Ausbildungsvertrag
Frag' in Sachen Ausbildungsvertrag ruhig nach Einzelheiten | Foto: Thinkstock/AlexRaths
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12. Jun 2015

Janina Finkemeyer

Ausbildung

Ausbildungsvertrag

Tipps für den ersten Schritt in die berufliche Zukunft

Vertrag beglaubigen lassen

"Das Wichtigste ist, dass der Ausbildungsvertrag in Schriftform vorliegt", weiß Ausbildungsexperte Gregor Berghausen von der IHK Köln. Außerdem muss der Vertrag von der zuständigen IHK oder der Handwerkskammer eingetragen werden. Die Eintragung ist gesetzlich vorgeschrieben, weil Azubi und Unternehmen in einem derart ungleichen Verhältnis stehen, dass eine überwachende Instanz notwendig ist. Für dich als Azubi hat es den Vorteil, dass du im Job besser abgesichert bist und nicht so einfach über den Tisch gezogen werden kannst.


Das gehört in einen Ausbildungsvertrag

  • Angaben zum Ausbildungsbetrieb: Wo hat dein Ausbildungsbetrieb seinen Sitz und wer ist im Betrieb für dich verantwortlich?
  • Ausbildungsdauer: Angaben zum genauen Ausbildungsbeginn und zum geplanten Ende der Ausbildung.
  • Probezeit: Die Probezeit ist fester Bestandteil des Vertrages. In der Ausbildung ist eine Probezeit von mindestens einem und höchstens vier Monaten gesetzlich vorgeschrieben.
  • Berufsschule: Wenn du bei Beginn der Ausbildung jünger als 21 Jahre bist, bist du verpflichtet eine Berufsschule zu besuchen. Aber auch die meisten Azubis, die mit 21 oder später die Ausbildung beginnen, besuchen eine Berufsschule. Die Anmeldung in der Schule ist Sache des Ausbildungsbetriebes. Ob der Unterricht im Block oder jeweils an mehreren Tagen pro Woche stattfindet, hängt ganz vom Beruf und der Schule ab.
  • Vergütung: Die Ausbildungsvergütung ist in der Regel tariflich festgelegt. Sie muss für deine geleistete Arbeit angemessen sein, "wobei angemessen natürlich immer relativ ist", erklärt Gregor Berghausen. Von Beruf zu Beruf gibt es da große Unterschiede. "Die Spanne reicht von ungefähr 300 bis 1.300 Euro im ersten Lehrjahr. Auch wenn dein Unternehmen nicht tariflich gebunden ist, darf dein Gehalt nur maximal 20 Prozent unter der vorgegebenen Ausbildungsvergütung liegen."
  • Arbeitszeit: Gesetzlich ist eine wöchentliche Arbeitszeit von maximal 48 Stunden möglich, meistens ist jedoch tariflich oder betrieblich etwas anderes vorgegeben. Deswegen sollte die tägliche bzw. wöchentliche Arbeitszeit in deinem Vertrag angegeben sein. Die Anwesenheitszeit in der Schule darf nicht nachgearbeitet werden. Auch die Wegzeiten, vom Betrieb in die Schule und zurück, zählen dazu. Ob ihr nach der Schule noch zurück in das Unternehmen müsst, ist immer eine Frage der Zumutbarkeit und muss, laut Experte, nicht extra im Vertrag festgehalten werden. Generell gilt, wenn noch eine angemessene Zeit im Unternehmen zur Verfügung steht, du deine täglich vorgeschriebene Schul-/Arbeitszeit noch nicht erreicht hast und bei deiner Rückkehr noch betrieblich gearbeitet wird, musst du zurück ins Unternehmen.
  • Urlaub: Natürlich hast du auch Anspruch auf Urlaub. 24 Tage pro Jahr stehen dir mindestens zu. Die genauen Vereinbarungen müssen im Vertrag geregelt sein. 
  • Kündigung: In der Probezeit kann der Vertrag von beiden Seiten mit sofortiger Wirkung gekündigt werden. Nach der Probezeit wird es vor allem für Unternehmen fast unmöglich.
  • Sachliche und zeitliche Gliederung: Zu jedem Vertrag gehört ein Ausbildungsplan. Darin wird festgelegt, wie sich die Ausbildung aufbaut, welche Inhalte du wann und von wem vermittelt bekommst und welche Abteilungen du durchläufst.

Download: Spickzettel für den Ausbildungsvertrag - Das muss drin stehen
(Auf Link klicken, dann rechte Maustase und "Speichern unter")


Sonderfälle und andere Regelungen

Natürlich gibt es auch noch einige Sonderregelungen zu beachten:

  • Wenn du bei der Unterzeichnung des Ausbildungsvertrages noch nicht 18 bist, müssen deine Eltern den Vertrag für dich unterschreiben. Leben deine Eltern getrennt und haben das geteilte Sorgerecht, benötigst du unter Umständen die Unterschriften beider Erziehungsberechtigten. Wenn du auch bei Ausbildungsbeginn noch minderjährig bist, gelten für dich zusätzlich besondere Vorschiften des Jugendarbeitsschutzgesetzes.
  • Benötigst du besondere Ausbildungsmittel, ist dein Arbeitgeber verpflichtet diese zur kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören Arbeitskleidung, Büromaterialien oder zum Beispiel auch Unterlagen für die Prüfungsvorbereitung.

Noch unsicher?

Wenn du vor der Unterzeichnung eines Ausbildungsvertrages stehst, dir aber bei einigen Punkten nicht sicher bist, kannst du deinen Vertrag mit einem Normvertrag vergleichen. Diese Normverträge sind auf den Internetseiten der IHK oder der Handwerkskammern kostenlos abrufbar. Auch wenn die Verträge vor Eintragung durch die zuständige Kammer nochmals überprüft werden, rät Experte Gregor Berghausen angehenden Azubis schon vorher zu einem Abgleich. Dann können Unstimmigkeiten direkt ausgeräumt werden. Einen Berufsausbildungsvertrag der IHK findest du unter: www.ihk-koeln.de/Ausbildungsvertrag

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 07. Jun 2017 um 14:57 Uhr von Jens G.
Hallo Unicum Team, beim Thema Ausbildungsvertrag / Sonderfälle ein Hinweis. Bei Azubis unter 18 Jahren schreibt ihr, dass die Elter für den Jugendlichen den Ausbildungsvertrag unterschreiben. Das ist so nicht korrekt, da die Formulierung suggeriert, dass der Jugendliche nicht unterschreibt. Da der Jugendliche beschränkt geschäftsfähig ist, stimmen die gesetzlichen Vertreter der Erklärung des Jugendlichen zu. D.h. beide - Azubi und Eltern - unterschreiben den Ausbildungsvertrag. Viele Grüße Jens