Karoline Herfurth Studium
Karoline Herfurth ("Fack ju Göhte 2") begann an der HU Berlin ihr Studium | Foto: Constantin Film
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28. Aug 2015

Rüdiger Sturm

Promis

Karoline Herfurth über Studium, Versagen und Aha-Effekte

Ab dem 10.09. mit "Fack Ju Göthe 2" im Kino

"Als Lehrer würde ich nach zehn Minuten versagen"

UNICUM: "Fack ju Göhte" ist Kult geworden. Ist für dich der zweite Teil ein Filmstart wie jeder andere?
Karoline Herfurth: Das würde ich nicht so formulieren. Es ist schon sehr spannend. Fortsetzungen stehen gerne in der Diskussion, aber unser Team hat eine wahnsinnig tolle gebaut, wie ich finde. Da steckt sehr viel Herzblut drin. Und wenn du die Charaktere liebgewonnen hast, dann möchtest du ihre Schicksale weiter verfolgen. Das sage ich auch als Fan von Serien wie "Friends" oder "Downtown Abbey".

Du hast ja mit deiner Rolle jetzt Erfahrungen als Filmlehrerin gesammelt. Könntest du dir vorstellen, selbst zu unterrichten?
Ich fände es bestimmt spannend, aber ich glaube, ich würde nach zehn Minuten versagen. Ich habe mal meinem kleinen Bruder und einem Freund von ihm Nachhilfe gegeben. Es war ein absolutes Desaster, weil ich völlig überfordert war und von einem Thema zum anderen gesprungen bin. Dazu gehören eben ein langes Studium und eine tiefe Auseinandersetzung mit der Materie. Die habe ich nicht gemeistert, nur weil ich diese Filme gedreht habe.

Das heißt, du nimmst den Job des Lehrers sehr ernst?
Oh ja, das ist einer der schwierigsten und wichtigsten Berufe, weil es um die Sozialisation von Menschen geht. Leider ist er vom Prestige her furchtbar vernachlässigt, und ich würde mir wünschen, dass man in den Stellenausbau mehr investiert und die Lehrpläne überarbeitet. Eine enge Freundin von mir, die lustigerweise Lisi heißt – so wie meine Figur in den Filmen –, macht gerade ein Referendariat und sie erzählt mir, wie absurd das Ganze ist. Sie sieht die kleinen lern­begierigen Kinder vor sich sitzen, aber sie muss einen Plan abarbeiten und Noten zur Beurteilung heranziehen.

"Ich liebe die Theorie im Studium"

Du stillst deinen Lernbedarf mit deinem Studium der Soziologie und Politikwissenschaft. Wie schaffst du das parallel zu deiner Schauspiel-Karriere?
Es ist momentan wahnsinnig schwierig, zumal ich, wenn alles klappt, im Herbst auch noch mein Regiedebüt geben werde. Mein Bachelorstudium läuft seit 2008, aber weil ich in Teilzeit studiere und verschiedene Urlaubssemester genommen habe, bin ich sogar noch in der Regelzeit. Ich habe nur noch nicht so viel Stoff geschafft, wie ich hätte schaffen müssen.

Du willst das auch durchziehen?
Es ist natürlich frustrierend, wenn man ein Jahr Pause hat und alle Kommilitonen viel tiefer in der Materie sind. Aber noch möchte ich es durchziehen. Ich habe eine totale Wissbegier und Neugier. Wenn ich die nicht befriedigen kann, langweile ich mich. Andererseits kann ich das nicht nebenher machen, sondern nur abwechselnd zu meinem Job. Denn du musst wahnsinnig viel lesen, und das ist sehr anstrengend, weil es hier um komplexe theoretische Auseinandersetzungen geht.

Ist dir das nicht zu viel der Theorie?
Ich liebe die Theorie. Abgesehen davon kann man Soziologie und Politik jeden Tag in der Praxis erleben, wahrnehmen und beurteilen.

Hast du das Bedürfnis bekommen, dich stärker politisch zu engagieren?
Absolut. Das war auch ein Grund für mein Studium. Als öffentliche Person wirst du oft gebeten, dich für etwas einzusetzen, und da ist es ein Vorteil, sich auszukennen. Ich bin jetzt z. B. Gesicht für die Kampagne gegen Geschlechterdiskriminierung, die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes durchgeführt wird. Das ist mir sehr wichtig. So möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, eingefahrene Denk­schemata aufzubrechen und langsam zu verändern.

"Ich musste noch nie Selfies mit Kommilitonen machen"

Schafft so etwas auch gesunde Distanz zu der Glamourbranche, in der du dich sonst bewegst?
Glamour gehört schon ein bisschen dazu, und ich finde es toll, mal auf dem roten Teppich ein tolles Trendkleid zu tragen. Aber solche Aktivitäten machen vielleicht zehn Prozent meines Berufs aus. Die Distanz habe ich sowieso in mir.

Wie ist es mit deinen Kommilitonen? Wie stark reagieren die auf deinen Promi-Nimbus?
Dadurch, dass meine Mitstudenten aufgrund meiner Auszeiten wechseln, entsteht schon immer wieder ein Aha-Effekt, aber der ist angenehm unauf­geregt. Er hält vielleicht zehn Minuten an, und es ergibt sich ein Gespräch, aber ich musste noch nie Selfies machen und auch keine Autogramme geben. Alle sind total auf ihr Studium fokussiert.

Wann wirst du dich wieder darauf konzentrieren?
Wenn ich das jetzt schon wüsste …  Das hängt von meinen Projekten ab. Wenn ich Glück habe, im nächsten Jahr, wenn Pech, dann erst wieder 2017. Aber mit Pech und Glück, das kann man auch genau andersrum sehen.

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