Mindestlohn Praktikum Abitur
Praktikum ist nicht gleich Praktikum – aus wenn's um die Vergütung geht | Foto: Thinkstock/simonkr
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02. Dez 2015

Christina Scholten

Praktikum

Mindestlohn: Auch für Praktika nach dem Abi?

Nicht alle dürfen mit 8,50 Euro Stundenlohn rechnen

So steht's um den Mindestlohn im Praktikum

Am 01. Januar 2015 ist die Mindestlohn-Regelung in Deutschland in Kraft getreten. 8,50 Euro Stundenlohn sollen hierzulande nun die Regel sein – aber wo Regeln sind, gibt es bekanntlich auch immer Ausnahmen.

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns hat nicht bewirkt, dass unbezahlte Praktika aus der Arbeitswelt verschwinden. Denn grundsätzlich, so erklärt Helene Anders, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Mayr in Berlin, stehe bei einem Praktikum die Ausbildung im Vordergrund. Das Unternehmen sollte eigentlich nicht vom Praktikanten als Arbeitskraft profitieren, sondern der Praktikant von der Weiterbildungsoption im Unternehmen. Wo demnach vermeintlich keine "Arbeit" drin steckt, muss sie ja auch nicht bezahlt werden.

Im Sinne dieses Ausbildungszieles schicken viele Universitäten ihre Studenten in die sogenannten "Pflichtpraktika". In den Studien-, aber auch in vielen Ausbildungsordnungen, wird häufig eine Praxisphase vorausgesetzt, die während, vor (gerade bei Fachhochschulen ist das häufig eine Zugangsvoraussetzung) oder nach dem Studium absolviert werden soll. Diese Pflichtpraktika sind, weil sie der Ausbildung dienen, ganz von der Mindestlohnregelung ausgenommen, egal wie lange sie dauern.

Doch eines hat die Einführung des Gesetzes zur Stärkung der Tarifautonomie (MiLoG) den Praktikanten gebracht, erklärt Florian Haggenmiller, Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes: "Praktika werden dort eindeutig als Lernverhältnisse definiert. Für Praktikanten bedeutet das, dass sie ein Recht auf einen schriftlichen Praktikumsvertrag (Nachweisgesetz) haben, in dem klare Lernziele und u.a. die Vergütung festgeschrieben sind."

Diese Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber kann Praktikanten davor schützen, dass sie ganz andere Leistungen erbringen müssen, als es ursprünglich mit dem Arbeitgeber abgesprochen war – denn wenn die Aufgaben einmal schriftlich festgehalten sind, hat der Praktikant schon mal wenigstens etwas in der Hand.

Mindestlohn im "freiwilligen Praktikum"?

Das Pendant zum Pflichtpraktikum ist das "freiwillige Praktikum" – also das, was man aus eigenem Antrieb heraus absolvieren möchte.

Für diese Art von Praktika gelten andere Regelungen bezüglich des Mindestlohns als für das Pflichtpraktikum. "Rein gesetzlich entsteht dort ein Mindestlohnanspruch für ein Praktikum, wenn es länger als 3 Monate dauert", erklärt die Anwältin Helene Anders. Dies sei zeitlich rein an den Kalender gebunden, nicht an das Stundenmaß. Das bedeutet: Auch wenn der Praktikant sein Praktikum nur einen Tag länger als drei Monate absolviert, hat er ein Anrecht auf den Mindestlohn.

Doch genau hier gibt es häufig Probleme, weiß Florian Haggenmiller. "Wir beobachten abenteuerliche Versuche einiger Arbeitgeber, den Mindestlohn zu unterlaufen. Zum Beispiel: Praktikanten müssen mehr arbeiten, als im Praktikumsvertrag steht, bekommen aber nur die vertraglich vereinbarten Stunden bezahlt. Die Praktikumsdauer wird zwar offiziell auf drei Monate begrenzt, allerdings arbeiten die Praktikanten dann nach den drei Monaten einfach weiter. Hier spielen die Arbeitgeber mit dem Feuer, denn das ist nicht legal. Für die Arbeitgeber drohen empfindliche Geldstrafen bis 500.000 Euro."

Wer damit im Praktikum Probleme hat, hat nun die Möglichkeit, drei Jahre rückwirkend das Recht auf den Mindestlohn einzuklagen.

Neben dem Praktikum jobben

Oftmals kommen Praktikanten ohne einen zusätzlichen Job zu ihrem Praktikum nicht über die Runden. Aber ist es überhaupt erlaubt, nebenbei zu jobben? "Es ist rechtlich nicht untersagt, mehrere Arbeitsverhältnisse zu haben. Allerdings muss man dabei auf das 'Arbeitszeitgesetz' achten", erklärt die Arbeitsrechtsexpertin Helene Anders.

Dieses Gesetz besagt, dass Arbeitnehmer nicht mehr als acht Stunden pro Werktag arbeiten dürfen – bei mehreren Beschäftigungen werden die Zeiten zusammengerechnet. Das Gesetz ist allerdings so flexibel, dass Arbeitnehmer auch bis zu 10 Stunden arbeiten dürfen, allerdings muss es dafür an anderen Tagen einen Ausgleich geben – und zwar innerhalb von sechs Monaten.

Wer nebenbei jobbt, muss deshalb fast immer – außer bei selbstständigen Tätigkeiten – dem jeweiligen Arbeitgeber mitteilen, wo er überall arbeitet. Das ist standardmäßig in den meisten Arbeitsverträgen vorgeschrieben. Bei Praktikumsverträgen hat das Unternehmen ebenfalls darauf zu achten, dass der Praktikant sich voll und ganz auf seine Aufgaben konzentrieren kann: "Der Arbeitgeber hat hier die Pflicht, ein Ausbildungsziel zu erfüllen. Und das kann nicht mit einem total übernächtigten Arbeitnehmer bewerkstelligen. Da hat der Arbeitgeber wirklich große Pflichten. Deshalb gibt es in solchen Verträgen immer noch eine Vereinbarung, ob der Praktikant zusätzlich woanders arbeiten darf. Das kann man aber im Einzelfall mit dem Ausbildungsbetrieb noch einmal genau besprechen", rät Helene Anders.

Gute Unternehmen bieten auch gute Praktika

Grundsätzlich gilt, egal ob für ein Pflichtpraktikum oder für ein freiwilliges Praktikum: Die Interessenten sollten sich vorher immer gut über das Unternehmen informieren. Tipps dazu, was es alles zu beachten gibt, hat die DGB-Jugend zusammengefasst.

Zwar mögen Praktika vielleicht Alltag geworden sein, doch es gibt immer noch Unternehmen, die sich nicht an die Regeln halten wollen. Deshalb muss man bei der Praktikumssuche auf seriöse Angebote achten, schließlich sollte der erste Einblick ins Arbeitsleben nicht direkt die Lust darauf verderben.


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