Flugbegleiter werden
Flugbegleiter/in: Arbeitsplatz: weltweit | Foto: Owen CL/Unsplash
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15. Feb 2018

Sabine Neumann

Ausbildung

Wie wird man eigentlich... Flugbegleiter?

Flugbegleiter werden: Nichts für Menschen mit Flugangst

Flugbegleiter/innen (früher Steward/Stewardess) sind für die Betreuung und Sicherheit der Passagiere in einem Flugzeug verantwortlich. Sie haben verschiedene Aufgaben, wie zum Beispiel: Einchecken an Bord, Verstauen des Gepäcks, Hilfe bei der Sitzplatzsuche, Begrüßung an Bord mit dem Hinweis auf die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrolle der Anschnallpflicht.

Während eines Fluges bereiten und servieren sie Mahlzeiten für Passagiere und Crewmitglieder, bieten Getränke an. Falls es mal zu einem Notfall an Bord kommen sollte, leiten die Flugbegleiter die entsprechenden Maßnahmen ein. Nach der Landung verabschieden sie sich von ihren Gästen und räumen anschließend die Kabine auf. Sie sprechen mindestens deutsch und englisch perfekt.

"Flugbegleiterin ist ein Traumberuf"

UNICUM: Wie bist du Flugbegleiterin geworden?
Kathrin Leineweber: Eigentlich wollte ich ursprünglich Balletttänzerin werden, entschied mich aber 1975 nach einem Urlaubsflug mit Oma und Opa nach Palma de Mallorca spontan für den Beruf einer Flugbegleiterin. Meine Argumente für diesen Traumberuf lagen meines Erachtens auf der Hand: Ich sehe jeden Tag die Sonne, trage eine schicke Uniform, bewirte Gäste, spreche verschiedene Sprachen und sehe mir nebenbei die Welt an.

Wie ging es für dich beruflich weiter?
Ich musste eine abgeschlossene Schulbildung vorweisen und eine Lehre in einem Dienstleistungsunternehmen absolviert haben. Also machte ich eine Ausbildung zur Hotelfachfrau in einem renommierten Hamburger Hotel und bewarb mich bei einer deutschen Fluggesellschaft.

Wie sah deine Ausbildung zur Flugbegleiterin aus?
Ich habe einen sechswöchigen Lehrgang in Theorie und Praxis in einer Flugschule absolviert. Wir lernten dort unter anderem auch den Umgang mit Feuerlöschern, Sauerstoffgeräten, pyrotechnischen Leuchtmitteln, Notaxt und Notsender.

Wohin ging dein erster Flug?
Der ging nach Monastir/Tunesien. Der Kapitän hatte auch gleich eine spannende Aufgabe für mich als Neuling: ich sollte den Reifendruck am Fahrwerk überprüfen. Dies war natürlich nur ein kleiner Scherz von ihm.

Flugbegleiterin: Professionelle Gastgeberin in luftigen Höhen

Wie sieht dein Arbeitsalltag in der Luft aus?
Neben den routinemäßigen Aufgaben kümmere ich mich beispielsweise auch um hilfsbedürftige Menschen, Kinder und Senioren. Ich übernehme an Bord die Gastgeberrolle und sorge dafür, dass sich die Menschen wohlfühlen.

Hast du eine/n Chef/Chefin?
Der Chef an Bord ist immer der Flugkapitän. Chef/in in der Kabine ist die Purserette bzw. der Purser.

Gab es schon mal lustige Erlebnisse an Bord?
Die gab es tatsächlich auf dem Rückflug von Rom nach Düsseldorf mit einem gut gelaunten holländischen Männerchor, der gerade von einer Audienz beim Papst zurückkehrte und dort auch gesungen hatte. Über Bordmikrofon gaben die 160 Chormitglieder nach der Landung noch auf dem Weg zum Flugsteig eine Kostprobe ihres Könnens.

Hast du nie Flugangst gehabt?
Natürlich. Aber ich habe mir einfach ein Beispiel an der Flugpionierin Elly Beinhorn genommen. Ich dachte mir, wenn diese Frau es schafft ohne Angst ganz allein zu fliegen, dann muss das doch auch bei mir in einem hochmodernen Jet klappen. So war es dann auch! Ich habe ein im Internet ersteigertes Autogramm von ihr stets in meiner Tasche.

Wie gehst du mit den Passagieren um?
Besonders willkommen sind mir immer Fluggäste, die höflich und freundlich sind. Kommt mir ein Passagier unfreundlich, so stelle ich ihn mir zur Not in seiner Unterwäsche vor. Das kann helfen, den Druck aus der Situation zu nehmen. Wird der Fluggast allerdings aufmüpfig, so verteilen wir gelbe und rote Karten, die er dann unterschreiben muss. Bei Rot wartet bereits die Polizei am Zielflughafen.

Und wie geht es dann weiter?
Muss der Kapitän bei Randalierern sogar eine Zwischenlandung einplanen, wird es für den Betreffenden sehr teuer.

Einmal um die ganze Welt

Da musst du aber ein gutes Händchen für die Menschen an Bord haben?
Wir Flugbegleiter vereinigen ganz viele Berufe, wie beispielsweise auch Krankenschwester, Psychologen, Kinderfrau, Seelsorger, Sicherheitsbeauftragte und natürlich Gastgeberin einer Fluggesellschaft.

Wo fliegst du am liebsten hin?
Nach Südafrika. Ich bin von der Landschaft ("tolle Farben"), von der Freundlichkeit der Menschen ("immer höflich") und dem guten Essen ("fangfrischen Fisch mit einem guten Glas Rotwein aus der Region") begeistert.

Wo machst du privat gerne Urlaub?
Auf Norderney finde ich den Wechsel der Jahreszeiten sehr spannend und die Insel hat ihren eigenen Charakter.

Was ist für dich spannend, also eine Herausforderung für dich, in deinem Arbeitsalltag?
Menschen, die mit schlechter Laune an Bord kommen, mit einem Lächeln zu entlassen.


Kurz & Kompakt: Karriereweg Flugbegleiter/in

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Mindestalter 18 Jahre
  • Flugtauglichkeit
  • gesundheitlich top fit
  • gültiger Reisepass
  • Zuverlässigkeitsbescheinigung durch die Luftfahrtbehörde
  • abgeschlossene Berufsausbildung in einem Dienstleistungsunternehmen
  • mehrsprachig
  • Tropentauglichkeit
  • gute Umgangsformen
  • kommunikativ

Diese Anforderungen können allerdings bei verschiedenen Airlines unterschiedlich sein.
Stimmen die Voraussetzungen, so kann man sich bei einer Fluggesellschaft bewerben. Danach folgt eine mehrwöchige Ausbildung mit praktischem und theoretischem Teil, die mit einer Prüfung abschließt. Sollte sich ein Beschäftigungsverhältnis bei einer Fluggesellschaft anschließen, so ist dieser Lehrgang kostenlos. Erfahrene Flugbegleiter können zum Purser bzw. zur Purserette befördert werden. Diese Kabinenchefs führen dann die Kabinen Crew und leiten neue Flugbegleiter an.

Wichtig für den Job von Flugbegleiter/innen:

  • unregelmäßige Arbeitszeiten, insbesondere auch an Wochenenden und Feiertagen
  • Flexibilität
  • Belastbarkeit
  • gutes Maß an Körperbeherrschung
  • Klimaschwankungen, niedrige Luftfeuchtigkeit an Bord und Jetlag sind gesundheitliche Herausforderungen
  • häufige Abwesenheit vom Wohnort
  • professionelle Freundlichkeit im Umgang mit den Fluggästen

Zur Person Kathrin Leineweber (50), Flugbegleiterin

Kathrin wurde in Hamburg geboren und machte nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung zur Hotelfachfrau eine Ausbildung als Flugbegleiterin. Zwischenzeitlich hat sie sich zur Purserette (Chef-Flugbegleiterin) weitergebildet Sie arbeitet zusätzlich als Performance&Leadership-Coach, um so auch Führungspersonal an Bord ausbilden zu können.

Mittlerweile hat sie als Chefstewardess so einiges hinter sich: 28 Paar Schuhe verschlissen, 8000 Liter Tomatensaft an durstige Kehlen verteilt, über 160 verschiedene Flughäfen angeflogen, 12000 Stunden in der Luft verbracht, 72 rote Lippenstifte verbraucht, über 7 Millionen nautische Meilen hinter sich. Sie hat über ihre Erlebnisse auch ein Buch geschrieben:

Tür zu, es zieht: Aus dem Leben einer Stewardess

Tür zu es zieht

Kathrin Leineweber

Piper-Verlag

Preis: 10 Euro

Weitere Infos unter: www.happy-airways.de

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