Regisseur werden
Der Regisseur bestimmt, wann eine Szene beendet ist | Thinkstock/ktsimage
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31. Jan 2014

Barbara Kotzulla

Ausbildung

Wie wird man eigentlich ... Regisseur?

-ARCHIV-

Vier Regisseure geben Tipps zum Berufsstart

Als Regisseur übernimmt man die kreative Leitung einer Filmproduktion und die Verantwortung für sein filmisches Werk. Doch wie kann man in den Job einsteigen? Was sollte man an Fähigkeiten mitbringen?

UNICUM Abi hat bei vier renommierten Regisseuren aus unterschiedlichen Sparten nachgefragt. Die Filmemacher kennen sich mit der Nachwuchsförderung aus, standen sie 2014 als Mentoren den Finalisten des Samsung Smartfilm Awards zur Seite.

Im UNICUM Interview

  • Jörg Buttgereit ist Filmemacher, Autor und Filmkritiker und ganz dem Horrorgenre verschrieben. Mit Filmen wie "Nekromantik" und "Schramm" konnte er auch international Erfolge in Japan, Großbritannien und den USA feiern. "Horrorfilme sind wie kaum ein anderes Genre in der Lage, Menschen zu berühren, die Menschen zu fesseln – jetzt nicht im wörtlichen Sinne. Man muss lernen, was den Menschen ängstigt. Im Grunde ist es der erste Job eines Horror-Filmemachers, eine tiefe Menschenkenntnis zu entwickeln." Mehr unter www.joergbuttgereit.com
  • Italiener Luigi Falorni lebt in Deutschland und arbeitet international. Sein Handwerk lernte er in München an der Hochschule für Fernsehen und Film – mit Erfolg. Für seinen ersten großen Film "Die Geschichte vom weinenden Kamel" aus dem Jahr 2003 erhielt er eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm". "Das genaue Hinsehen ist für meine Arbeit noch wichtiger als das Gestalten, das darauf folgt. Man muss die Protagonisten verstehen, ihre Handlungen nachvollziehen, manchmal darf man sie sogar leiden mögen." Mehr unter www.luigifalorni.info
  • Künstler und Experimentalfilmer Thorsten Fleisch hat schon in seiner Schulzeit Super 8-Filme gedreht und später an der Städelschule in Frankfurt am Main studiert. Für seine Arbeiten ist Fleisch mehrfach ausgezeichnet worden und war auf mehr als 150 Festivals präsent. "Beim Experimentalfilm geht es mir wie einem Forscher, der im Labor experimentiert. Ein Filmforscher, neugierig, die Welt mit Hilfe einer Kamera untersuchend. Am Anfang eines Projekts steht eine Idee. Auf dem Weg zur Umsetzung dieser Ursprungsidee verändert sich alles." Mehr unter fleischfilm.com
  • Myrna Maakarons Liebe zum Film begann früh: Ihr Großvater war einer der ersten Filmverleiher in ihrer Heimat Beirut. Die Filmemacherin hat an der Lebanese Academy of Fine Arts und der Sorbonne in Paris studiert. Für ihren Kurzfilm "BerlinBeirut" (2003) erhielt sie u. a. den Berlin Today Award 2004. Zudem gewann Maakaron 2013 einen Samsung Smartfilm Award. "Ich glaube, dass jeder Mensch jeden Tag mindestens fünf Minuten erlebt, über die man einen spannenden, lustigen, traurigen, bewegenden Film drehen könnte." Mehr unter www.berlinbeirut.de

4 Filmemacher, 7 Fragen

UNICUM: Wird der Film in Zukunft neue Wege gehen müssen? Werden Formate wie der Smartfilm bald zum Alltag gehören?
Jörg Buttgereit: Diese neuen Formate gehören längst zum Alltag. Die Leute drehen doch ständig mit ihren Handys "kleine Filme". Wenn die Aufnahmequalität jetzt immer besser und damit "sendefähig" wird, kann man damit natürlich auch "große Filme" drehen.

Thorsten Fleisch: Der Film, wie andere Medien auch, musste sich schon öfter neu erfinden und auf technologische Neuerungen reagieren. Das gehört dazu und hält ihn frisch und modern. Smartfilm, Youtube, Vine, VOD, Ultra HD, Oculus Rift – da wird einem nicht so schnell langweilig. Was sich davon durchsetzt und den Alltag bestimmen wird, darauf bin ich auch gespannt.

Luigi Falorni: Ich glaube, dass der klassische Kinofilm noch ein langes Leben hat, denn er bietet dem Zuschauer ein bestimmtes Erlebnis, das sich von den Fernseh- und Internetformaten abhebt und weiterhin vom Publikum angenommen wird. Die neuen Formate lösen die alten nicht ab, sie kommen hinzu und erweitern die gestalterischen Möglichkeiten. Die wahre Revolution ist aus meiner Sicht eine andere: Fast jeder Mensch trägt heutzutage ein Gerät in der Tasche, wie etwa ein Smartphone, das ihm jederzeit ermöglicht, sich multimedial auszudrücken. Das hat es nie gegeben. Seit Einführung der Schulpflicht kann jeder Mensch zwar durch die Beherrschung der Sprache in Wort und Schrift an den gesellschaftlichen Prozessen teilhaben. Heute spielt sich aber ein großer Teil dieser Prozesse weniger auf Schriftbasis und mehr im Bereich der audiovisuellen Medien und im Internet ab. Die Mehrheit der Menschen kann diese Medien zwar "lesen", hat aber noch nicht gelernt, mit ihnen zu "schreiben". Auch wenn es noch kein Unterrichtsstoff in Grundschulen ist: die Zeit wird wahrscheinlich schneller kommen als man denkt, in der die aktive Beherrschung der multimedialen Ausdrucksformen – der Smartfilm ist ein Beispiel dafür – eine wichtige Fähigkeit eines mündigen Bürgers sein wird. Und die heutigen Smartphones können dabei eine vergleichbare Rolle wie früher Stift und Papier einnehmen.

Myrna Maakaron: Wie auch alles andere, ist der Film in ständiger Evolution, Innovation und Entwicklung. Smartfilme sind ein Teil dessen und gehören heute einfach zum Alltag dazu.

Müssen sich junge Menschen, die als Filmer arbeiten wollen, in Zukunft neue, andere Wege suchen, um ihren Traumjob zu erreichen?
Jörg Buttgereit: Suchen müssen sie gar nicht. Diese "neuen Wege" werden durch die ständige technische Entwicklung für jeden erschwinglich.

Thorsten Fleisch: Ich denke eine gewisse Aufgeschlossenheit neuer Strömungen gegenüber, ist sicherlich kein Hindernis. Jemand der das Potential neuer Technologien oder Vertriebswege früh erkennt, hat da sicher einen Vorteil, wenn er es überzeugend zu nutzen weiß.

Luigi Falorni: Es gibt heutzutage viele unterschiedliche Wege: vom Studium an einer Filmhochschule, über die klassische Ausbildung am Set oder bei einer Produktionsfirma, bis zum unabhängigen Crowdfunding der eigenen Projekten. Welcher Weg sich letztlich als der bessere erweist ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Wichtig ist, dass man sich über die verschiedenen Möglichkeiten informiert und den Kontakt mit Kollegen und Gleichgesinnten sucht. Je früher man beginnt, sich ein Netzwerk aufzubauen, desto eher bekommt man eine Chance.

Myrna Maakaron: Nein, warum sollten sie? Zwar entwickelt sich die Technologie und neue Formate stehen nunmehr jedem zur Verfügung, es ist eine Revolution des Filmemachens, aber der Rest wird immer gleich bleiben. Etwa das Handwerk zu erlernen, Talent zu besitzen, hart zu arbeiten, an sein Werk zu glauben, für seinen Traumjob zu brennen ... Egal welches Format wir benutzen, es wir immer Filme geben. In Zukunft wird es vielleicht weniger Kinos geben, weil die Leute Filme lieber Zuhause sehen – wer weiß? Alles in allem kann zwar jeder einen Film machen, aber wir als Zuschauer erinnern uns nur an die, die mit Leidenschaft, Hingabe, Glaubwürdigkeit und Herzblut produziert werden.

Das A und O: Eine Leidenschaft für den Film

"Lohnt" es sich überhaupt noch, beim Film arbeiten zu wollen?
Jörg Buttgereit:
Natürlich. Der Bedarf von Filmware steigt ständig. Es gibt immer mehr Festivals, TV-Sender, Online-Mediatheken etc. Irgendjemand muss diesen Content produzieren.

Thorsten Fleisch: Gute Frage, die finanziellen Aussichten sind, gerade am Anfang, nun wirklich nicht allzu rosig. Es gehört schon viel Leidenschaft und der Wille zur Durchsetzung der eigenen Vision dazu, diesen Weg einzuschlagen und durchzuhalten. Ob es sich lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Luigi Falorni: In der Unterhaltungsindustrie ringen immer mehr Angebote um die Freizeit der Menschen. Das hat natürlich seine Auswirkung auf den Kinofilm. Tatsache ist, dass es immer schwieriger wird, die Budgets für die Filme zusammenzubekommen, weil die Einnahmen schrumpfen. Gerade deutsche Produktionen haben mit wenigen prominenten Ausnahmen in der Regel keine großen Erfolgsaussichten. Wer nach einem Job in einer boomenden Branche sucht, sollte sich eher anders orientieren. Trotzdem ist Filmemachen weiterhin ein wunderbarer Beruf, und wer eine große Leidenschaft dafür mitbringt, soll sich nicht von den Schwierigkeiten abschrecken lassen.

Myrna Maakaron: Die Frage klingt so, als wäre der Film längst tot oder in der Auflösung begriffen. Das ist aber nicht der Fall. Natürlich lohnt es sich, in der Filmbranche zu arbeiten – wenn es das ist, was du am meisten liebst im Leben. 

Studium, Ausbildung oder "Learning-by-Doing": Wie komme ich am besten in den Beruf?
Jörg Buttgereit: Ich würde damals nicht an der Filmakademie in Berlin angenommen und hab mir dann einfach eine Super 8-Kamera gekauft und mit Freunden losgelegt. Heute haben die Menschen ihre Kamera schon im Handy und das Schnittequipment im heimischen Computer. Es war noch nie so einfach wie heute, sich auszuprobieren.

Thorsten Fleisch: Da gibt es wohl kein Patentrezept. Viele Wege führen nach Rom in die Cinecittà. Ich persönlich bin ein großer Fan von Learning-by-Doing. Ein noch viel größerer Fan bin ich übrigens davon, Doing deutsch auszusprechen, also 'Doing' als Laut einer Sprungfeder. Man könnte also vielleicht auch gut vom Sprungfederlaut lernen.

Myrna Maakaron: Alle drei Wege führen zum Ziel. Ein Studium an einer Filmschule lehrt dich das Handwerk, die Techniken, die Geheimnisse. Dort arbeitest du auch mit dem Filmemachern deiner Generation zusammen, mit denen du dann auch in der Zukunft zu tun haben wirst. Man kann in diesem Umfeld auch von einem inspirierenden Lehrer etwas lernen. Mit einem Abschluss an der Filmschule bekommst du vielleicht auch schneller Jobs und Türen öffnen sich einfacher für dich. Aber das Learning-by-Doing ist das wichtigste, denn es formt dein Wissen über den Film. Schließlich ist es kein einfacher Job, wie alle anderen Künste auch. Es gibt nicht den einen Weg und keine konkreten Regeln. Du kannst auch mit 18 genügend Talent, Gefühl, Know-how haben und den besten Film machen, ohne jemals eine Filmschule besucht zu haben.

Originelle Ideen, Neugier, Leidenschaft und Kreativität sind wichtig

Was sollte man als junger Mensch mitbringen, um später als Regisseur und Filmemacher erfolgreich sein zu können?
Jörg Buttgereit: Ein paar originelle Ideen und ein Gespür für Schauspieler kann nicht schaden.

Thorsten Fleisch: Also viel Talent ist schon mal ein guter Anfang. Zähigkeit hilft, gute Beziehungen und reiche Eltern können wie in anderen Branchen auch eventuelle Talentlosigkeit ausgleichen. Ich würde jetzt gerne Vision sagen, aber gerade geht der Trend ja leider eher zur totalen Angepasstheit. Trotzdem glaube ich aber, das Vision gut ist.

Luigi Falorni: Uneingeschränkte Neugier, auf die Menschen und ihre inneren Welten, und auf die Themen, die unsere Gesellschaft aktuell beschäftigen. Das ist die wichtigste Voraussetzung, um Projekte ins Leben zu rufen, die bereits in der Finanzierungsphase die Kraft haben, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Und man muss wissen, dass hinter dem "Traumberuf" sehr harte Arbeit steckt und nicht selten lange Durststrecken. Ansonsten glaube ich persönlich nicht an Genies: Jeder Mensch kann mit seiner eigenen Persönlichkeit und Sensibilität zum Regisseur werden.

Myrna Maakaron: Leidenschaft, Kreativität, eine reiche Vorstellungsgabe, ein Interesse an Kultur, Politik, Gesellschaft, eine Begeisterung für Menschen, Neugierg, Toleranz, ein großes Wissen über das Kino und die Lust, jede Menge Filme zu sehen und Bücher zu lesen. Dazu die Gabe des Geschichtenerzählens, Bescheidenheit, Teamfähigkeit, Freundlichkeit, und Respekt gegenüber anderen Talenten – denn als Filmemacher bist du im ständigen Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen. Und obendrauf noch etwas Lebenerfahrung ...

Wann ist ein Film ein guter Film?

Wie wichtig ist es, sich etwa auf ein Genre zu spezialisieren?
Jörg Buttgereit:
Sich wie ich auf das Genre Horror zu spezialisieren, ist in Deutschland keine gute Idee. Wir haben keine Horrorfilmkultur mehr. Dabei haben wir in den 20er-Jahren Klassiker wie "Nosferatu" hervorgebracht.

Thorsten Fleisch: Ich würde empfehlen, sich auf das Genre zu spezialisieren, das einem am besten liegt, sprich: wo bekomme ich mit meinen bisherigen Erfahrungen und Neigungen das beste Resultat?

Luigi Falorni: Das hängt davon ab, welcher Schwerpunkt einem wichtig ist. Für manche Filmemacher ist der kommerzielle Erfolg ausschlaggebend. Am erfolgreichsten laufen hierzulande Komödien und Kinderfilme, während Dramen und Dokumentarfilme ein relativ kleines Publikum unter sich teilen müssen. Und trotzdem werden jedes Jahr wesentlich mehr Dramen produziert als Komödien oder Kinderfilme. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Mehrheit der Regisseure sich in diesem Genre Zuhause fühlt.

Myrna Maakaron: Das ist überhaupt nicht wichtig. Einige Regisseure sind in der Lage, verschiedene Genres zu bedienen. Andere entscheiden sich für einen Bereich und fühlen sich dort am kreativsten. Es geht einfach darum, womit man sich am besten ausdrücken kann.

Zum Schluss: Wann ist ein Film ein guter Film?
Jörg Buttgereit: Wenn er den Zuschauer berührt.

Thorsten Fleisch: Ein guter Film ist ein Film, der extreme Gefühle auslöst, neue Erkenntnisse und Blickwinkel auf die Welt in mich hineinschleudert, Gewohntes clever neu arrangiert. Kurz gesagt, ein Film der mit der Dampfwalze der Innovation die Auswüchse der Konventionen plattmacht.

Luigi Falorni: Wenn er die Zuschauer erreicht, für die er gemacht wurde. Die Besucherzahl wird oft als Maßstab für Erfolg genommen, aber ich finde das irreführend. Viel wichtiger ist, ob das gesamte Leben eines Films von seiner Entstehung bis zur Auswertung einen Sinn ergibt. So kann ein Film bei einer Million Zuschauer ein Flop sein, wenn aufgrund des Produktionsaufwands eine höhere Besucherzahl erwartet war, und ein kleiner Dokumentarfilm schon bei 10.000 Zuschauer ein toller Erfolg sein, wenn er in seiner Nische genau die Menschen erreicht hat, die sich für ihn begeistern.

Myrna Maakaron: Ein Film ist ein guter Film, wenn die Geschichte gut geschrieben ist und die Charaktere in einer Art und Weise hervorstechen, dass man sie und den Film nicht vergisst. Das ist meine Ansicht von der professionellen Seite. Ein Film ist ein guter Film, wenn er dein Herz berührt, wenn er dein Leben verändert, wenn er dich eine Lektion lehrt, wenn er dich zum Lachen bringt, wenn er deine Aufmerksamkeit auf etwas Wichtiges lenkt, wenn er dich in eine bessere Welt bringt und deine Realität verschönert. Oder ganz einfach: Wenn er dich zum Träumen bringt.

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3.4 von 5 Sternen bei 260 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 19. Mai 2016 um 23:59 Uhr von Pascal.B1999
Ich bin 16 Jahre alt und mache gerade mein Abitur. Ich träume jeden Tag davon meinen eignen Film zu drehen... Schule fasziniert mich überhaupt nicht und ich finde es verschwendete Zeit etwas zu lernen das ich nicht wissen will. Ich habe weder irgend ein Equipment noch einen Computer und kann somit auch nicht das probieren was ich will und das ist eben Videos/Filme machen... Mein Lebensziel ist es einmal einen Film in die Kinos zu bringen der für Menschen einen Erfahrung für Ihr restliches Leben ist. Ich weis das alles hört sich für viele nach einem unrealistischen Traum an der sehr wahrscheinlich niemals so passieren wird wie ich es erhoffe doch das ist das was ich wirklich will in meinem Leben. Mich interessiert alles was zur Produktion dazu gehört und ich hoffe wirklich das ich eines Tages Regisseur werde. Danke falls du bis hier gelesen hast :)