Felix Jaehn
Auf Erfolgskurs: DJ Felix Jaehn | Foto: Nicolas Kantor
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28. Sep 2015

Barbara Kotzulla

Musik

Felix Jaehn: "Ich hatte immer einen Plan B!"

Die Erfolgsgeschichte des DJs geht mit der Single "Book Of Love" weiter

Musik-Karriere statt BWL-Studium

UNICUM: Felix, ist dein Alter eigentlich oft ein Thema?
Felix Jaehn: Nein, das ist kein großes Thema mehr. Mittlerweile bin ich mit 21 auch in jedem Land der Welt volljährig. Es wird eher positiv wahrgenommen, dass so viele junge Künstler erfolgreich sind. Im Endeffekt geht es um die Musik – da ist es egal, ob der Künstler 40 oder 18 ist. Die Leute bewerten dich nach dem, was du machst – und nicht nach deinem Alter.

Mit 21 haben viele überhaupt keine Ahnung, wohin es im Leben gehen soll. Schaut man sich deine Biografie an, scheint es aber so, als würdest du schon lange an deiner Musikkarriere arbeiten und nichts dem Zufall überlassen.
Ich habe einfach die Chance bekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Das ist ein sehr großes Glück, das viele in meinem Alter nicht haben. Aber auch bei mir gab es "Hin-und-her"-Phasen. Ich hatte immer einen Plan B offen und mich für zwei verschiedene Studiengänge eingeschrieben. Ich konnte ja nie 100-prozentig planen, dass es mit der Musik wirklich klappt.

Oh, für welche Studiengänge warst du eingeschrieben?
Ich habe ganze zwei Monate lang an der Humboldt-Uni in Berlin BWL studiert, dann aber abgebrochen. Mir war das Fach zu theoretisch, das war zu dem Zeitpunkt einfach nicht das Richtige für mich. Ich habe dann einen Platz für ein duales Studium im Bereich Medienmanagement bei dem Musikverlag Edel in Hamburg bekommen. Das hätte ich wirklich sehr interessant gefunden: Die Kombination aus BWL-Grundlagen und Studium auf der einen Seite, und dem praktischen Ansatz im Musikbetrieb auf der anderen. In der Zwischenzeit ist meine Musik aber so erfolgreich geworden, dass ich das Studium nie angetreten bin.

Ist es richtig, dass du dein BWL-Studium nur für deine Eltern angefangen hast …
Das ist ein wenig übertrieben formuliert, aber natürlich ist man nach dem Abitur dem Druck und der Erwartungshaltung der Familie ausgesetzt. Schließlich ist es so, dass nicht nur meine Eltern beide BWLer sind, sondern auch meine beiden Brüder. Für mich war’s dann so: Okay, für ein Jahr darf ich nach der Schule nach London zum Musikmachen, danach muss etwas – in Anführungsstrichen – Anständiges kommen. Für mich war es einfach der logische Schritt, BWL zu studieren.



Von Klützer Winkel über London in die weite Welt

Du bist im Dorf Klützer Winkel in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen. Dort ist "Musikproduzent und DJ" sicherlich ein recht ungewöhnlicher Berufswunsch.
Ich habe zwar auf Abipartys aufgelegt und mich in der Region bei Festen engagiert, aber zu Schulzeiten war das noch kein Thema, dass die Musik wirklich zum Beruf wird. Erst als ich nach meinem Abi – so mit 17, 18 Jahren – für ein Jahr nach London auf ein Musik-College gegangen bin, habe ich meinen Traum gezielt verfolgt.

Wolltest du mit diesem Schritt  der "Provinz" entfliehen?
Natürlich wollte ich ein wenig entfliehen – obwohl: das ist für mich ein zu negatives Wort. Es war mehr so, dass ich eine neue Welt entdecken wollte. Ich war schon mit 16 drei Monate in Neuseeland, um zur Schule zu gehen, dazu waren wir viel im Urlaub. Es war nicht so, dass ich limitiert war in meinem kleinen Dorf. Klar, man kann auch aus der Provinz in Mecklenburg-Vorpommern ins Internet und vieles machen – aber ich musste raus in die große weite Welt. Offiziell sollte das mein Gap Year werden, bevor es zur Uni geht. Aus einem Jahr sind jetzt drei geworden.

Wie sehr hat dich und deinen Sound die Londoner Musikszene geprägt?
London ist wirklich eine total krasse Metropole. Einfach dadurch, dass ich da gelebt habe, an dem College war, andere Musiker getroffen habe, wurde ich beeinflusst. 2012 war in London das Genre Deep House auf dem Höhepunkt, in Deutschland kannte man das dagegen gar nicht so wirklich. Das hat mich auch dazu gebracht, meinen Style zu verändern. Mittlerweile ist aus dem deepen Sound melodischer House geworden. Bei dieser Weiterentwicklung spielen viele Einflüsse aus meiner Zeit in London mit hinein.

War dein Auslandsaufenthalt für dich der wichtigste Schritt in Richtung Musik-Karriere?
Es gibt auf dem Weg ganz viele kleine Schritte. Das Jahr in London war sicher einer der größten. Ein weiterer war der Plattenvertrag, den ich im August 2014 bekommen habe. Mit dem habe ich mich endgültig entschieden: "Okay, ich mache das jetzt die nächsten Jahre weiter und gehe nicht studieren."

Könntest du dir vorstellen, irgendwann doch studieren zu gehen?
Wer weiß, in 5 Jahren, in 10 Jahren … ich bin ja noch sehr jung. Ich kann mir durchaus vorstellen, so etwas irgendwann nachzuholen und die Seiten zu wechseln. Vielleicht helfe ich später selber jungen Talenten. Irgendwann will ich bestimmt auch mal eine Base haben, eine Familie gründen. Dann geht das mit dem DJ-Leben, das ich jetzt führe, nicht mehr. Aber das steht alles noch offen. Jetzt konzentriere ich mich erst einmal voll und ganz auf meine Musik. Da habe ich ganz sicher ein sehr spannendes Kapitel vor mir.

Felix, was war dein Sommer-Hit 2015?

Apropos DJ-Leben: Im September hast du beispielsweise an einem Abend in Las Vegas und dann in Los Angeles gespielt. Ist das so großartig, wie es sich anhört – oder doch eher nur anstrengend?
Ist sicherlich ein bisschen von beidem. Man ist auf der einen Seite an total vielen coolen Plätzen unterwegs, trifft viele interessante Leute und sieht etwas von der Welt. Aber natürlich ist nicht alles so glänzend, wie es auf den ersten Blick scheint. So ein Leben bedeutet viele lange Flüge und wenig Schlaf – das ist teilweise schon anstrengend. Aber das ist mein Traum und da arbeite ich gerne.

"Ain’t Nobody" war ja für viele einer der Sommer-Hits 2015. Was war denn dein persönlicher?
Oh, da muss ich mal ganz kurz nachdenken! (lacht) Also, ein Lied, was bei mir rauf und runter gelaufen ist, ist von Years & Years "King". Das ist so eins meiner Lieder des Jahres.


Felix Jaehn Book of LoveUNICUM Abi-Musiktipp

Book Of Love

Felix Jaehn (feat. Polina)

Universal Music

VÖ: 11. September 2015

Online Bestellen (Amazon): Book Of Love

Mehr Infos: www.facebook.com/FelixJaehnMusic


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