Rechte Ausbildung
In jeder Ausbildung hast du Rechte, aber auch Pflichten | Foto: Thinkstock/monkeybusinessimages
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12. Jun 2015

Janina Finkemeyer

Ausbildung

Rechte und Pflichten von Azubis

Wichtige Fakten rund um den Start in die Ausbildung

Gesetzliche Regelungen und betriebliche Ordnung

Ausbilder sind genauso wie Auszubildende an das Bundesbildungsgesetz (BBiG) gebunden.

Im BBiG werden die gesetztlichen Rahmenbedingungen für den Ablauf und die Organisation der Ausbildung festgelegt.

Es gibt Regelungen zu:

  • Probezeit: Ein Ausbildungsplatz ist in den meisten Fällen mit einer Probezeit verbunden. Die Dauer der Probezeit muss im Arbeitsvertrag schriftlich festgelegt sein (in der Regel ein bis vier Monate). In dieser Zeit habt ihr und auch der Arbeitgeber das Recht, ohne Angabe von Gründen und mit sofortiger Wirkung, schriftlich zu kündigen.
  • Arbeitspause: Ab einer Arbeitszeit von mindestens sechs Stunden, steht euch eine Pause von 30 Minuten zu. Seid ihr noch nicht volljährig, müsst ihr sogar eine Pause von 60 Minuten machen.
  • Urlaub: Der gesetzlich festgelegte Urlaub richtet sich nach eurem Alter, beträgt aber mindestens 24 Tage. Mit 15 Jahren stehen euch sogar 30 Urlaubstage zu, mit 16 immerhin 27 und mit 17 noch 25 Urlaubstage. Die genaue Anzahl muss in jedem Fall in eurem Arbeitsvertrag festgelegt sein und darf nicht unter der gesetzlichen Mindestanzahl liegen.
  • Überstunden: Während der Ausbildung seid ihr nicht verpflichtet Überstunden zu leisten. Da ihr aber am normalen Betriebsleben teilnehmt, kann es trotzdem vorkommen, dass ihr länger bleiben müsst. Überstunden dürfen aber nicht zur Gewohnheit werden und es muss eine Regelung geben, damit ihr sie wieder abbauen könnt.
  • Betriebsgeheimnis: Ihr seid verpflichtet, über alle betrieblichen Geheimnisse Stillschweigen zu bewahren. Neue Geschäftsbeziehungen von Firmen oder Krankheiten von Patienten einer Arztpraxis dürfen zum Beispiel nicht an Freunde und Familie weitergegeben werden.
  • Kleiderordnung: Vor dem ersten Arbeitstag solltet ihr euch über die Kleiderordnung informieren. Jeans, T-Shirt und Turnschuhe sind in einer Bank nicht angemessen, Anzug und Krawatte in vielen Unternehmen aber auch übertrieben.
  • Arbeitsmaterialien: Alle Materialien die ihr zum Arbeiten braucht, muss der Arbeitgeber zur Verfügung stellen. Dazu gehören Blöcke und Stifte sowie in einigen Branchen auch die Berufsbekleidung.

Die Inhalte des Ausbildungsvertrages

Betriebe müssen einen schriftlichen Ausbildungsvertrag schließen, wenn sie Azubis einstellen. Das Ausbildungsverhältnis wird zudem bei der zuständigen Stelle (Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, etc.) eingetragen.

Das muss drinstehen:

  • Ausbildungsinhalte und Tätigkeiten (betrieblicher Ausbildungsplan mit sachlicher und zeitlicher Gliederung)
  • Ausbildungsdauer und -beginn
  • Ausbildungsort und Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte
  • Regelmäßige Arbeitszeitdauer
  • Probezeitdauer
  • Zahlung und Höhe der Ausbildungsvergütung
  • Urlaubsdauer
  • Kündigungsvoraussetzungen (Wann und wie kann der Ausbildungsvertrag gekündigt werden?)
  • Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen

Diese Vereinbarungen sind ungültig:

  • Vereinbarungen, dass der Azubi nach seiner Ausbildung im Betrieb beschäftigt bleibt (Übernahmen müssen während der letzten Monate der Ausbildung ausgehandelt werden)
  • Regelungen, dass der Azubi nach Ausbildungsende seinen Beruf nicht oder nur eingeschränkt ausüben darf
  • Vereinbarungen über Kosten, die der Azubi zu tragen hat (etwa Zusatzkurse, Zertifikate, etc.)
  • Vereinbarungen über Vertragsstrafen und Schadensersatzansprüche, die nicht beschränkt, ausgeschlossen oder pauschal festgelegt sind

Berufsschule und Berichtsheft

Der Besuch einer Berufsschule ist während der Ausbildung Pflicht. Die Zeit des Unterrichts zählt zu deiner Arbeitszeit und muss nicht im Betrieb nachgeholt werden. Der Unterricht kann als Blockunterricht oder auch an jeweils ein oder zwei Tagen pro Woche stattfinden. Dauert ein Berufsschultag fünf Stunden oder länger, musst du nicht mehr zurück in den Betrieb. Diese Regelung gilt allerdings nur für einen Schultag in der Woche.

Um den Verlauf deiner Ausbildung zu dokumentieren, musst du ein Berichtsheft führen. Darin listest du stichpunktartig alle ausgeführten Tätigkeiten auf und lässt sie von deinem Ausbilder unterschreiben. Ohne das Berichtsheft kannst du nicht an der Abschlussprüfung teilnehmen.


Verliere das Ausbildungsziel nicht aus den Augen

Während der Ausbildung musst du dir viel Mühe geben und dein Möglichstes tun, damit du den angestrebten Beruf erreichst. Doch auch der Betrieb muss darauf achten, dass du eine gute Ausbildung bekommst. Üblicherweise steht ein Ausbilder zur Verfügung, der deinen Ausbildungsberuf gelernt hat und dir mit Rat und Tat zur Seite steht.

Musst du dich regelmäßig mit Tätigkeiten auseinandersetzen, die nichts mit deiner eigentlichen Ausbildung zu tun haben, solltest du dies ansprechen und um andere Aufgaben bitten. Zwar ist es deine Pflicht, den Anweisungen der Ausbilder zu folgen, dennoch darf das Ausbildungsziel nie aus den Augen gelassen werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten, wie private Erledigungen für den Chef, sind gesetzlich verboten.

Weitere Informationen findest du unter www.planet-beruf.de und www.dgb-jugend.de

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