Musikproduzent werden
Der Musikproduzent bestimmt den Sound einer Band maßgeblich | Foto: Thinkstock/Chalabala
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19. Jun 2012

Barbara Kotzulla

Ausbildung

Wie wird man eigentlich... Musikproduzent?

-ARCHIV-

Ein Interview über Ausbildung, Vitamin B und gute Freunde

Im Interview: Musikproduzent Dominic Paraskevopoulos

Ist der Beruf des Musikproduzenten eigentlich so, wie man ihn sich vorstellt? Sitzt du den ganzen Tag an einem riesigen Mischpult und rufst zwischendurch den Musikern Anweisungen zu?
Naja, das gehört auf alle Fälle dazu. Aber so ein Produktionsprozess beginnt eigentlich schon im Proberaum der Band. Ich fahre dorthin, höre mir die Songs an und mache mir einen Gesamteindruck der Band und ihrem Sound.  Ich überlege mir zu diesem Zeitpunkt: Was kann man soundtechnisch verbessern? Was gefällt mir an den Songs? Wo fehlt noch der letzte Schliff, wo ein wenig Pepp? Danach folgt die Vorproduktion, wo ich die Musik z.B. im Proberaum oder direkt am Computer aufnehme. Dort kann ich die Songs dann "studioreif" machen, bevor es dann zur eigentlichen Produktion kommt. Und dann sitze ich irgendwann tatsächlich an meinem Mischpult und sage Sachen wie: "Kannst du den Satz noch einmal singen, das war nicht so gut". Oder: "Spiel das mal so und so." Das alles gehört zum Entwicklungsprozess eines Songs.

Du begleitest eine Band also eine ganze lange Zeit. Da gehört sicherlich viel Vertrauen dazu. Gibt es aber manchmal Widerstand von Musikern, wenn du ihre Lieder kritisierst oder sie verändern willst?
Definitiv. Ich produziere ja viel Popmusik, da lassen sich die Künstler gerne auf etwas Neues ein. Im Hardcore und Metal stoßen manche Ideen schneller auf Ablehnung. Aber egal um welche Band oder um welches Genre es sich handelt: Ich probiere einfach Sachen aus und zeige den Künstlern dann, wie die Songs meiner Meinung nach klingen könnten. Im Endeffekt bin ich als Produzent aber derjenige, der sagt: "Okay, das ist euer Material, da habe ich Respekt vor. Ich arbeite gerne daran, aber wenn ihr das so möchtet, dann bekommt ihr das auch so. 

Wie bist du eigentlich zum Musikproduzieren gekommen?
Während meiner Abizeit bin ich nebenbei schon immer mit Bands auf Tour gegangen, damals immer noch als Techniker. Eigentlich ging für die Musik mehr Zeit drauf als für die Schule, sonst wäre ich wahrscheinlich nicht beim ersten Mal durch das Abitur gerasselt. Ich habe dann mit meiner eigenen Band die ersten Aufnahmen gemacht – und daraus hat sich letztendlich alles entwickelt.Irgendwann hatte ich dann auch meine eigenen Räumlichkeiten und habe mir Equipment angespart. Später habe ich auch versucht zu studieren. Das hat die ersten Semester ganz gut geklappt, doch dann habe ich gemerkt, dass ich was ganz anderes machen will. Somit habe ich mich dann endgültig selbstständig gemacht.

"Werdet kreativ!"

Was hast du studiert?
BWL, erst in Essen und dann in Duisburg. Das sollte meine Grundlage fürs Musikmanagement werden. Klar, kann man das auch richtig in Mannheim studieren, aber da geht irgendwie jeder hin, der etwas mit Musik machen will. Ich wollte aber lieber in meiner Heimat bleiben und mir über Umwege etwas aufbauen. Gerade im Musikgeschäft funktioniert vieles über Vitamin B. Mit einem abgeschlossenen Musikmanagementstudium kann man auch nicht viel anfangen, wenn man nicht über die Jahre Kontakte gesammelt  und seine Erfahrungen gemacht hat.

Also braucht man als Musikproduzent keine Ausbildung?
Nein, so gesehen nicht. Aber schau mal, das Musikgeschäft ist voller Quereinsteiger: Da gibt es Jurastudenten, die als A&R enden, oder Medizinabbrecher, die im Booking einsteigen. Gerade in diesem kreativen Bereich ist alles möglich.

Du spielst ja auch viele Instrumente, hast du nie überlegt, ein "klassisches" Musikstudium zu absolvieren?
Ich habe vollsten Respekt vor allen Leuten, die so etwas studieren. Die können nämlich etwas, was ich nicht kann: ein Instrument perfekt spielen. Ich wollte aber auch nie der größte Bassist werden und hatte nie Vorbilder in diesem Bereich. Das war eher so, dass ich Chris Lord-Alge bewundert habe. Der hat von Bon Jovi über Green Day bis hin zu Pink alles produziert.

Überall hört man, dass es der Musikindustrie so schlecht geht. Plattenfirmen schließen, Künstler wettern gegen illegale Downloads. Hast du da keine Angst um deine berufliche Zukunft?
Würde ich denken, dass das, was ich jetzt mache, irgendwann zu Ende geht, würde ich nicht an mich selbst glauben. Und sowieso: Kreative Menschen wird es immer geben. Sehr viele Bands, die kein Label als Background haben, wollen dennoch ins Studio gehen. Klar ist es schade, wie es derzeit im Musikgeschäft läuft. Aber da kann man rumjammern wie man will, letztendlich hilft es da nur, etwas zu verändern und etwas Neues zu schaffen. Ich kann es nicht mehr hören, dieses "Uns geht’s so schlecht. Alles ist scheiße." Ja, dann macht etwas, schafft etwas. Werdet kreativ, wie ihr es in der Musik auch seid. Schafft neue Denkansätze, wie man das Musikgeschäft verbessern kann!


Dominic Paraskevopoulos und sein Studio findet ihr im Netz unter www.level3entertainment.com

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3.31 von 5 Sternen bei 138 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 20. Jan 2016 um 18:58 Uhr von Maro
Tolle Ansichten :)
Veröffentlicht am 30. Aug 2016 um 17:05 Uhr von Emily
Cooles und auch inspirierendes Interview!