Bruder Nationalspieler
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04. Jun 2012

Denise Haberger

Promis

Mein Bruder der Nationalspieler

-ARCHIV-

Auch die Brüder von Manuel Neuer, Thomas Müller und Mario Götze spielen Fußball

Marcel Neuer: Bruder von Manuel

UNICUM: Ist die Arbeit als Schiedsrichter mit dem Studium vereinbar?
Marcel Neuer: Am Wochenende geht ein Tag dafür drauf. Unter der Woche bereite ich mich mit Konditionstraining vor. Außerdem besuche ich regelmäßig Schulungen und Lehrgänge. Die Tätigkeit schränkt schon ein, aber im Studium hat man ja die Möglichkeit, auch mal zu fehlen. Ich könnte nebenher nicht arbeiten, aber ich verdiene ja auch etwas als Schiedsrichter. Neben dem Spaß ist das ein guter Nebenverdienst. 

Wie kam es, dass du Schiedsrichter geworden bist?
Ich hatte eine Odyssee im Sport hinter mir. Ich habe viele Sportarten ausprobiert: Fußball, Schwimmen, Judo – das war alles nix. Weil ich eine starke Verbindung zum Fußball habe, bin ich Schiedsrichter geworden.

"Schiedsrichtern werden Fehler kaum verziehen"

Ist es ein Problem für dich, dass du dich auf dem Platz schon mal unbeliebt machst?
Man hat es selbst in der Hand. Wenn man Entscheidungen richtig verkauft und sie nachvollziehbar sind, dann hält sich die Kritik in Grenzen. Man wird als Schiedsrichter schon mal komisch angeguckt, aber das kenne ich schon. Wenn die Leute hören, dass ich Theologie studiere, reagieren viele auch erst einmal komisch. Schiedsrichtern werden Fehler kaum verziehen. 

Kann so etwas wie der Videobeweis helfen?
Ich halte nichts davon. Der Videobeweis verlagert den Krisenherd an den Spielfeldrand und sorgt für eine Unterbrechung. Sinnvoller wäre so etwas wie ein Chip im Ball, der Tore erkennen kann. Das wäre eine unmittelbare Entscheidung.

Du bist jetzt in der NRW-Liga aktiv. Hast du weitere Ambitionen als Schiedsrichter?
Ich würde gerne noch eine Liga höher kommen. Aber eigentlich ist das ein Zubrot und Hobby. Für mich ist es entscheidend, mein Studium durchzuziehen und mir als Lehrer ein Standbein aufzubauen. 

Wirkt sich das auf deine Arbeit aus, dass du der ältere Bruder von Manuel Neuer bist?
Ich werde schon mal darauf angesprochen, aber es erschwert mir die Arbeit nicht. Oft sprechen mich die Leute mit "Herr Neuer" an anstatt mit "Schiri". Das zeugt von Respekt.

"Es gibt Schlimmeres, als Manuels Bruder zu sein!"

Nervt das manchmal, mit einem Promi verwandt zu sein?
Solange es sich in einem vernünftigen Rahmen bewegt und die Leute auch Interesse an mir haben, ist das vollkommen in Ordnung. Außerdem gibt es Schlimmeres, als der Bruder des Nationaltorhüters zu sein.

Du bist selbst Schalke-Fan. War das traurig, als dein Bruder zu Bayern München ging?
Ich sympathisiere auf jeden Fall mit dem Verein, aber ich bin kein Ultra-Schalker. Außerdem habe ich als Schiedsrichter grundsätzlich eine gewisse Distanz. Aus emotionaler Perspektive war das sehr schade, aber aus sportlicher und beru™flicher Sicht musste er das machen.

Wenn Schalke gegen Bayern spielt, für wen bist du?
Es freut mich, wenn Manuel erfolgreich ist, aber im direkten Duell bin ich immer für Schalke.

Guckst du alle Spiele deines Bruders?
Nein. Durch meinen Job ist die Möglichkeit eh nicht oft gegeben und wenn ich Fußball gucke, dann eher die Schalke-Spiele. Grundsätzlich schaue ich Spiele eh ganz anders. Das ist quasi Lehrmaterial für mich.


Simon Müller: Bruder von Thomas

Die Familienähnlichkeit ist unverkennbar. Kein Wunder also, dass sich die Leute nach ihm umdrehen, wenn Simon Müller unterwegs ist. Denn der 20-Jährige ist der kleine Bruder von Thomas Müller, Nationalspieler und Stürmer beim FC Bayern München. Vor allem in seinem Heimatort Pähl – die Einwohner nennen es das "Thomas-Müller-Dorf" – ist er bekannt.

Auch sonst haben die Brüder viel gemeinsam: vor allem ihre Liebe zum Fußball und zum Rekordmeister. Seit er vier war, kickt Simon. Schon bald stieg er beim TSV Pähl ein. Auch sein großer Bruder spielte dort, bis er zu den Bayern ging. Im Gegensatz zu Thomas hat Simon keine Ambitionen im Profifußball. "Das war früher vielleicht mal mein Ziel, aber das hat sich ziemlich schnell erledigt", erzählt er.

"Nichts schöneres, als Thomas spielen zu sehen"

Fußball ist heute sein Hobby, seinem Heimatverein ist er treu geblieben. Dort ist er Mittelfeldspieler, mittlerweile in der ersten Mannschaft. Simon spielt so viel, wie es sein BWL-Studium zulässt. Dass sein Bruder heute bei seinem Lieblingsverein kickt, macht ihn ungeheuer stolz: "Es gibt fast nix Schöneres, als Thomas bei Bayern spielen zu sehen." Wenn er selber nicht auf den Platz muss, verpasst Simon kein Heimspiel in der Allianz-Arena. Seine Dauerkarte hat er schon seit Jahren. Ansonsten sitzt er mit seiner Familie und Freunden daheim vor dem Fernseher. Hin und wieder geht's auch weiter weg, wie zuletzt nach Madrid zum Halb•finale der Champions League.

Die Spiele der Europameisterschaft wird sich Simon allerdings wahrscheinlich beim Public Viewing im Pähler Pfarr- und Gemeindehaus ansehen. "Dass ich dorthin fahre, wird mit dem Studium nicht klappen", sagt er. Die Glücksbringer-SMS wird es aber trotzdem geben. Seit Jahren schon schickt Simon seinem Bruder vor jedem Spiel eine Kurznachricht und wünscht ihm Glück. Nur ein einziges Mal hat er das nicht getan: Im August 2011 traten die beiden Brüder in einem Freundschaftsspiel gegeneinander an. Der FC Bayern München gewann damals mit 22:1.


Fabian Götze: Bruder von Mario

Zwei Spieltage vor Saisonende machte Borussia Dortmund 2012 die zweite Meisterschaft in Folge perfekt. In der Stadt stieg eine große Party. Auch Fabian Götze hat kräftig mitgefeiert. Denn sein kleiner Bruder Mario spielte beim BVB. Aber nicht nur Familienbande verbinden Fabian mit dem Verein, seine eigene Fußballkarriere begann ebenfalls bei der Borussia: Zehn Jahre lang spielte er bei den Schwarz-Gelben, im letzten Jahr sogar in der zweiten Seniorenmannschaft. "Ich habe meine komplette Jugend dort verbracht", erzählt der 21-Jährige. 2010 wechselte er dann zum FSV Mainz. Die Perspektiven waren dort besser für ihn.

Eine Verletzung setzte den Abwehrspieler dann monatelang außer Gefecht. "Es war nicht einfach, neue Stadt, neue Leute. Und durch die Verletzung konnte ich kaum etwas machen." Das Heimweh wurde immer stärker. Daher kam er zurück ins Ruhrgebiet: 2011 wechselte Fabian zum VfL Bochum. Dort spielte er bis 2013 in der zweiten Mannschaft.

"Mario ist schon immer einer der Besten gewesen"

Heute wohnt er in der Nähe seines Elternhauses. Der neue Verein gefällt ihm gut, familiär ginge es dort zu. Für sein zweites Jahr in Bochum wünscht er sich, fit zu sein und möglichst oft zu spielen. "Seit ich Pro•fi bin, gab es nie eine Phase, in der ich vier Monate am Stück fit war", erzählt Fabian. "Das war schon deprimierend." Wie es weitergehen soll, weiß er noch nicht genau. Ein Studium könne er sich gut vorstellen, etwas in Richtung Sport oder Sportmanagement.

Auf den Erfolg seines Bruders ist er nicht neidisch. "Mario ist schon immer einer der Besten gewesen." Auch die ständigen Verweise auf seinen Bruder sieht Fabian gelassen: "Wir spielen auf unterschiedlichen Positionen. Da ist ein Vergleich nicht möglich."

Das nächste Götze-Talent steht übrigens schon in den Startlöchern: Auch Felix, der dritte und kleinste Bruder, spielt Fußball. Er ist in der U-14-Mannschaft des BVB. "Fußball ist unser Leben", erzählt Fabian. "Der Sport hat unsere Freizeit bestimmt, aber ich würde nicht sagen, dass wir etwas verpasst haben."

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