Tipps für die Online-Bewerbung
Per Klick zum neuen Job | Foto: Thinkstock/Ibrakovic
Autorenbild

10. Jun 2016

Marc Wiegand

Ausbildung

6 Expertentipps für deine Online-Bewerbung

Mach den Check!

Deine Online-Bewerbung muss in wenigen Sekunden überzeugen

Weniger Kosten, weniger Diskriminierung: Das sind zwei Vorteile, die Dr. Sven Laumer, Wirtschaftsinformatiker und Recruiting-Experte der Universität Bamberg, dem gegenwärtigen Bewerbungstrend zuspricht. "Die Kosten für Porto und Kopien fallen weg. Außerdem werden Bewerber seltener aufgrund ihres Passbildes oder Namens diskriminiert – gerade wenn im ersten Schritt die elektronischen Unterlagen von Algorithmen gescannt werden. Sie filtern in der Regel ausschließlich nach Sachkriterien."

Mehrere Studien hätten zudem ergeben, dass sich Personalverantwortliche für eine Bewerbung im Schnitt nur wenige Sekunden Zeit nehmen und diese lediglich im Hinblick auf zwei oder drei Kriterien bewerten, bevor sie sie einem Stapel zuordnen. "Insofern kann man davon ausgehen, dass Bewerbungsprozesse mit IT-Unterstützung ein gutes Stück gründlicher und objektiver sind", formuliert Laumer einen weiteren Vorzug. Wie man mit einer Online-Bewerbung konkret die größten Erfolgschancen hat, beschreibt der Experte anhand einer kleinen Checkliste.

Keywords

"Man muss die Sprache derjenigen sprechen, die einen suchen", empfiehlt Laumer. Analog zur Suchmaschinenoptimierung sollte sich der Bewerber daher Gedanken machen, auf welche zentralen Keywords das Stellen-Profil eingegrenzt werden könne. Die identifizierten Schlagwörter sollten dann den Kern des Anschreibens und idealerweise auch des Lebenslaufs bilden. "Mit dieser Herangehensweise kann man die erste Hürde im Bewerbungsprozess in der Regel sicher überspringen – egal, ob ein Mensch oder eine Maschine die Begutachtung vornimmt", so der Informatiker und fügt an: "Natürlich ist die richtige Rechtschreibung dabei das A und O."


Datenvolumen

Eine E-Mail mit mehreren hundert Megabyte Anhang könne schon einmal auf dem Weg in das Postfach des Empfängers steckenbleiben. Anhänge im zweistelligen MB-Bereich sollten aber mittlerweile überall hineinpassen, ist sich Laumer sicher. "Wenn es also nicht um riesige Datenmengen geht, muss man sich um diesen Punkt keine größeren Gedanken machen. Beim Hochladen von Dateien in Portale gibt es zudem meist eine konkrete Angabe, wie groß diese sein dürfen."


Dateiformat

Falls vom Unternehmen keine Wunschformate angegeben werden, ist die PDF-Datei das übliche Standard-Format für alle Dateien und Anhänge. "Damit weiß man auch genau, wie eine Datei auf dem Rechner des Empfängers dargestellt wird, und ist nicht abhängig von irgendwelchen Verarbeitungsprogrammen auf der anderen Seite", so Laumer. Idealerweise fasst man alle Zeugnisse und alle Arbeitsproben jeweils in einer PDF-Datei zusammen. "Grundsätzlich empfehle ich PDF-Programme, bei denen nicht ein Slogan oder Logo des betreffenden Anbieters auf jeder Seite der konvertierten Datei zu sehen ist."


E-Mail-Adresse

Wenn die Bewerbungsmail von der "sueßenMaus91" oder dem "Schluckspecht89" kommt, wird so mancher Empfänger auf Unternehmensseite skeptisch die Augenbraue hochziehen. Laumer dazu: "Das ist ein Punkt, den viele nicht auf der Rechnung haben. Aber der E-Mail-Name des Absenders ist natürlich mitentscheidend für den ersten Eindruck – und für diesen gibt es in der Regel keine zweite Chance." Heißt also: Im Zweifel für den Bewerbungsversand einen neuen E-Mail-Account mit seinem Klarnamen einrichten. "Das sind ein paar Minuten Zeitaufwand, die sich aber wirklich lohnen."


Anrede

"Hi", "Hey" und "Hallo" sind in einer Bewerbungsmail oder in einem hochzuladenden Text absolut tabu. "Es geht um Kommunikation mit dem potenziellen Arbeitgeber und diese findet auf einer professionellen Ebene statt. Allgemeine Form und Stilregeln sind unbedingt einzuhalten", betont Laumer und spricht sich klar für die klassische Anrede à la "Sehr geehrte/r Frau/Herr + Name" aus.


Kreativität

Online-Bewerbungsverfahren schränken die Möglichkeiten, bei der Gestaltung der Bewerbungsunterlagen besonders kreativ zu sein, deutlich ein. "Das ist aber häufig auch gar nicht gewollt. Und wenn man sieht, wie wenig Bewertungszeit für eine Papier-Bewerbung durchschnittlich zur Verfügung stand, dann dürfte eine ausgefallene Gestaltung auch in der Vergangenheit selten eine größere Rolle gespielt haben", meint Laumer. Ausnahmen seien natürlich Branchen, in denen gestalterisch-künstlerische Fertigkeiten gefragt sind. "Dort werden mitunter nach wie vor Papier-Bewerbungen akzeptiert. Alternativ gilt es, seine Kunstfertigkeit und Kreativität mit Hilfe der Arbeitsproben darzustellen."


Und sonst?

Nicht selten sind bei Online-Bewerbungsverfahren im zweiten Schritt so genannte Online-Tests geschaltet. Dabei muss man sich in ein Portal einloggen und hat dann ein festes Zeitbudget zur Verfügung, um bestimmte Aufgaben zu lösen. "Das sollte man im Hinterkopf haben und nicht aus allen Wolken fallen, wenn man dazu eingeladen wird", so Laumer und schränkt zugleich ein: "Mit Hilfe des Internets kann man sich auf die meisten dieser Test gut vorbereiten und damit ist meist auch nicht das letzte Wort gesprochen. Der Test ist lediglich ein weiterer Mosaikstein im gesamten Bewerbungsprozess."

Artikel-Bewertung:

3.02 von 5 Sternen bei 176 Bewertungen.

Deine Meinung: