Interview Palina Rojinski
Szene aus "Willkommen bei den Hartmanns": Palina und Elyas M'Barek | Foto: 2016 Warner Bros.Ent.

Promis

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Ann-Christin Kieter

Promis

Palina Rojinski: "Ich wurde als Ausländerschwein beschimpft"

25-mal in den Busch gefallen

UNICUM: Als ich einer Kollegin erzählt habe, dass ich dich interviewe, kam von ihr ein "Oh, die hat so schöne Haare!". Stimmt es, dass deine Eltern dir mal eine Glatze verpasst haben?
Palina: Ja, aber da war ich noch ganz klein, so drei Jahre alt ungefähr. Ich sollte den ganzen Sommer mit meiner Oma und meinen Cousinen auf einem Bauernhof verbringen. Da haben die sich gedacht, das sei ganz praktisch. Es soll ja auch angeblich gut für den Haarwuchs sein. Tränen sind – glaube ich – keine geflossen.

Im Zuge deines neuen Films "Willkommen bei den Hartmanns" liest man immer von der "Crème de la Crème der deutschen Schauspieler" – siehst du dich selbst darin?
Es war für mich schon ein großes Ding, die Tochter von Senta Berger und Heiner Lauterbach zu spielen, Florian David Fitz als Film-Bruder zu haben und Elyas M’Barek als Love Interest. Besonders vor den herausfordernden Szenen war ich aufgeregt.

Welche waren das zum Beispiel?
Es gibt eine Fight-Szene, in der ich von den Jungs beschützt werden soll, aber immer einen Ellbogen oder eine Faust abkriege. Das ist so ein bisschen Slapstick. Ich wollte das gerne selbst machen, ohne Stunt-Frau. An dem Tag bin ich gefühlt 25-mal in einen Busch gefallen. Danach war ich ganz schön malträtiert, hatte drei, vier Verbände. Witzig ist auch: Am nächsten Tag hat sich Simon, also der Regisseur, gewundert, was in dem Gebüsch so schimmert. Dann hat er da noch Haare von mir rausgefischt.


Willkommen bei den Hartmanns Szene

"Ich bin ein Hybrid, ein absoluter Mischling."

Als Kind bist du mit deinen Eltern aus der damaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen. Liegt dir deswegen das Flüchtlingsthema im Film besonders am Herzen?
Na, ich kann mich gut damit identifizieren, wie es ist, neu in einem anderen Land zu sein. Wobei ich ja mit sechs noch recht klein war. Es ist etwas anderes, mit 20 oder so in ein neues Land zu kommen.

Wie leicht ist es dir gefallen, dich hier einzuleben?
Als Kind fällt einem das viel leichter. Ich kam direkt in die Vorschule und habe die Sprache sehr schnell gelernt. Ich kann mich noch erinnern, wie wir dann mit Wörterbuch im Asylantenheim saßen und die Vokabeln rausgesucht haben. Und ich habe sehr schnell Freunde gefunden. Obwohl es schon krass war, wie sehr ich damals auch gemobbt wurde. Ich wurde als "Ausländerschwein" beschimpft – vorwiegend von anderen ausländischen Mitschülern. Ich habe wirklich auch gekämpft.

Erinnerst du dich noch an deine ersten Eindrücke, als du in Berlin ankamst?
Wir waren im Westen! Das sagt eigentlich schon alles. Es war ein Riesen-Unterschied, vor allem beim Einkaufen. Allein schon die ganzen bunten Verpackungen – und überhaupt die gefüllten Regale. Damals gab es wirklich nichts bei uns. Ich hab die ganzen Sachen gesehen und mich gefragt: Was ist das? Ah, Scheiblettenkäse! Ah, Cornflakes! Oh, Joghurt gib es in verschiedenen Geschmacksrichtungen! Ich kannte eher selbstgemachte Sachen. Was ja auch toll ist.

Wie viel Russin steckt jetzt noch in dir?
Ich bin ein Hybrid, ein absoluter Mischling. Wenn ich in Russland bin, denke ich: Na gut, hier könnte ich niemals leben. Obwohl St. Petersburg eine super Stadt ist. Und Moskau auch. Aber eine hundertprozentige Deutsche bin ich auch nicht. Die Heimat ist in meinem Herzen. Ich höre voll gerne mal russische Musik oder schaue ab und zu einen russischen Film. Ich spreche Russisch so wie Deutsch. Wenn ich im Urlaub Russen kennenlerne, sind die immer ganz erstaunt, wenn ich sage, dass ich seit 1991 in Berlin lebe.


InfoÜber Palina Rojinski

  • Palina Rojinski wurde 1985 in Leningrad (heute St. Petersburg) geboren und kam im Alter von sechs Jahren nach Berlin.
  • Sie wurde zweimal deutsche Juniorinnen-Meisterin in der rhythmischen Sportgymnastik, hörte aber mit 14 auf mit dem Leistungssport.
  • Ihr Studium (Literatur und Geschichte an der Humboldt-Uni) brach sie nach drei Semestern ab.
  • Man kennt sie hauptsächlich aus TV-Shows wie "Circus Halligalli" oder "In the Box" oder aus Filmen wie "Traumfrauen". Sie ist aber auch als DJ "Palina Power" unterwegs.    

Als Turnerin auf Dauer-Diät – und trotzdem zu dick

Du hast rhythmische Sportgymnastik als Leistungssport betrieben – was hast du aus der Zeit mitgenommen?
Da muss man schon einstecken können. Wenn der Wettkampf kommt, für den du so hart trainiert hast, und du verkackst die Übung, weil du zu nervös bist oder es einfach kein guter Tag war, dann hast du halt verkackt. Und wenn es die deutschen Meisterschaft en waren, musst du dann ein Jahr warten, bis du einen neuen Versuch bekommst. Aber da ist man seines eigenen Glückes Schmied. Konzentration ist so eine Sache. Aber auch zu wissen: Ich schaffe das! Ich weiß, dass es wehtun wird, ich weiß, dass es anstrengend wird, ich weiß, dass ich Blut und Wasser schwitzen werde, aber das ist okay, ich kann das schaffen!

Das viele Rumreisen, die Übernachtungen im Hotel, jede freie Minute für dich nutzen – das sind doch sicherlich auch Dinge, die du heute noch genauso machst.
Aber heute darf ich essen. Damals durfte ich ja nicht essen. Ich weiß noch: der Sonntag nach dem Wettkampf! Wir haben alle schon gezittert, weil wir wussten, dass wir gleich an der Tankstelle halten und uns ganz viele Süßigkeiten und Chips und so kaufen. Echt unnormal! Ich war ja immer auf Diät. Und trotzdem immer zu dick.

Du hast ein paar Semester Literatur und Geschichte studiert. Das klingt ja erstmal nach brotloser Kunst … Welchen Beruf hättest du ergriffen, wenn es mit der TV-Karriere nicht funktioniert hätte?
Das hab ich mich auch gefragt während des Studiums. Selbst wenn ich meinen Abschluss gemacht hätte, hätte ich mich das gefragt. Denn Lehrerin, das wäre nichts gewesen. Aber ich hab ja nie Pläne. Und wenn, ist es voll geil, wenn etwas anders läuft, weil man dann erfinderisch wird. Ich bin da eher ein Lebenskünstler. Es entwickelt sich immer alles und ergibt sich irgendwie.



Die Achterbahn-Fahrt des Grauens

Wie sehr kratzt es am Ego, "nur" Sidekick von Joko & Klaas zu sein?
Ich hab es genossen, Sidekick zu sein. Ich war komplett neu in einer Live-Show und Joko und Klaas haben da schon fünf, sechs Jahre Fernsehen gemacht. Es war schon richtig so, dass ich klein und gemächlich angefangen habe. Wenn man sich dann ein bisschen wohler fühlt in so einer Live-Situation, dann entwickelt sich es schon von alleine, dass man nach und nach mehr machen kann.

Was war das Schlimmste, das dir die beiden bisher angetan haben?
(lacht) He he. Wahrscheinlich schon die Achterbahn. (Anm. d. Red.: Palina musste in "Circus Halligalli" nacheinander 30 Männer daten – bei 100 km/h in der Achterbahn. Besonders fies: Einer musste Pupsspray benutzen. Nach Runde 17 hat sie sich übergeben und abgebrochen. Hier geht's zum Video.)

Ist es dir von Anfang an leichtgefallen, über dich selbst zu lachen?
Ja, das ist mein Naturell. Ich hab mich noch nie so ernst genommen. Ich verstell mich grundsätzlich auch nicht und bin so, wie ich bin. Entweder es gefällt den Leuten oder es gefällt ihnen nicht.

Wie gut kommen deine Eltern mit dem klar, was du so machst?
Die gucken zum Glück nur russisches Fernsehen (lacht). Nein, die wissen schon, was ich mache. Die finden das auch lustig, sind da ganz cool. Die unterstützen mich und lassen mich machen.


UNICUM Filmtipp

Filmposter Willkommen bei den HartmannsWillkommen bei den Hartmanns

Flüchtlingskomödie, Deutschland 2016

Regie: Simon Verhoeven

Darsteller: Heiner Lauterbach, Senta Berger, Florian David Fitz, Eric Kabongo, Palina Rojinski, Elyas M'Barek

Inhalt: Familie Hartmann nimmt den Flüchtling Diallo bei sich auf und hat daraufhin ständig mit Missverständnissen und dem eigenen Haussegen zu kämpfen.

Verleih: Warner Bros.

Kinostart: 03. November 2016

Mehr unter: www.facebook.com/willkommenbeidenhartmanns

 

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