Ausbildung Studie
Weiterhin besonders beliebt: Eine Ausbildung in kaufmännischen Berufen | Foto: Thinkstock/shironosov
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08. Sep 2016

Nina Weidlich

Ausbildung

Ausbildungscheck 2016

Die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten im Überblick

Der Ausbildungsmarkt: Da geht noch was!

Angaben des Deutschen Industrie- und Handwerkskammertags zeigen: Ende Juli 2016 waren noch über 170.000 Ausbildungsstellen unbesetzt – damit gab es 24.000 mehr offene Lehrstellen als Jugendliche, die nach einer Ausbildung gesucht haben. Gerade als Abiturient stehen deine Chancen auf einen geeigneten Ausbildungsplatz gut, denn trotz sinkender Bewerberzahlen setzen immer mehr Betriebe die allgemeine Hochschulreife voraus.

Deutlich schlechter ist es dabei um die Hauptschüler bestellt: Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) dürfen sich rund 60 Prozent von ihnen gar nicht erst auf eine Ausbildungsstelle bewerben – und das, obwohl der Schulabschluss gemäß Berufsbildungsgesetz bei der Anstellung von Azubis eigentlich gar keine Rolle spielen dürfte.

Dennoch gilt für alle, die bisher weder Studien- noch Ausbildungsplatz in der Tasche haben: Bewerben, bewerben, bewerben! Denn auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart am 1. September hast du aufgrund der vielen offenen Lehrstellen noch gute Chancen, einen Platz zu ergattern – auch als Nachrücker für Abiturienten, die bereits einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, dann aber doch noch einen Studienplatz bekommen haben.

Top oder Flop? - Ausbildungsberufe im Ranking

Obwohl es über 300 verschiedene Ausbildungsberufe gibt, finden sich unter den Top 5 jedes Jahr die "üblichen Verdächtigen". Gemäß den Zahlen des statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2015 diese Berufe bei den angehenden Azubis besonders beliebt:

  1. Einzelhandelskaufmann (+ 30.474 Auszubildende)
  2. Bürokaufmann (+ 28.449)
  3. Verkäufer (+ 24.027)
  4. Kfz-Mechatroniker (+ 20.259)
  5. Industriekaufmann (+ 17.922)

Vergleicht man dieses Ranking mit der aktuellen DGB-Studie zur Zufriedenheit von Azubis in Deutschland, stellt man allerdings nur wenige Übereinstimmungen fest. Denn von den 71,7 Prozent der Azubis, die mit ihrer Stelle "zufrieden" oder "sehr zufrieden" sind, arbeiten die meisten in den folgenden Branchen:

  1. Mechatroniker
  2. Industriemechaniker
  3. Zerspanungsmechaniker
  4. Bankkaufmann
  5. Elektroniker für Betriebstechnik

Der gefragte Ausbildungsberuf des Einzelhandelskaufmanns landet bei den befragten Azubis in punkto Zufriedenheit nur im Mittelfeld, genauso wie der Bürokaufmann, der Verkäufer und der Kfz-Mechatroniker. Am unzufriedensten sind im Übrigen die folgenden Azubis:

  1. Zahnmedizinische Fachangestellte
  2. Köche
  3. Maler und Lackierer
  4. Hotelfachangestellte
  5. Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk

Ausbildung Mechatroniker


Money, money, money!

Geld allein macht nicht glücklich, aber trotzdem hat die Bezahlung auf die Zufriedenheit der Auszubildenden einen entscheidenden Einfluss. Wie viel Geld du als Azubi bekommst, hängt vor allem von der Branche, zum großen Teil aber auch von der Region ab, in der du eine Ausbildung machst. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) veröffentlicht jedes Jahr eine Tabelle mit den durchschnittlichen monatlichen Ausbildungsvergütungen in Deutschland. Unsere Übersicht zeigt dir, wer unter den beliebtesten Ausbildungsberufen zu den Spitzenverdienern gehört (jeweils in Euro in West und Ost):

  1. Industriekaufmann (960/894)
  2. Einzelhandelskaufmann (827/740)
  3. Verkäufer (773/691)
  4. Kfz-Mechatroniker (733/614)
  5. Bürokaufmann (721/667)

Zum Vergleich: Die bestbezahlten Azubis sind die Binnenschiffer mit durchschnittlich 1.072 Euro Verdienst in West und Ost. Die Schlusslichter in Sachen Bezahlung sind Friseure, die im Westen 494 Euro, im Osten nur schlappe 269 Euro pro Monat verdienen.

Großkonzern vs. Familienbetrieb

Es kann einen großen Unterschied machen, ob du deine Ausbildung in einem großen Unternehmen (mehr als 500 Mitarbeiter) oder einem Kleinbetrieb (bis zu 20 Mitarbeitern) machst, denn laut DGB-Ausbildungsreport lässt sich generell sagen: Je größer der Betrieb, desto glücklicher die Azubis. Dafür sprechen vor allem die folgenden Argumente:

  • In kleineren Betrieben musst du häufiger Aufgaben erledigen, die nicht zu deiner Ausbildung gehören. Konkret bedeutet das: 14,9 Prozent der Azubis in kleinen Betrieben müssen ausbildungsfremden Tätigkeiten nachgehen, in großen Unternehmen sind es nur 4,9 Prozent.
  • Die Qualität der Ausbildung wird von 25,4 Prozent der Azubis in Kleinbetrieben als "sehr gut" bewertet, in Großbetrieben sind es sogar 43,5 Prozent.
  • Auch in Sachen Überstunden sieht es in großen Betrieben etwas rosiger aus: 93,4 Prozent der Azubis geben an, maximal fünf Überstunden pro Woche machen zu müssen, in kleineren Betrieben sind es nur 75,5 Prozent.

Ausbildung: Traumberuf oder "besser als nix"?

Gute Bezahlung, hohes Ansehen und wenig Überstunden: All das nützt nichts, wenn der Auszubildende keinen Spaß an seinem Beruf hat. Von den über 13.500 Azubis, die der DGB befragt hat, geben immerhin 31,5 Prozent an, in ihrem Wunschberuf zu arbeiten; knapp 41 Prozent finden ihren Beruf zumindest interessant. Auf der anderen Seite hat gut ein Fünftel gar nicht geplant, in dem von ihm gewählten Beruf zu arbeiten, 6,4 Prozent sehen ihre Ausbildung sogar nur als Notlösung an.

Das erklärt wohl auch die hohen Abbrecherzahlen: Eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) hat ergeben, dass in Bayern etwa jeder 5. Azubi hinschmeißt. Viele Abbrecher gibt es vor allem unter den Koch-Azubis, die durch TV-Shows falsche Vorstellungen vom dem Berufsbild des Kochs haben und von der Härte der Ausbildung überrascht werden. Aber auch Fachverkäufer und Friseure ziehen die Ausbildung oft nicht bis zum Ende durch. Seltener kommt es hingegen bei Bank- und Industriekaufleuten sowie Mechatronikern zum Ausbildungsabbruch.

Die Gründe sind dabei vielseitig: Während Ausbildungsleiter fehlende Grundfertigkeiten und Sozialkompetenz der Azubis als Ursache für die vorzeitige Beendigung der Ausbildung nennen, führen die Auszubildenden selbst häufig ein schlechtes Betriebsklima an. Einige Jugendliche haben aber auch schlichtweg ein Problem damit, jeden Morgen pünktlich aus dem Bett zu kommen.


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