Internationale Finanzmärkte
Was passiert eigentlich mit unserem Geld? | Foto: Pixabay/moerschy

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17. Mai 2017

Jasmin Lörchner

Geld

Geld regiert die Welt: So funktionieren internationale Finanzmärkte!

Die Börse

Wie auf dem Wochenmarkt verhandeln Käufer und Händler über den Preis einer Ware, meist einer Aktie. Aktien garantieren Käufern Anteile an einem Unternehmen, seinen Maschinen und Produkten. Gehandelt wird alles: Nahrungsmittel, Rohstoffe, Strom.

Der Preis, den ein Käufer bereit ist zu zahlen, nennt man Geldkurs (bid). Der Briefkurs (ask) ist der Preis, den der Verkäufer fordert. Der Käufer gibt am Computer eine Order ein, die ein Händler an den Verkäufer weiterleitet. Der Käufer bezahlt mit Geld von seinem Konto und bekommt den Wert der Aktie in seinem Depot gutgeschrieben. 

Hinter dem Börsenhandel steht der Glaube der Käufer, dass ein Produkt künftig an Wert gewinnt. Haben immer mehr Anleger die gleiche Gewinnerwartung, kann das zu einer Blase führen. Platzt sie, kommt es meist zur Krise. Während der Tulpenmanie 1637 in den Niederlanden trieben Anleger die Preise für Tulpenknollen in unvorstellbare Höhen. Als sie zu fallen begannen, verloren unzählige Menschen ihr Geld. 

Ratingagenturen

Ähnlich Gütesiegeln in der Lebensmittelindustrie gibt es auch auf dem Finanzmarkt ein Bewertungssystem: Rating-Agenturen beurteilen mit Ratings von AAA für beste Zahlungsfähigkeit bis D für zahlungsunfähig, wie kreditwürdig Finanzprodukte, Unternehmen oder sogar Staaten sind. Besonders bekannt sind Moody's, Standard & Poor's und Fitch, auch als die "großen Drei" bezeichnet. 

Oft wird kritisiert, dass sie zu viel Macht haben. Sie stuften die überschuldeten Staaten Europas erst herab, als die Euro-Krise schon in Gange war. Auch die Probleme bei der amerikanischen Hypothekenbank Freddie Mac, die am Ausbruch der Finanzkrise beteiligt war, entgingen ihnen. Das könnte Absicht gewesen sein: Moody's, S&P und Fitch beraten die Herausgeber von Finanzprodukten, wie sie die Produkte gestalten müssen, um ein gutes Rating zu bekommen.

Moody's wurde wegen geschönter Kreditbewertungen und der Mitverantwortung für die Finanzkrise in den USA gerade zu einer Strafe von 864 Millionen Dollar verurteilt.


Internationale Finanzmärkte


Wechselkurse

Wechselkurse werden auf dem Devisenmarkt festgelegt. Sie bezeichnen das Umtauschverhältnis zweier Währungen: der Preis, den Inländer für eine Einheit einer ausländischen Währung bezahlen müssen. Bei Redaktionsschluss war der Euro 0,8581 Britische Pfund wert, also schwächer als das Pfund. Wer 10 Euro umtauschte, bekam dafür nur 8,54 Pfund.

Beeinflusst werden die Wechselkurse von Faktoren wie der Kreditwürdigkeit eines Landes, seiner wirtschaftlichen Stärke und politischer Stabilität.

Zentralbanken

In den USA kennt man das Federal Reserve System (Fed), in Europa die Europäische Zentralbank (EZB), in Deutschland die Bundesbank. Sie verantworten die Währungspolitik. Aufgabe der Zentralbanken ist neben der Ausgabe von Geld, das Preisniveau und den Geldwert stabil zu halten. Passiert das nicht, kann eine Krise wie die deutsche Hyperinflation 1923 auftreten. 

Das Preisniveau ist das Verhältnis von Geldmenge zum realen Sozialprodukt. Das Sozialprodukt bezeichnet die über einen bestimmten Zeitraum erzeugten Güter und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft. Zentralbanken überprüfen dieses Verhältnis regelmäßig. 

Wächst das Sozialprodukt, nimmt das Preisniveau ab: Für das gleiche Geld bekommen Verbraucher mehr Produkte – umgekehrt heißt das für Unternehmer, dass sie mehr produzieren,aber nicht mehr verdienen. Auch Schulden verringern sich nicht. Also muss die Geldmenge erhöht werden, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. 

Zentralbanken analysieren und antizipieren permanent die Entwicklungen der Wirtschaft und richten daran ihre Geldmengenpolitik aus. Die folgt zuweilen psychologischen Gründen: Werden während einer Rezession weniger Güter produziert, muss die Geldmenge theoretisch sinken. Weniger Geld in der Volkswirtschaft heißt weniger Wohlstand – in Krisenzeiten ein fatales Signal.

Deshalb erhöht die Zentralbank die Geldmenge zunächst, um Vertrauen in die Wirtschaft zu signalisieren. Später drosselt sie die Geldmenge wieder. Die Steuerung erfolgt über die Anpassung der Leitzinsen. Das sind die Zinsen, die die Zentralbank von anderen Banken für Kredite verlangt oder für Einlagen vergibt. 

Finanzmarktregulierung

Kritiker monieren, die Finanzmarktregulierung sei rückwärtsgewandt: Staaten regulierten immer nur die Bereiche, die nachweislich die letzte Krise auslösten.

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) erarbeitete nach der Finanzkrise das Maßnahmenpaket "Basel III". Es sieht vor, dass Banken mehr Eigenkapital vorhalten müssen, um im Krisenfall nicht so leicht ins Wanken zu geraten. Auch eine Verschuldungsgrenze gemessen am vorgehaltenen Eigenkapital wurde festgelegt. Doch die Vorschläge des Basler Ausschusses sind nicht bindend. Basel III wird deshalb von Staat zu Staat unterschiedlich umgesetzt.

Die USA erließen unter US-Präsident Barack Obama 2009 den "Dodd Frank Act", der die Praxis der staatlichen Bankenrettung (bail out) für systemrelevante (too big to fail) Großbanken auf Kosten der Steuerzahler beendet. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, das Gesetz in großen Teilen rückgängig machen zu wollen.

Offshore-Finanzplätze und Schattenbanken

Mit weniger Regulierung, niedrigen Steuersätzen und striktem Bankgeheimnis locken Offshore-Finanzplätze Kunden an, die ihren Reichtum lieber geheim halten wollen. Während sich die Cayman-Inseln, Bermuda und die britischen Jungferninseln bei Steuerhinterziehern einen Namen gemacht haben, ist die Rolle der Schattenbanken beinahenoch umstrittener: Das sind all jene Institute, die nicht wie eine Bank reguliert werden, aber sehr ähnliche Geschäfte betreiben.

Hedge Fonds zum Beispiel, die während der Krise für ihre Geschäfte mit faulen Immobilienkrediten bekannt wurden. Ihr Business ist riskant, bringt aber höhere Renditen, weil sie sich nicht an Regulierungsvorgaben halten müssen. 

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