Keine Freunde
Freunde finden ist oft nicht einfach | Foto: Thinkstock/KatarzynaBialasiewicz
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15. Dez 2015

Tabea Weidinger

Freunde

Keine Freunde – was kann ich tun?

Tipps gegen Schüchternheit und Einsamkeit

Was steht Freundschaften im Weg?

Es kann eine ganze Reihe von Gründen haben, warum du keine Freunde in deiner Klasse beziehungsweise Stufe hast – ein Umzug mit anschließendem Schulwechsel ist dabei noch die harmloseste Ursache.

  • Oberflächlichkeit spielt besonders wenn man jung ist eine große Rolle. Ein paar Kilos zu viel oder zu wenig, eine zu große oder kleine Körpergröße, nicht genug Markenklamotten, eine schiefe Nase und so weiter werden als absolute K.o.-Kriterien für Freundschaften hochgebauscht und entscheiden darüber, wer cool ist und wer nicht.
     
  • Schüchternheit. Gerade stille Menschen stehen sich oft selbst im Weg – und verpassen so gute Gelegenheiten, mit den Sitznachbarn ins Gespräch zu kommen. Einfach, weil sie zu lange darüber nachdenken, das Richtige zu sagen.
     
  • Mobbing ist der triftigste und schwerwiegendste Anlass für die Einsamkeit an der Schule. Jeder kennt wohl das Gefühl, wenn die anderen aus irgendeinem Grund hinter hervorgehaltener Hand tuscheln. Doch wenn die Lästereien Überhand gewinnen und man sich ständig Demütigungen entgegen gestellt sieht, ist die Grenze zum Mobbing ganz klar überschritten. Hier solltest du aktiv werden und mit deinen Eltern, deinem Klassenlehrer und den Tätern sprechen – wehre dich! Niemand verdient es, gemobbt zu werden.

Den Gesprächseinstieg finden

Das klingt leicht, kann in der Praxis jedoch so schwer sein – vor allem, wenn man etwas schüchtern ist. Es ist schon beneidenswert, wie manch andere selbstbewusst und locker-flockig auf Menschen zugehen können. Um ins Gespräch zu kommen, bedarf es jedoch keiner Magie. Das Wichtigste ist, Interesse an zu zeigen und sich zu unterhalten. Versuche es doch einfach mal so:

  • "Hallo!"
    Klingt offensichtlich, reicht aber zum Gesprächseinstieg.
  • "Und, was hast du dieses Wochenende gemacht?"
    Nach ein paar freien Tagen könntest du deinen Sitznachbarn fragen, was er oder sie gemacht hat und von deinen eigenen Erlebnissen erzählen.
  • "Weißt du schon, dass…"
  • Hast du irgendwo eine interessante Nachricht aufgeschnappt? Erzähle davon! Aber gib darauf Acht, nichts Negatives über die anderen Mitschüler preiszugeben.
  • "Du bist doch Fan von …, oder?“
    Du schnappst auf, dass jemand Fan einer bestimmten Fußballmannschaft ist – frag ihn, ob er das letzte Spiel gesehen hat. Unterhaltet ihr euch öfter darüber, könnt ihr irgendwann gemeinsam ein Spiel ansehen und euch treffen.
  • "Ich würde gerne mal … ausprobieren.“
    Du würdest gerne eine bestimmte Sportart ausprobieren? Frag jemanden, ob er sich mit dieser auskennt oder mit dir einen Kurs machen möchte. Über gemeinsame Aktivitäten lassen sich wunderbar Beziehungen zueinander aufbauen.
  • "Kennst du schon das neue Lied von…?"
    Wenn jemand die gleiche Musik mag wie du, tausche dich darüber aus! Vielleicht fangt ihr irgendwann an, euch neue Bands zu empfehlen oder CDs auszuleihen.

Gemeinsamkeiten sind wichtig

Es gibt unendlich viele Themen, über die man mit seinen Mitschülern in Kontakt kommen kann. Höre einfach mal genau hin, was die Hobby der anderen sind, und baue ein Gespräch darauf auf! An Gemeinsamkeiten kann man immer gut anknüpfen. Dabei solltest du dich aber nicht verstellen oder den etwas vorspielen. Die Welt braucht keine Mitläufer, sondern Menschen mit Persönlichkeit, die zu sich selbst stehen.

Kristallisiert sich heraus, mit wem du besonders gerne gute Gespräche führst, frage, ob ihr die Pause miteinander verbringen könnt und adde ihn in den sozialen Netzwerken. So lernt ihr euch Schritt für Schritt besser kennen. Und wer weiß, vielleicht macht ihr schneller eine Verabredung aus als gedacht.

Einmal Anschluss gefunden, lernst du darüber sicher auch weitere Leute kennen. Trotzdem kann und muss man nicht mit allen Menschen, denen man begegnet, befreundet sein. Also: Wenn es nicht passt, Schwamm drüber! Das bedeutet noch lange nicht das Ende der Welt.

Erkläre dich ohne Rechtfertigungen

Missverständnisse können in jedem Gespräch leicht entstehen und führen dazu, dass sich ein falscher Eindruck in die Köpfe deiner Mitschüler festsetzt. Schüchternen Menschen wird oft vorgeworfen, eingebildet zu sein. Während man selbst fieberhaft darüber nachdenkt, mit welcher schlauen und witzigen Antwort man die Gunst des Gegenübers gewinnen kann, wundert dieser sich über das Schweigen und interpretiert es als Arroganz.

In diesem Fall sollte man ehrlich darüber reden: "Tut mir Leid, dass ich letztes Mal, als du mir etwas erzählt hast, nichts dazu gesagt habe. Ich habe überlegt, was ich antworten soll, aber mich nicht getraut." Dein Gegenüber wird deine Offenheit zu schätzen wissen und – zack - ist das Missverständnis aus der Welt geschafft sowie das Vertrauen und die Sympathie wieder hergestellt!

Lass dich nicht in eine Schublade stecken!

Da wären wir wieder bei der Oberflächlichkeit. Ein Beispiel: Wer schwarze Klamotten trägt, wie Goths oder Emos, ist depressiv und ein Satanist. Dies entspricht natürlich nicht der Wahrheit. Doch für Außenstehenede ist dies ein naheliegender Schluss – vor allem, wenn sie diesen Kleidungsstil nicht gewohnt sind und nicht einzuordnen wissen.

In einem solchen Fall solltest du nicht die Nerven verlieren, sondern den interessierten Klassenkameraden mit einem netten Lächeln, ohne sie anzugreifen, erklären: "Ich trage diese Klamotten, weil sie mir gefallen. Ich mag meinen Kleidungsstil, auch wenn er außergewöhnlich ist." Das kann helfen, nicht mehr in bestimmte Schubladen gesteckt zu werden. Dabei geht es natürlich nicht darum, sich selbst zu rechtfertigen, sondern die Klassenkameraden zu informieren. Wissen schützt vor Stereotypen.

Vorurteile adé!

Natürlich sollte man immer auch erst vor seiner eigenen Tür kehren: "Das Mädchen vor mir sieht ganz schön eingebildet aus, der Nerd neben ihr interessiert sich sicher nur für Computerspiele und der Goth da drüben ist bestimmt immer depressiv" – solche Gedanken solltest du bitte ganz schnell über Bord werfen! Menschen sind mehr als Klamotten, Marken und erste Eindrücke. Du solltest dir stets die Zeit nehmen, dein Gegenüber auch wirklich kennenzulernen. Denn was sagt das Äußere schon über eine Person aus? Jeder verdient eine Chance. Man selbst möchte ja schließlich auch nicht anhand der Band auf dem T-Shirt oder der Länge des Rockes gemessen werden.

Gute Zukunftsaussicht für Einsame

Selbst wenn alles nichts nützt und du nicht im Handumdrehen von einer festen Clique umringt bist, gib nicht auf und verliere auf keinen Fall deine Selbstachtung! Denke immer daran, dass das, was dich ausmacht, nicht die Zahl deiner Freunde auf Facebook ist, sondern dein Charakter. Die Schulzeit geht irgendwann vorbei, im Studium oder in der Ausbildung kommen die neuen Kontakte von ganz alleine!


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3.5 von 5 Sternen bei 248 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 11. Jul 2016 um 18:22 Uhr von Melly
Guter Artikel. Bei mir ist es eine ganz blöde Geschichte, warum ich so gut wie keine Freunde hab. Ich wurde gemobbt und alle meine Freundschaften wurden ruiniert. Ich hab um die 10 Leute verloren, die mir wirklich sehr nahe waren. Meine Mutter hackt auch noch auf mich herum, weil ich so gut wie keine Freunde habe...
Veröffentlicht am 20. Jul 2016 um 18:17 Uhr von Diana schönberger
Ich wurde immer nur benutzt fühl mich allein hätte so gerne freunde die einzigen Freunde sind meine beiden meeris
Veröffentlicht am 15. Aug 2016 um 16:03 Uhr von Nathaliee
Heyy Diana Schöneberger, mir geht es auch so..! Ich habe auch zwei Meeris ^-^ Gibt es eine Möglichkeit zu schreiben?
Veröffentlicht am 01. Okt 2016 um 18:31 Uhr von Maurice
Mir geht es genau so. Ich war vor ein paar Jahren noch ein Lebensfroher, offener und Selbstbewusster Mensch, bis irgendwann durch ein Ereignis das ganze stabile Gerüst zusammengebrochen ist und ich seit dem Schüchtern bin und mir immer Gedanken mache was andere über mich denken. Ich würde gerne neue Leute kennenlernen, doch ist es eine riesige überwindung. Zurzeit mache ich meinen Autoführerschein und denke das sich mein Leben danach einwenig zum positiven verändern wird. Ich bin da optimistisch. Alles hat irgendwann mal ein Ende und werde, was es heißt zu Leben wieder richtig spüren. Eines meiner größten Träume ist es, durch einen Roadtrip, Amerika besser kennenzulernen. Wenn jemand schreiben möchte nur zu!
Veröffentlicht am 04. Okt 2016 um 18:59 Uhr von Tatiana
Ich suche freunde .Ich Komme aus der Ukraine .bin ich in der Sweiz seit 6 monate .Ich bin verchairatet .22 jahre Alt .sehr freundlich bin ich .Wohne in Grenchen .Kanton Solothurn
Veröffentlicht am 02. Mär 2017 um 19:47 Uhr von Elli
Ich war immer der Meinung ohne Freunde gut auszukommen doch schnell wurde mir bewusst wie sehr ich mich getäuscht hatte. Immer wenn ich draussen bin bin ich das Allein. Es ist so blöd ein Einzelgänger zu sein