Lehrer Schüler Facebook
Will ich wirklich die Urlaubsfotos von meinem Lehrer sehen? | Foto: Thinkstock/William Perugini
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19. Mai 2015

Janina Finkemeyer

Freunde

Virtuelle Freunde: Schüler und Lehrer

Deine Privatsphäre bei Facebook & Co.

Reicht es nicht, die Lehrer in der Schule zu sehen?

In Deutschland gibt es über 25 Millionen Facebook-Nutzer. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist das soziale Netzwerk sehr beliebt. Virtuelle Freunde auf der Freundesliste sind oftmals nicht nur die engsten Freunde, Klassenkameraden und Familienmitglieder, sondern auch flüchtige Bekannte und Leute, die nicht unbedingt jeden Kommentar von einem lesen sollen – zum Beispiel Lehrer. Oder willst du wirklich, dass die Lehrer wissen, was du in deiner Freizeit machst und deine Urlaubs- oder Partyfotos sehen? Möchtest du bei Facebook erfahren, was sie in ihrer freien Zeit machen?

Lehrer dürfen keine schulischen Details bei Facebook besprechen

Anders ist es, wenn du eine geschlossene Gruppe mit allen Mitschülern und den Lehrern habt. Dort kannst du Infos austauschen und Termine für Kurstreffen abstimmen. Dafür musst du nicht unbedingt mit den Lehrern befreundet sein. In einer Gruppe können alle Mitglieder miteinander kommunizieren, egal ob sie bei Facebook befreundet sind oder nicht. Über schulische Details dürfen sich deine Lehrer dort aber nicht mit dir austauschen.

"Sensible Schul- und personenbezogene Daten dürfen nach deutschem Datenschutzrecht nicht auf ausländischen Servern gespeichert werden. Solche Daten wären beispielsweise Verständigungen über die Organisation des Unterrichts wie Hausaufgaben, Ausflugstermine, Vertretungspläne sowie Kommunikation unter Lehrern über Schüler oder gar Notendiskussionen. All dies ist auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder anderen Anbietern, deren Server sich nicht in Deutschland befinden und die demnach nicht der deutschen Datenschutzgesetzgebung unterliegen, nicht zulässig", erklärt Stefanie Rack von dem EU-Projekt klicksafe der Landeszentrale für Medien und Kommunikation.

Regelungen in den einzelnen Bundesländern

Eine einheitliche Regelung für den Umgang mit Facebook in Schulen gibt es in Deutschland aber dennoch nicht. Baden-Württemberg hat Ende Juli eine Richtlinie veröffentlicht, die Schulen zwar eine offizielle Fanpage erlaubt, Lehrern aber die dienstliche Nutzung von Facebook komplett verbietet. Sie dürfen nicht mit Schülern oder Kollegen über soziale Netzwerke kommunizieren. In Schleswig-Holstein und Bayern gibt es diese Regelung schon länger. Rheinland-Pfalz und Sachsen wollen nachziehen und arbeiten an entsprechenden Richtlinien. Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen sehen die Kommunikation via Facebook nicht so streng. Sie rufen die Lehrer zur eigenverantwortlichen Nutzung auf.

In Hamburg gibt es im Unterricht präventive Maßnahmen, die Schüler und Lehrer für den Umgang mit Facebook sensibilisieren sollen. Unterrichtseinheiten, Seminare und Broschüren klären über Vorteile, Risiken und die richtigen Privatsphäre-Einstellungen auf. Diese Einweisung ist für Schüler und auch für Lehrer wichtig, damit sie wissen, welche Infos sie problemlos preisgeben können und mit welchen Daten sie besonders vorsichtig sein sollten.

In der Schulordnung wird von Lehrkräften ein amtsangemessenes Verhalten gefordert und dies gilt auch im Internet. Sie müssen den Datenschutz beachten und dürfen ihre Rolle als Lehrer nicht aus den Augen verlieren. Bei Facebook erfahren sie mehr Privates über dich, als im Schulalltag. Sie sehen, wann du im Chat bist und welche Infos du postest. Willst du wirklich, dass deine Lehrer wissen, wie lange du am Tag vor einer Klassenarbeit online gewesen bist? Haut die Arbeit dann nicht ganz so gut hin und deine Lehrer erinnern sich an deine Online-Aktivitäten, fällst du direkt negativ auf. Auch wenn diese Infos nicht die Benotung einfließen dürfen.

Profileinstellungen anpassen

Falls du dennoch mit Lehrern virtuell befreundet sein willst und deine "Lehrer sich trotz aller Bedenken entscheiden, Facebook im 'erlaubten' Rahmen zu verwenden, wenn es nämlich nur um Kommunikation außerhalb von Schule und Unterricht geht, sollten einige Einstellungen gemacht werden", rät Stefanie Rack. Am besten teilst du deine Facebook-Freunde in Listen ein. Dann kannst du bei jedem Post entscheiden, wer was sieht.

Um eine Liste zu erstellen, klickst du auf deiner Startseite in der linken Spalte auf den Button "Mehr" rechts neben "Freunde". Dann öffnet sich das Fenster "Neue Liste erstellen". Dort kannst du der Liste einen Namen geben und Freunde hinzufügen. Alle erstellten Listen sind nur in deinem Profil sichtbar. Zu jeder Liste kannst du auch immer wieder neue Leute hinzufügen oder auch Freunde entfernen. Wenn du etwas postest, wählst du dann die entsprechende Liste aus, die deinen Beitrag sehen soll.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass du bestimmten Freunden verbietest deine Inhalte zu sehen. Dafür klickst du oben rechts auf das Zahnrad und wählst die Privatsphäre-Einstellungen aus. Unter "Wer kann meine Inhalte sehen?" gehst du auf "Bearbeiten". Dort kannst du dann "Benutzerdefiniert" anklicken und bei "Nicht teilen mit" einzelne Personen oder auch Listen auswählen, die keine Infos von dir erhalten sollen.

Andere Tools nutzen oder Mitschüler um Rat bitten

Auch wenn deine Lehrer der Facebook-Nutzung positiv gegenüber stehen, heißt es nicht, dass sie für dich ständig verfügbar sind. Hast du Fragen zu Hausaufgaben oder bestimmten Themengebieten, ist das soziale Netzwerk nicht die richtige Plattform dafür. Du darfst nicht erwarten, dass du via Facebook Antworten auf deine Fragen bekommst, weil Lehrer nicht dazu verpflichtet sind und sogar gegen den Datenschutz verstoßen würden. "Es gibt andere Tools der Organisation für den Schulalltag, z.B. Moodle, das extra für diese Zwecke entwickelt wurde", sagt Stefanie Rack. Wenn du so ein Tool nicht in der Schule hast, klärst du Fragen zuerst mit Schülern oder am nächsten Tag mit den Lehrern in der Schule.

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 19. Mär 2016 um 12:52 Uhr von K. Rippa
Nota: es geht bei der Regelung in BaWü über die "Dienstliche Nutzung", also darum, ob man schulbezogene Fragen über FB klären darf - und das darf man aufgrund von datenschutzrechtlicher Bedenken nicht (damit zB keine Noten, keine Infos bzgl Schülerverhalten usw bei Dritten - FB + Co - landen, finde ich so auch absolut verständlich). Ich DARF aber sehr wohl mit meinen Schülern über FB befreundet sein, das wäre ja noch schöner ... Wie viel da de facto geteilt wird und für Schüler einsichtbar ist, das ist natürlich eine Frage, die jeder dann für sich selber klären muss....