendal
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19. Jun 2020

UNICUM-Team

Studium

Eine Goldgrube im Wertstoffhof

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Ein gelber Toaster, eine rote Kaffeemaschine, ein weißer Mixer: Wer sich auf dem Wertstoffhof auf Schatzsuche begibt, wird schnell fündig. Denn jedes dritte Elektrogerät hat seinen Dienst noch längst nicht quittiert. Warum also wegwerfen, was durchaus noch nützlich sein kann? Das wollen Studierende und Beschäftigte des Studiengangs Recycling und Entsorgungsmanagement der Hochschule Magdeburg-Stendal herausfinden.

Zwei Millionen Geräte werden jedes Jahr aufwendig produziert und erscheinen neu auf dem deutschen Markt. Knapp 800.000 Tonnen landen zugleich auf Wertstoffhöfen, um dort ressourcenintensiv zerlegt und nach ihren Bestandteilen sortiert zu werden – von den Massen, die sich zudem ungenutzt in heimischen Schubladen und auf Speichern verbergen, ganz zu schweigen.

Zukunft für Bewährtes

Wertvolle und endliche Rohstoffe wie Gold, Silber oder aus Öl gefertigte Kunststoffe gehören nicht in den Müll. Das hat sich der Studiengang Recycling und Entsorgungsmanagement und die dazugehörige Rohstoffwerkstatt der Hochschule Magdeburg-Stendal auf die Fahne geschrieben. Oberstes Ziel der Lehrenden und Studierenden ist es, natürliche Ressourcen zu schonen sowie Mensch und Umwelt zu schützen.


Über 200 ausrangierte Elektrokleingeräte haben deshalb im Rahmen eines Forschungsprojekts im Recyclinglabor der Hochschule ein vorläufiges zu Hause gefunden. Dort werden sie – von Haartrocknern, Radios bis hin zu diversen Küchengeräten – händisch auseinander gebaut und auf ihre Materialvielfalt untersucht. „Im Schnitt bestehen die Geräte zu 45 Prozent aus verschiedenen Metallen. 24 Prozent sind diverse Kunststoffarten“, weiß Absolvent und Doktorand Lars Tegtmeier. Darunter befinden sich besonders häufig sogenannte thermoplastische Terpolymere, die mechanisch zerkleinert werden und als Regranulat neuen Produkten Leben einhauchen. Auch Kunststoffe wie Polypropylen oder Polyethylenterephthalat, kurz PET, werden zahlreich verbaut. Letzteres hat aktuell einen Marktpreis von etwa 400 Euro die Tonne. „Das ist kein Müll, kein Abfall. Das sind Wertstoffe“, gibt Projekt- und Studiengangsleiterin Prof. Dr.-Ing. Gilian Gerke zu bedenken.

Küche statt Schrotthalde

Doch weil sich die Materialien in Geräten häufen und nur schwer voneinander trennen lassen, gehen sie nicht selten als Sekundärware verloren. Umso wichtiger ist es, Technik für Büro, Küche und Co gewissenhaft zu nutzen und bei Bedarf zu reparieren. „Was uns umtreibt, ist die Frage danach, aus welchen Gründen Verbraucherinnen und Verbraucher Geräte abgeben und wie wir sie für eine möglichst lange, ressourcenschonende Nutzung sensibilisieren können“, appelliert die Professorin. Dabei fand das Team bei Befragungen heraus: 37 Prozent der entsorgten Produkte sind nach wie vor intakt. Das Ergebnis überrascht nur wenig, vergleicht man die jährlichen Neuerscheinungen auf dem Markt. „Die Geräte werden schlichtweg durch bessere, attraktivere Technik abgelöst“, ist sich Gilian Gerke sicher.

Design for Recycling

Die Industrie fordert die Wegwerfgesellschaft heraus: mit immer neuen Artikeln und zugleich minderwertigen Materialien. So verbergen sich unter dem Gehäuse Schwachstellen wie ausgeleierte Keilriemen oder Sparelektronik. Insbesondere bei Kleingeräten kam das Team zu dieser Erkenntnis. Ein Paradigmenwechsel scheint notwendig – in der Politik, Industrie bis hin zu Konsum und Verwertung.

Eine Bildungsoffensive, die auch eine eigene Kinderakademie beinhaltet, soll die Umwelt ins Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher rücken. „Es geht darum, miteinander zu reden und Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Gilian Gerke und ergänzt: „Auch die Hersteller müssen sich über ihre Produkte und dessen Lebensweg Gedanken machen. Ihre Geräte sollten so gestaltet werden, dass sie in das abfallwirtschaftliche System hineinpassen und die Möglichkeit erhalten, recycelt zu werden. Viele Hersteller nehmen das nicht ernst.“

Die Zukunft liegt in der Minimierung des Rohstoffverbrauchs und in einer ganzheitlichen Betrachtung des Produktlebenszyklus, warnt auch der Rat für Nachhaltige Entwicklung. Wie das gelingen kann, zeigt Design-Absolvent Christian Lucklum, der im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit an der Hochschule Magdeburg-Stendal einen Toaster ohne Sparelektronik, ohne Materialvielfalt, dafür aber mit hohem Recyclingpotenzial entwickelte. Durch den modularen Aufbau können defekte Bauteile oder die unliebsam gewordene Farbe des Gehäuses schnell und einfach ausgetauscht werden – der Toaster erhält ein neues Kleid, der Weg zum Schrottplatz bleibt ihm erspart. Auch so kann Recycling gelingen.

Infos zum Studienangebot: www.studieren-im-gruenen.de

 

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