WWOOFing: Arbeit auf dem Feld
Kein Erholungsurlaub: Lies besten im Vorfeld Erfahrungsberichte | Foto: wwoofinternational.org
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28. Mai 2015

Anna Gumbert

Ins Ausland

WWOOF - und weg!

Freiwilligenarbeit im Ausland einmal anders

In 90 Ländern möglich - auch in Deutschland

Beim WWOOFing arbeitest du auf einem Bauernhof und in einem Land deiner Wahl und lernst dort die landwirtschaftlichen Tätigkeiten kennen. Nur biologisch und möglichst nachhaltig sollte der Hof sein.

Dafür wirst du für einen von dir gewählten Zeitraum in die Familie des Hosts, also Hofbesitzer und in diesem Fall deines Gastgebers eingeführt, nimmst an den Mahlzeiten teil und bekommst einen Schlafplatz.

"GeWWOOFt" werden kann in über 90 Ländern auf der ganzen Welt, sei es in Portugal, Costa Rica, Thailand oder Israel.

Es muss aber nicht immer der ganz große Sprung sein: Auch die deutsche Hofliste ist nicht zu verachten. Neben Familienbetrieben im klassischen Sinn gibt es ökologische Gärtnereien, Imkereien, Bäckereien, Pilzzüchter, eine Weidenflechterei, eine Eselzucht, Permakulturgärten oder ökologisch ausgerichtete Gemeinschaften.

Aus Fremden werden Freunde

Tanja Beyer gehört der Reimehof in Kirchensittbach, Bayern, der seit einigen Jahren auf der WWOOF-Website Deutschland verzeichnet ist. Nachdem sie ein Besucher auf die Organisation gebracht hatte, fanden sich häufiger temporäre Arbeitskräfte auf ihrem ehemaligen Gasthof ein.

"Wir schätzen die neuen Eindrücke, Ideen und Sichtweisen, die WWOOFerInnen mitbringen, auch den Anstoß, mal was anders zu machen. Und natürlich das Zusammensein. WWOOFerInnen kommen als Fremde zu uns sind nach 2 Wochen oft tolle Freunde."

Nicht selten treffen sogar mehrere WWOOFerInnen aufeinander – besonders lustig wird das natürlich, wenn diese aus verschiedenen Nationalitäten stammen.

Kein Lohn, aber dennoch lohnenswert

Wenn es denn nun auf die Reise gehen soll, sollte man sich über Grundlegendes klar werden:

  • Die Reisekosten werden nicht übernommen.
  • Mit körperlicher Arbeit ist in jedem Fall zu rechnen.
  • Es gibt keinen Lohn

Ist der Entschluss gefasst, kann man sich für einen kleinen Mitgliedsbeitrag bei der Organisation des jeweiligen Landes anmelden und bekommt Zugang zu den Kontaktdaten der Höfe.

Die 19-jährige Anja war im Jahr nach ihrem Abitur zwei Wochen WWOOFen in Schweden. Höfe zu finden war für sie weitgehend unkompliziert. "Man erstellt sich auf der Website ein Profil mit Bild und kurzem Vorstellungstext, am besten auf Englisch. Dann kann man beginnen, Höfe anzuschreiben. Von manchen habe ich Absagen bekommen, weil der Zeitraum nicht gepasst hat, anderen habe ich abgesagt, weil ich mich für einen anderen Hof entschieden hatte. Da muss man ein bisschen hin und her jonglieren."

Holz hacken, Wolle verarbeiten oder kochen

Nach der Absprache mit den Hofbesitzern geht es los. Der WWOOfer wird auf dem jeweiligen Hof untergebracht. Wie die Arbeit dann aussieht, ist unterschiedlich.

"Ich habe mich früh um halb neun mit dem Besitzern und anderen WWOOFerInnen getroffen. Wir haben uns um die Tiere auf dem Hof gekümmert, den Schuppen gestrichen, Beete vorbereitet und bepflanzt, Zäune aufgezogen, Holz gehackt oder die Weiden gesäubert," erzählt Anja.

Aber die Aufgaben sind so vielfältig wie die Höfe selbst. Auf Tanjas Hof wird auch gewünscht, dass im Haushalt und beim Kochen mitgeholfen wird. Und: "Wenn Leute spezielle Ideen haben, zum Beispiel ein Kompostklo bauen oder Wolle verarbeiten wollen, dann unterstützen wir das natürlich auch."

Die Gastgeber sind keine Ferien-Animateure

Kommunikation ist also ein wichtiger Punkt, damit der Aufenthalt auf dem Hof ein voller Erfolg wird. Natürlich sollte man mit einer gewissen Offenheit auf die Lebensentwürfe oder –situationen der Hosts zugehen.

Es kann aber über alles geredet werden, sei es die Dauer des Aufenthalts, die Arbeit oder andere Bedürfnisse. Vieles kann und soll da schon im Vorfeld abgesprochen werden. Und das überall in Englisch.

"Schlechte Erfahrungen mit WWOOFerInnen haben wir noch nie gemacht", erzählt Tanja, und auch Anja ist begeistert: "WWOOF ist eine tolle Sache. Ich habe nette Menschen kennengelernt, Sachen getan, die ich vorher nie gemacht habe und das Land und die Leute auch mal abseits der Urlaubswege erkunden können."

Ihr Tipp: "Meine Hosts waren wirklich nett. Trotzdem können sie einen nicht den ganzen Tag bespaßen und die Abende sind frei. Irgendwann sind mir die Ideen ausgegangen, was ich abends machen könnte. Deswegen würde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall noch jemand Vertrautes mitnehmen, mit dem ich die neuen Eindrücke und Erfahrungen austauschen kann."


Weitere Infos zu WWOOF:

  • Alle Höfe in internationalen Ländern findet ihr unter wwoofinternational.org
  • Alle Höfe in Ländern, in denen es keine nationale WWOOF-Organisation gibt, sind in der WWOOF-Independents-Liste zusammengefasst: wwoofindependents.org
  • Und für diejenigen, die sich lieber um den heimischen deutschen Kopfsalat kümmern wollen, gibt es www.wwoof.de

 

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