Ausbildung nach dem Abitur
Eine Ausbildung nach dem Abitur ist eine sichere Basis. | Foto: Sebastian Herrmann / Unsplash
Autor

11. Jan 2022

Lina Krauß

Ausbildung

Ausbildung nach dem Abitur: die wichtigsten Infos

Ausbildung nach dem Abitur statt Studium

Nach dem Abi ein Jahr Pause, voller Tatendrang ab ins Ausland oder ein Praktikum machen die Möglichkeiten, die sich dir nach dem Abi bieten, sind vielfältig. Es muss ja auch kein Gap Year nach dem Abi sein. Vielleicht denkst du auch: "Ich hab studiert, also mus sich studieren." Doch nur weil du Abitur gemacht hast, ist ein Studium nicht automatisch der richtige Weg. Es gibt gute Gründe, sich für eine Ausbildung nach dem Abitur zu entscheiden. Jede /-r muss genau überlegen, was zu ihm oder ihr passt. Wir haben ein paar Informationen zusammengestellt, die dir bei der Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung helfen können.


Inhaltsverzeichnis:

  1. Definition
  2. Formen der Ausbildung
  3. Voraussetzungen
  4. Ausbildungsberufe
  5. Vorteile
  6. Nachteile
  7. Bewerbung
  8. Weitere Fragen
  9. Überblick

Definition: Was ist eigentlich eine Ausbildung?

Eine Berufsausbildung ist neben einem Studium eine Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen. Dazu werden genau die Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt, die für die Aufnahme und Ausübung eines Berufes notwendig sind. Zu den meisten Ausbildungen gehört deshalb nicht nur Theorie, sondern auch viel Praxis.

Formen der Ausbildung: Diese Möglichkeiten gibt es!

Eine Ausbildung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie besonders praxisorientiert ist. Doch es gibt unterschiedliche Formen, wie eine Ausbildung aussehen kann. Grundsätzlich kannst du in

  • betriebliche Ausbildung,
  • schulische Ausbildung,
  • ein duales Studium und
  • eine Abiturientenausbildung

unterscheiden. Die Ausbildungsform hängt sowohl von dem jeweiligen Ausbildungsberuf als auch den Unternehmen ab, die diese Ausbildung anbieten.

Betriebliche Ausbildung

Die betriebliche Ausbildung ist wahrscheinlich die bekannteste Form der Ausbildung. Sie heißt auch duale Berufsausbildung, weil die Auszubildenden im Betrieb und in der Berufsschule lernen. Das dauert zwei bis drei Jahre. Wer eine betriebliche Ausbildung macht, schließt einen Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen. Als Angestellte /-r bekommen Auszubildende ein Gehalt. Die Höhe ist sehr unterschiedlich und abhängig vom Beruf und vom Betrieb. Meistens steigt das Gehalt von Ausbildungsjahr zu Ausbildungsjahr. Ein /-e Auszubildende /-r zum/zur Fluglotsen /-in verdient zum Beispiel im ersten Ausbildungsjahr 900 Euro brutto. Ein /-e Auszubildende /-r zum/zur Friseur /-in verdient hingegen nur 480 Euro brutto. Neben dem Arbeiten gehen Auszubildende auch zur Berufsschule, entweder an bestimmten Tagen in der Woche oder in einzelnen Blöcken über das Jahr verteilt. In der Berufsschule gibt es auch mündliche und schriftliche Prüfungen.

Schulische Ausbildung

Ausbildungen im sozialen oder gesundheitlichen Sektor werden häufig an sogenannten Berufsfachschulen angeboten. Dazu gehört zum Beispiel die Ausbildung zum/ -r Erzieher /-in. Die Auszubildenden gehen hauptsächlich zur Schule und haben immer wieder Praxisphasen. Die Ausbildungen sind oft nicht vergütet. Es kann sogar sein, dass man für die Ausbildung an einer Berufsfachschule etwas zahlen muss. Finanzielle Unterstützung kann man aber zum Beispiel über ein Stipendium bekommen.

Duales Studium

Diese Form der Ausbildung ist vor allem für Abiturienten /-innen interessant, da ein duales Studium eine Ausbildung und ein Studium verbindet. Wem ein reines Studium also zu trocken und zu theorielastig ist, kann zusätzlich noch eine Ausbildung machen. Betrieb und Studierende schließen einen Bildungsvertrag. Damit verpflichten sich die Studierenden, in ihrer freien Zeit in dem Betrieb zu arbeiten. Dafür bekommen die Studierenden auch ein Gehalt.

Abiturientenausbildung

Bei dieser Sonderausbildung für Abiturienten /-innen machen die Auszubildenden neben der normalen Berufsausbildung eine Zusatzqualifikation. Teilweise ist der Abschluss vergleichbar mit einem abgeschlossenen Bachelorstudium. Der Deutsche Qualifikationsrahmen ordnet die unterschiedlichen Abschlüsse ein. Dort kannst du schauen, welche Abschlüsse womit zu vergleichen sind.

Voraussetzungen für eine Ausbildung

Rechtlich ist nicht festgelegt, welchen Schulabschluss man für eine Ausbildung haben muss. Das können die Betriebe selbst entscheiden. Mittlerweile fordern aber einige Betriebe in bestimmten Berufszweigen ein Abitur, zum Beispiel bei kaufmännischen Berufen. Am besten informierst du dich im Voraus, welche Voraussetzungen es bei welchem Beruf und in den Betrieben gibt, bei denen du dich bewerben möchtest. Dann erfährst du auch, welche Soft Skills du für den Beruf mitbringen soltest. Das sind Schlüsselqualifikationen, die deinen Charakter betreffen und zu denen beispielsweise Teamfähigkeit, Organisationstalent oder Empathie gehören. Auch sie unterschieden sich von Beruf zu Beruf.

Ausbildungsberufe

In Deutschland gibt es 324 anerkannte Ausbildungsberufe. Für einige davon ist das Abitur sogar Voraussetzung. Wir haben dir hier ein paar Ausbildungsberufe herausgesucht, für die häufig ein Abitur gefordert wird:

  • Handelsfachwirt /-in
  • Industriekaufmann /-frau
  • Polizei
  • Bankkaufmann /-frau
  • Chemielaborant /-in
  • Fluglotse /-in

Ausbildung nach dem Abitur Chemielaborant /-in


Vorteile einer Ausbildung nach dem Abitur

Ein Studium kann dir viele Möglichkeiten eröffnen. Doch auch für eine Ausbildung nach dem Abitur gibt es einige gute Argumente.

Learning by doing

Eine Ausbildung ist sehr praxisorientiert. Im Betrieb kannst du direkt mit anpacken und die Arbeitswelt kennenlernen. Du lernst, mit Kollegen /-innen und Kunden /-innen umzugehen. Zwar musst du die Berufsschule besuchen, aber du kannst Gelerntes direkt bei der Arbeit umsetzen.

Struktur

Eine Ausbildung hat strukturelle Vorgaben. Sie orientiert sich an einem Ausbildungsrahmenplan. Dieser legt fest, was du in der Ausbildung lernen sollst. Von deinem /-r Vorgesetzten bekommst du klare Anweisungen und Aufgaben, die du ausführen sollst. Und trotzdem darfst du häufig auch eigene Ideen und Wünsche einbringen. In der Ausbildung hast du meistens feste Arbeitszeiten.

Das erste eigene Geld

In der Ausbildung bekommst du eine Ausbildungsvergütung. Du verdienst also das erste Mal so richtig eigenes Geld und bist finanziell nicht mehr unbedingt auf deine Eltern angewiesen. Die finanzielle Unabhängigkeit gibt dir ein großes Stück Selbstständigkeit.

Verantwortung übernehmen

In der Ausbildung wirst du immer wieder vor Herausforderungen gestellt und musst Dinge tun, die du vielleicht vorher noch nie gemacht hast. Du übernimmst Verantwortung für bestimmte Aufgaben und gewinnst an Selbstständigkeit. Du kannst auch persönlich über dich hinauswachsen: Du lernst mit anderen Menschen umzugehen und wie du bei großem Stress ruhig bleiben kannst.

Eine gute Grundlage

Eine Ausbildung muss nicht das Ende deiner Karriere sein. Du schaffst dir eine sichere Basis und "hast schon mal was in der Tasche". Wenn du das möchtest, kannst du danach immer noch studieren.

Nachteile einer Ausbildung nach dem Abitur

Natürlich ist nicht alles perfekt, wenn du dich für eine Ausbildung entscheidest. Um es dir gut überlegen zu können, ob eine Ausbildung nach dem Abitur das Richtige für dich ist, solltest du auch wissen, welche Argumente gegen eine Ausbildung nach dem Abitur sprechen.

Schule ist Schule

Die Berufsschule ist wirklich wie eine Schule. Du hast eine feste Klasse von ungefähr 20 bis 30 Schülern /-innen und sitzt nicht wie an der Uni in einem riesigen Hörsaal mit über 100 Studierenden. In der Berufsschule hast du einen festen Stundenplan, auf dem neben den berufsbezogenen Inhalten auch Fächer wie Deutsch, Politik oder Sport stehen.

Rechte und Pflichten

Auszubildende haben viele Rechte, zum Beispiel bekommen sie eine Ausbildungsvergütung. Doch wer Rechte hat, hat auch Pflichten. Auszubildende müssen den Anweisungen ihrer Vorgesetzten folgen.

Das Gehalt

Es ist schön, wenn man in der Ausbildung schon Geld verdient. Doch in den meisten Ausbildungsberufen sind die Verdienstmöglichkeiten geringer als in Berufen, für die ein Studium nötig ist. Und auch das Ausbildungsgehalt ist meist nicht so hoch, dass du damit sofort komplett durchstarten und dir dein eigenes Leben aufbauen kannst.

Weniger Möglichkeiten

Eine Ausbildung ist meistens spezialisiert. Es gibt nicht so viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Außerdem kannst du mit einer Ausbildung oft nur bestimmte Positionen in einem Unternehmen erreichen. Die Aufstiegschancen sind also geringer.


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Die Bewerbung für eine Ausbildung

Für eine Ausbildung musst du dich bei einem Unternehmen bewerben. Zunächst reichst du eine schriftliche Bewerbung ein. Dann wirst du gegebenenfalls zu einem Bewerbungsgespräch und/oder zu einem Assessment Center eingeladen. Wenn dann alles gut geht, kannst du den Ausbildungsvertrag unterschreiben.


Literaturverzeichnis Vorlage DownloadWusstest du, dass...

... du dich mindestens ein Jahr vor deinem Abitur mit deinem aktuellen Zeugnis um einen Ausbildungsplatz bewerben solltest? Erkundige dich bei für dich ansprechenden Betrieben und Unternehmen rechtzeitig über die jeweiligen Bewerbungstermine. 


Bewerbungsschreiben

Das Anschreiben einer Bewerbung ist das erste, was dein /-e zukünftige /-r Arbeitgeber /-in von dir sehen wird. Du musst mit ein paar Worten überzeugen! Mache deutlich, warum du genau diese Ausbildung bei diesem Unternehmen machen möchtest. Vielleicht erklärst du auch, warum du dich gegen ein Studium entschieden hast und lieber die Ausbildung machen möchtest. Überzeuge mit deiner Motivation. Zähle auch ein paar Gründe auf, warum du für diese Ausbildung geeignet bist. Vielleicht hast du bestimmte Fähigkeiten oder Interessen, die hier nützlich sein können. Natürlich sollte das Anschreiben angemessen formuliert sein und keine Rechtschreibfehler enthalten. Auch das prägt den ersten Eindruck.

Lebenslauf

Zu jeder Bewerbung gehört ein Lebenslauf. Neben deinen persönlichen Daten wie Name, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse, gehören Informationen zu deiner schulischen Laufbahn, deiner Berufserfahrung, Sprachkenntnissen, persönlichen Interessen und sonstigen Fähigkeiten in den Lebenslauf. Gib Nebenjobs oder Praktika an und zähle zum Beispiel Hobbies auf, die etwas mit der Ausbildung zu tun haben.

Sonstige Anlagen

Neben dem Bewerbungsschreiben und dem Lebenslauf schickst du auch deine Zeugnisse mit. Meistens reicht dein Abiturzeugnis oder das letzte Zeugnis, das du bekommen hast. Du kannst außerdem andere Zertifikate mitschicken, die zeigen, dass du für die Ausbildung qualifiziert bist.

Bewerbungsgespräch

Wenn du mit deinem Bewerbungsschreiben und deinem Lebenslauf überzeugt hast, wirst du hoffentlich zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Bereite dich auf dieses Gespräch gut vor. Informiere dich über das Unternehmen und überlege dir noch einmal genau, warum du für die Ausbildung geeignet bist. Außerdem kannst du dir im Vorfeld auch schon ein paar Fragen überlegen, die du an deinen potenziellen Ausbildungsbetireb hast und die du deinerseits im Vorstellungsgespräch stellen kannst. Damit zeigst du Interesse und das du dir einige Gedanken gemacht hast.

Assessment Center

In manchen Unternehmen werden sogenannte Assessment Center durchgeführt. Das ist ein mehrstufiges Auswahlverfahren für die Besetzung einer Ausbildungsstelle. Meistens findet ein Assessment Center an einem Tag statt und es werden verschiedene Übungen und Tests mit den Bewerber /-innen durchgeführt.

Weitere Fragen

Welche Ausbildung kann man mit Abitur machen?

Im Grunde kann man mit Abitur jede Ausbildung machen. Für einige Berufe wird mittlerweile sogar das Abitur gefordert, zum Beispiel für die Ausbildung zum/zur Bankkaufmann /-frau oder Fluglotse /-in.

Wie lange dauert eine Ausbildung nach dem Abitur?

Meistens dauert eine Ausbildung drei Jahre. Teilweise ist es möglich auf zweieinhalb oder zwei Jahre zu verkürzen. Das klärt man am besten individuell mit dem Ausbildungsbetrieb und der Schule ab.

Warum sollte man sich für eine Ausbildung entscheiden?

Es gibt viele gute Gründe, warum man sich für eine Ausbildung entscheiden sollte. Eine Ausbildung ist sehr praxisorientiert und man kann das Gelernte direkt im Betrieb anwenden. Außerdem verdient man während der Ausbildung schon Geld und übernimmt Verantwortung. Das gibt ein großes Stück Selbstständigkeit.

Ausbildung nach dem Abi im Überblick

  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten für eine Ausbildung nach dem Abi: eine betriebliche Ausbildung, eine schulische Ausbildung, ein duales Studium oder eine Abiturientenausbildung.
  • Die Vorteile einer Ausbildung sind ein hoher Praxisanteil, das erste eigene Gehalt, klare Aufgaben und Strukturen. 
  • Die Nachteile einer Ausbildung sind die geringeren Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen. Außerdem hat man als Azubi auch einige Pflichten und man muss die Berufsschule besuchen, die der normalen Schule sehr ähnelt.
  • Wer sich für eine Ausbildung entscheidet, muss sich mit einer schriftlichen Bewerbung bei einem Unternehmen bewerben. Daraufhin folgen dann ein Bewerbungsgespräch und/oder Assessment Center.

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