Comicautorin Verena Klinke
Comicautorin Verena Klinke | Foto: PR
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27. Jul 2012

Holger Wendt

Ausbildung

Wie wird man eigentlich… Comicautorin?

-ARCHIV-

Interview mit Verena Klinke ("Steam Noir - Das Kupferherz")

"Deine Eltern kannst du bei so einer Entscheidung nicht schonen"

UNICUM: Verena, du hast dein Studium geschmissen, um dich ganz dem Schreiben von Geschichten zu widmen. Wie bringt man das so schonend wie möglich den Eltern bei?
Verena Klinke: Egal, wie du's anstellst – deine Eltern kannst du bei so einer Entscheidung nicht schonen. Meine Taktik war aber, sie nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen. Ich habe mit ihnen ganz in Ruhe über meine Unzufriedenheit im Studium gesprochen und warum ich glaube, dass ich es auch als freie Autorin schaffen kann. So konnten sie meine Pläne nachvollziehen. 

Und wie war ihre Reaktion?
Nicht hocherfreut, aber verständnisvoll.

 Und wie hast du sie überzeugt, dass du dir den Studienabbruch gut überlegt hast und dass ihr Kindchen in Zukunft nicht hungern wird?
Ich glaube nicht, dass ich sie wirklich überzeugt habe. Sie haben mir aber vertraut, dass ich diese Entscheidung selbst für mich treffen kann – und natürlich auch muss. 

Was würdest du Studenten raten, die gerade in einer ähnlichen Lage sind?
Nichts übers Knie brechen, schon gar nicht in einer Stresssituation – aber wenn dir dein Bauchgefühl sagt, dass du in die falsche Richtung gehst, Mut zu Entscheidungen haben! 

"Man verinnerlicht die Regeln und Gesetze, nach denen diese Parallelwelt funktioniert"

Du bist gerade mit deiner ersten Graphic Novel "Steam Noir – Das Kupferherz 2" auf Lesetour. Wie kamst du zu diesem Engagement mit Felix Mertikat?
Ich habe schon vor meinem Studium für kleinere Jobs als Autorin gearbeitet, unter anderem für Felix‘ Rollenspiel "OPUS ANIMA". Ich sollte 2010 eigentlich Texte für ein neues Buch schreiben, als Felix (Felix Mertikat, Illustration & künstlerische Leitung bei "Steam Noir"; Anmerk. der Red.)) plötzlich anfing, die Rollenspielwelt von "OPUS ANIMA" für eine Comicerzählung umzuarbeiten. Ich war mittendrin, als daraus "Steam Noir" erwuchs, und so bereits von Anfang an Teil des Teams. 

Wie würdest du jemanden in das "Steam Noir"-Universum einführen, der von "OPUS ANIMA" noch nichts gehört hat?
Verrückte Erfindungen mit Dampftechnologie, historisch-wilhelminisches Flair mit Science Fiction-Elementen, eine in Schollen zerbrochene Welt, die im Äther treibt und regelmäßig von Toten aus dem Jenseits heimgesucht wird – ich glaube, das trifft es fürs Erste ganz gut.

Wie behältst du als Autorin den Überblick über Figuren, Handlung und Dramatik?
Wenn man sich rund um die Uhr mit einer Geschichte und ihren Figuren beschäftigt, kommt man gar nicht drum herum, sich irgendwann ‚heimisch‘ zu fühlen. Man verinnerlicht die Regeln und Gesetze, nach denen diese Parallelwelt funktioniert. Notizen dienen da eigentlich nur als Gedächtnisstütze, sind aber dann wichtig, wenn neue Ideen zum Bestehenden dazukommen.

 Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus, an dem du zusammen mit Felix Mertikat an "Steam Noir" arbeitest?
Als ich als neue Autorin dazukam, haben Felix und ich ganze drei Monate darauf verwendet, die Geschichte in sich schlüssig zu konzipieren und grundlegende Dinge wie Handlungsverlauf und Figurenentwicklung festzulegen. Derzeit entwickle ich jede Szene einzeln und schreibe die Dialoge, Felix arbeitet an neuen Designs für Fahrzeuge und Settings. Sobald die erste Dialogfassung steht, entwickelt Felix das Storyboard, ein erster Entwurf des fertigen Comics.

Was kann man von "Steam Noir" noch erwarten? 
In den Bänden 3 und 4 erfährt der Leser endlich, was es mit dem titelgebenden Kupferherzen auf sich hat, warum es so wertvoll ist und warum alle Welt hinter ihm her ist. Und warum wird Heinrich verdammt noch mal Mitglied beim Geheimbund des Kalendarischen Ordens, mit dem er doch so tief verfeindet ist? Ist das vielleicht seine letzte Chance, seinen todkranken Sohn zu retten? 

Was machst du, wenn du nicht an "Steam Noir" arbeitest?
Derzeit arbeiten Felix und ich noch an einem zweiten Comicprojekt, das im Mai 2013 beim Knesebeck Verlag erscheinen wird. Ansonsten hört die Arbeit an "Steam Noir" eigentlich gar nicht auf: Gerade schreiben einige Autoren Kurzgeschichten innerhalb des SN-Universums, die ich redaktionell betreue und für die Veröffentlichung vorbereite.


UNICUM Abi Comic-Tipp

Felix Mertikat (Illustrator, Autor), Jakob Eirich (Künstler), Verena Klinke (Autorin)

Steam Noir - Das Kupferherz 2

Cross Cult Verlag

Hardcover, vierfarbig, 64 Seiten

Preis: 16,90 Euro

Artikel-Bewertung:

3.58 von 5 Sternen bei 110 Bewertungen.

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