Ausbildung Elite
Von Parfümeur bis Butler: Diese Ausbildungsplätze sind hart umkämpft! | Foto: Thinkstock/StockRocket
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07. Jul 2016

Nina Weidlich

Ausbildung

Elite vor: Diese Ausbildungsberufe sind echt außergewöhnlich!

Von der ältesten Parfümschule der Welt bis zur Butler Academy

Parfümeur an der Ecole Givaudan in Paris

Du suchst in einer Parfümerie nach einem neuen Duft, nach 5 Minuten Schnüffeln und Wedeln riecht alles gleich – absoluter Informations-Overload! Wenn dir dieses Szenario bekannt vorkommt, dann solltest du besser nicht an der Ecole Givaudan in Paris anheuern. Schließlich ist das wichtigste Werkzeug des Parfümeurs die Nase: Bereits nach dem ersten Jahr müssen die Schüler der ältesten Parfümschule der Welt 600 der insgesamt 1.300 Zutaten allein am Geruch unterscheiden können. Um neben Klassikern wie Vanille auch exotischere Düfte wie Myrrhe, Bockshorn oder Karottensamen blind erschnüffeln zu können, ist das tägliche Training des Geruchssinns fester Bestandteil der vierjährigen Ausbildung.

Viele der Azubis kommen im Anschluss an ein Chemie-Studium an die Parfümschule, Voraussetzung ist dies allerdings nicht. Ein guter Parfümeur zeichnet sich in erster Line durch eine Leidenschaft für Düfte, nicht durch einen exzellenten Studienabschluss aus. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – ist die Konkurrenz an der französischen Schule riesig: Pro Jahr werden nur 2-3 von rund 1.000 Bewerbern angenommen. Wer einen dieser begehrten Plätze ergattern kann, spielt in der obersten Liga mit. Etwa ein Drittel aller auf dem Markt erhältlichen Parfüms stammt von ehemaligen Schülern der Ecole Givaudan.

Hard Facts:

  • Ort: Ecole de parfumerie Givaudan, Argenteuil (nahe Paris)
  • Dauer: 4 Jahre
  • Anzahl Azubis: 2-3 pro Jahr
  • Kosten: Keine, allerdings verpflichten die Schüler sich, nach der Ausbildung mindestens fünf Jahre bei Givaudan zu arbeiten.
  • Voraussetzungen: Leidenschaft für Düfte, Kreativität, Belastbarkeit, gute Französischkenntnisse, Studium von Vorteil.
  • Besonderheit: Givaudan steht für die bekanntesten Parfümmarken und kann als eine der ältesten Parfümschulen der Welt auf eine lange Tradition zurückblicken.
  • Weitere Infos unter: www.givaudan.com

Geigenbauer an der Civica Scuola di Liuteria in Mailand

Die Stradivarius "Lady Blunt", die wohl teuerste Geige der Welt, hat einen Wert von über 11 Millionen Euro. In der Via Noto, Heimat der Mailänder Geigenbauschule Civica Scuola di Liuteria, sieht es dagegen erstaunlich bodenständig aus. In einem unscheinbaren Gebäude mit bröckeliger Fassade beginnen jedes Jahr rund 15 junge Menschen ihre Ausbildung zum/r Geigenbauer/in, die alle davon träumen, eines Tages ihr ganz eigenes Meisterstück in den Händen halten zu können.

Am Anfang der vierjährigen Ausbildung steht der Umgang mit den verschiedensten Werkzeugen im Fokus. Diese technischen Grundlagen sind unverzichtbar, um den perfekten Klang des Instruments gewährleisten zu können. Im zweiten Schritt können die jungen Geigenbauer dann ihrer Kreativität freien Lauf lassen: Vor allem die Gestaltung der Geigenschnecke, also des geschwungenen Kopfes, gibt dem Geigenbauer die Möglichkeit, dem Instrument eine individuelle Note zu verleihen. 

Genau diese exklusive und mühevolle Handarbeit macht den Wert einer Violine aus, denn Geigenbauer verstehen sich vor allem als Künstler. Da in einer einzigen Violine bis zu 300 Stunden Arbeit stecken, sind hier also neben technischem Know-How ebenfalls Kreativität und Hingabe gefragt. Wer aber ein echter Stradivarius werden möchte, braucht zusätzlich auch eine Portion Glück: Nur die Hälfte der Mailänder Schüler schafft es, nach der Ausbildung tatsächlich als Geigenbauer Fuß zu fassen.

Hard Facts:

  • Ort: Civica Scuola di Liuteria, Mailand
  • Dauer: 4 Jahre
  • Anzahl Azubis: 15 pro Jahr
  • Kosten: Anmeldegebühr, über deren Höhe keine Angabe gemacht wird. Zu weiterführenden Kosten liefert die Schule keine Informationen.
  • Voraussetzungen: Technisches und handwerkliches Geschick, Kreativität, gute Italienischkenntnisse.
  • Besonderheit: Du lernst traditionelles Handwerk in Italien, dem Herzen des Geigenbaus, wo auch schon Legenden wie Stradivarius ihre Anfänge gemacht haben.
  • Weitere Infos unter: civicascuoladiliuteria.it

Sattler an der Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre in Andalusien

Bei dem Versuch, die edelsten Pferde Spaniens zu beschreiben, kommt man an Begriffen wie Anmut und Grazie nicht vorbei. Genau diese Eigenschaften sind es, die jährlich tausende Besucher zu den Dressurschauen an der Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre ins andalusische Jerez locken. Bei den Auftritten an der Königlich-Spanischen Reitschule ist Perfektion gefragt – und dazu gehört nicht zuletzt das "Outfit" der Pferde. Daher werden hier jedes Jahr Sattler/innen ausgebildet, die nicht nur dafür sorgen, dass Pferd und Reiter eine perfekte Einheit bilden, sondern den edlen Tieren auch optisch den letzten Feinschliff verpassen.

Diese Mischung aus künstlerischem Können und handwerklichem Verständnis wird in der dreijährigen Ausbildung an der Spanischen Hofreitschule vermittelt. Dabei ist es jedes Jahr nur zwei Bewerbern vorbehalten, den spanischen Nobelpferden Sättel, Trensen und Geschirre auf den Leib zu schneidern. Für den Sattler ist die königliche Reitschule also in etwa das, was die Pariser Fashion-Week für den Modedesigner: Wer hier lernt, kleidet die Crème de la Crème der Pferde ein. In der hofeigenen Sattlerei haben die Auszubildenden es dabei mit echten Profis zu tun – tierisch wie menschlich. Auch die Pferde müssen eine dreijährige Ausbildung absolvieren, bevor sie zum ersten Mal in der Arena tanzen dürfen.

Hard Facts:

  • Ort: Real Escuele Andaluza del Arte Ecuestre, Jerez
  • Dauer: 3 Jahre
  • Anzahl Azubis: 2  pro Jahr
  • Kosten: 60 Euro Anmeldegebühr für den Aufnahmetest,  500 Euro Gebühr pro Ausbildungsjahr.
  • Voraussetzungen: Erfahrung mit Pferden, Leidenschaft für den Reitsport, Kreativität, handwerkliches Geschick.
  • Besonderheit: Zusammenarbeit mit professionellen Reitern (u.a. Olympia-Teilnehmer im Dressurreiten) und den edelsten Pferden, die Spanien zu bieten hat.
  • Weitere Infos unter: www.realescuela.org

Butler an der an der International Butler Academy in den Niederlanden

 "Same procedure as every year, James":  Vom Beruf des Butlers haben viele nicht mehr als das verschwommene Schwarz-Weiß-Bild aus dem Silvester-Klassiker "Dinner for One" im Kopf. Zwar erscheint der Job dadurch wie aus einer längst vergangenen Zeit, dennoch kommen dreimal pro Jahr 16 Anwärter an der International Butler Academy im niederländischen Simpelveld zusammen, um sich zum Butler ausbilden zu lassen – ganz klassisch in Hemd, Krawatte und Frack. Die Kosten für die Ausbildung sind dabei ebenso horrend wie die Ansprüche an die Neulinge: Rund 14.000 Euro werden für das achtwöchige Training fällig.

Wer als Butler arbeiten will, muss ein echter Allrounder sein, denn neben den "klassischen" Aufgaben wie dem Servieren des Abendessens, stehen auch Tätigkeiten wie das Delegieren des übrigen Hauspersonals, die Versorgung der Haustiere, Buchhaltung oder Gartenarbeit auf dem Programm. Die wichtigste Eigenschaft eines Butlers ist dabei, die eigenen Bedürfnisse unter die der Hausherren zu stellen.

Die hohen Kosten und die Strapazen während der Ausbildung können sich durchaus lohnen: Über 80 Prozent der Absolventen der renommiertesten Butler-Schule der Welt kommen in Königsfamilien, Luxushotels, Botschaften oder auf Kreuzfahrtschiffen unter. Wer es bis an die Spitze schafft, kann mit einem Jahresgehalt von über 100.000 Euro rechnen.

Hard facts:

  • Wo: International Butler School, Simpelveld (nahe Aachen)
  • Dauer: 8 Wochen
  • Anzahl Azubis: 16,  Ausbildungsbeginn: dreimal pro Jahr
  • Kosten: Knapp 14.000 Euro (inkl. Kleidung, Kost und Logis, öffentliche Verkehrsmittel etc. enthalten)
  • Voraussetzungen: Belastbarkeit, gute Englischkenntnisse, Loyalität, Spaß am Service.
  • Besonderheit: Ausbildung an einer der weltweit renommiertesten Butler-Schulen, die als Eintrittskarte in die High-Society dienen kann.
  • Weitere Infos unter: www.butlerschool.com

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 17. Okt 2016 um 21:33 Uhr von Jörg Schmidt
Hallo, seit 2016 gibt es auch in Deutschland eine Butlerschule - Edumondi. Hier werden verschiedene Module - Vollzeit aber auch berufsbegleitend angeboten, die Ausbildung ist vielseitiger, da sie an verschiedenen Standorten stattfindet, an denen Butler zum Einsatz kommen und für die bis zu 10 Wochen Ausbildungsdauer deutlich günstiger ist. Aufgrund der überschaubaren Teilnehmerzahl sind außerdem die Vermittlungschancen deutlich besser als bei anderen Butlerschulen. Kurstermine im Internet unter edumondi.de für 2017 zu finden