Cybermobbing
Was tun als Opfer von Cybermobbing? | Foto: Thinkstock/monkeybusinessimages
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17. Jul 2015

Barbara Kotzulla

Mobbing

Cybermobbing: Erste Hilfe

Mobbing im Internet: Was tun?

Immer mehr Cybermobbing-Opfer

16,6 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler einer Studie vom Bündnis gegen Cybermobbing e.V. waren bisher Opfer von Cybermobbing-Attacken. Die Tendenz ist steigend, weiß Uwe Leest. Insbesondere die Internetnutzung bei den 14- bis 29-Jährigen ist 2013 gestiegen: von 168 Minuten 2012 auf 237 Minuten 2013 (ARD/ZDF-Onlinestudie 2013). "Diese Ausweitung der Nutzung ist auf die gestiegene Nutzung des Internets mit mobilen Endgeräten, wie Smartphones, Tablets usw., zurückzuführen. In diesem Zusammenhang steigen gleichermaßen die Cybermobbing-Übergriffe", erläutert der Experte den Wandel.


Wo und wie findet Cybermobbing statt?


Quelle: Bündnis gegen Cybermobbing e.V.


Formen des Cybermobbings

  • Flaming: Beschimpfungen oder üble Nachrede, gekennzeichnet durch rohe oder vulgäre Sprache.
  • Harassment bzw. Belästigung: Wiederkehrendes Versenden von Beschimpfungen und Beleidigungen an eine Person, oftmals über persönliche (nicht-öffentliche) Kommunikationskanäle.
  • Denigration bzw. Denunziation: Versenden/Posten von oftmals falschen, beleidigenden Aussagen über eine bestimmte Person an andere bzw. innerhalb einer (zumeist begrenzten) Öffentlichkeit mit dem Ziel, diese Person zu verunglimpfen.
  • Impersonation bzw. Identitätsraub: Sich als eine andere Person ausgeben, entweder über ein gefälschtes Profil oder über das Hacken eines Profils. Im Namen der anderen Person können Handlungen durchgeführt werden, die dem Ruf der Zielperson schaden.
  • Outing und Trickery: Outing ist das öffentliche Posten persönlicher Kommentare bzw. Fotos/Videos einer Person, die dieser schaden können. Trickery bezeichnet die Handlung, einer Zielperson Unwahrheiten über den wahren Empfängerkreis einer Nachricht mitzuteilen und sie zu privaten Aussagen zu veranlassen, die nur für eine bestimmte Person gedacht gewesen wären.
  • Exclusion: Ausschluss eines/einer NutzerIn aus den Kommunikationskanälen anderer.
  • Cyberstalking: Wie Harassment, nur extremer und verbunden mit Drohungen.
  • Cyberthreats: Drohungen, sich selbst oder anderen physisch zu schaden.
  • Grooming bzw. sexuelle Belästigung (Sexting): das Anbahnen (meist von älteren an jüngere InternetnutzerInnen) mit dem Ziel, sexuelle Kontakte herzustellen.
  • Happy Slapping: Physische Gewalt gegen andere, die aufgezeichnet (Handyvideos) und anschließend veröffentlicht wird.

Cybermobbing-Täter

"Was wir wissen ist, dass mehr als ein Drittel der Täter, etwa 36,2 Prozent, selbst schon einmal Opfer von Cybermobbing-Attacken war", so Uwe Leest. "Außerdem kann man sagen, dass Cybermobbing-Angriffe oftmals auch ein Zeichen dafür sind, dass den Tätern etwas fehlt: sei es Aufmerksamkeit, Zuwendung oder das Gefühl von Macht." Laut dem Experten gibt es unterschiedliche Gründe dafür, warum jemand zum Cybermobbing-Täter wird:

  • Herrschsucht bzw. Demonstration von Macht
  • Lust auf Mobbing
  • Angst bzw. Suche nach Sündenböcken für eigenes Versagen
  • Definition von Freundschaft in der Ablehnung anderer bzw. Stärkung des Gemeinschaftsgefühls einer bestimmten Gruppe
  • Weitergabe erlittenen Unrechts an Schwächere
  • Fehlende Konfliktlösungsstrukturen
  • Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Neid
  • Entlastung (Ventil für aufgestaute Aggressionen)
  • Anerkennung

Cybermobbing-Opfer

"Negative Interneterfahrungen hängen mit einem sorglosen Umgang mit persönlichen Daten im Netz zusammen", sagt Uwe Leest. Man unterscheidet vier Faktoren, die negative Interneterfahrungen begünstigen:

  • Das Alter, mit dem eine verstärkte Zuwendung zu den sozialen Netzwerken einhergeht
  • Das Geschlecht: Mädchen machen häufiger als Jungen unliebsame Interneterfahrungen
  • Die soziale Herkunft: Jugendliche aus Familien mit sozial schwachem Hintergrund berichten häufiger von negativen Interneterlebnissen als jene aus Familien mit normalem sozialen Hintergrund
  • Die persönlichen Daten: Jugendliche, die überdurchschnittlich viele Daten ins Netz stellen, sind häufiger mit negativen Erfahrungen konfrontiert als jene, die sparsamer mit diesen umgehen.

Das kritischste Alter, in dem die meisten Fälle von Cybermobbing registriert werden, liegt laut dem Experten zwischen 12 und 15 Jahren: "Das ist die Zeit, in der Jugendliche beginnen, sich einerseits intensiver mit dem Internet zu beschäftigen. Andererseits, ist das das Alter, in dem die Pubertät einen wesentlichen Einfluss auf die Persönlichkeit der Jugendlichen nimmt."

Vor allem der Typus des sogenannten "Cyber-Fixierten" ist von Cybermobbing betroffen. Fast 40 Prozent aller jungen Menschen, die sehr häufig im Internet unterwegs sind und verstärkt mobile Kommunikationswege nutzen, werden zu Opfern. "Der Typus der "Cyber-Distanzierten", der nur gelegentlich das Internet und mobile Kommunikation nutzt, ist dagegen 'nur'" zu 14 Prozent betroffen", erklärt Uwe Leest.


Wie kann ich Cybermobbing vermeiden?

Generell schützen kann man sich nicht! Aber man kann im Vorfeld Maßnahmen ergreifen, die das Risiko reduzieren:

  • So wenige Daten wie möglich im Internet preisgeben!
  • So wenig Fotos und Filme wie möglich verbreiten!
  • Sich im Netz mit Bedacht äußern!
  • Überlegt euch sorgfältig, was ihr sagt bzw. schreibt, bevor ihr einen Kommentar oder eine Nachricht veröffentlicht.
  • Beim Anlegen eines Profils (z. B. bei Facebook) die Sicherheits-/Privatsphäre-Einstellungen beachten!
  • Eigen-Recherche betreiben: Googelt euch gelegentlich selbst, um zu prüfen, was im Netz über euch auftaucht.
  • Schreitet ein, wenn ihr seht, dass andere Cybermobbing- oder Mobbing-Opfer werden.
  • Behandelt andere mit Respekt und so, wie ihr selbst auch behandelt werden möchtet.

Tipps zur Vorbeugung in Schulen

Grundsätzlich sollte der Umgang mit neuen Medien gelehrt und gefördert werden. Spezielle Module für Lehrer, Eltern und Schüler gibt es beispielsweise bei klicksafe.de und über das Bündnis gegen Cybermobbing e.V.. Auch viele Polizeibeamte bieten spezielle Vorträge, Workshops usw. an, in denen sie Schüler und Lehrer informieren, welche strafrechtlichen Konsequenzen die Verbreitung von Bildern/Videos/Beleidigungen hat.

  • An jeder Schule sollte ein Verhaltenskodex in die Schulordnung integriert werden. Darin sollten die Nutzung von Handys im Unterricht und das Filmen in der Schule verboten werden. Mobbing über das Internet sollte dabei als Verbot aufgestellt werden.
  • An jeder Schule sollten Zivilcourage und der Einsatz für Mitschüler im Mittelpunkt stehen. So kann einer Mitläufer-Mentalität vorgebeugt werden. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, Fälle von Cybermobbing frühzeitig aufzudecken.
  • Ein anonymer Briefkasten dient dazu, Verstöße gegen Schüler frühzeitig bekannt zu machen, ohne dass jemand befürchten muss, dass er diffamiert wird, weil er andere "anschwärzt".

Wie kann ich mich gegen Cybermobbing wehren?

Betroffene von Cybermobbing haben mehrere Möglichkeiten, dagegen vorzugehen: Wenn ihr beleidigende oder bedrohende E-Mails oder Facebook-Kommentare erhaltet, solltet ihr zunächst die Familie bzw. Freunde und ggf. die Schule informieren.

  • In keinem Fall direkt auf E-Mails, SMS etc. antworten, sondern Vertrauenspersonen einbeziehen
  • Beweismaterial sichern: Speichert im optimalen Fall die Daten im Beisein eines weiteren Zeugen, um dem Vorwurf der Manipulation zu entgehen (z.B. Screenshots)
  • Wende dich in schwerwiegenden Fällen an die Polizei und erstattet ggf. Anzeige
  • Veranlasse die Löschung von diffamierenden Bildern, Videos oder Kommentaren beim Netzwerk-Betreiber bzw. meldet den Vorfall dem Betreiber der Seite
  • Wenn der Mobber bekannt ist, löscht den Namen aus der eigenen Kontaktliste bzw. ignoriert ihn

Kann ich die Täter rechtlich belangen?

"Auch wenn Cybermobbing für sich gesehen kein Straftatbestand ist, können sich einzelne Straftaten im Cybermobbing vereinen", so Leest. Täter können zum Beispiel belangt werden wegen:

  • übler Nachrede (§186 StGB)
  • Beleidigung (§815 StGB)
  • Gewaltdarstellung (§131 StGB)
  • Körperverletzung (§223 StGB)
  • Bedrohung (§241 StGB)
  • Nötigung (§240 StGB)
  • Nachstellung (§238 StGB)
  • Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (§201a StGB)
  • Verleumdung (§187 StGB)
  • Volksverhetzung (§130 StGB)

Wie baue ich wieder Selbstbewusstsein auf?

Zuallererst müssen die Geschehnisse aufgearbeitet werden, dann erst lässt sich nach einer Cybermobbing-Attacke das Selbstbewusstsein wieder stärken. Wichtig ist es, sich folgende Fragen zu stellen: Wie ist es dazu gekommen, dass ich Opfer geworden bin? Habe ich einen Beitrag dazu geleistet (z.B. veröffentlichen von privaten Fotos etc.)? Wie kann ich das in Zukunft verhindern?

Als Konsequenz sollte spätestens dann ein bewussterer Umgang mit persönlichen Informationen und Bildern enstehen. Uwe Leest: "Wichtig ist, darauf zu achten, sich mit Menschen – Freunde, Familie – zu umgeben, die vertrauensvoll miteinander umgehen." In besonders schweren Fällen rät der Experte dazu, eine Therapie oder Beratung in Anspruch zu nehmen.

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