Hailee Steinfeld Interview
Ein absolutes Multitalent: Hailee Steinfeld | Foto: Universal Music

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Hailee Steinfeld: "Ich zweifele ständig an mir"

UNICUM: Deine Songs und auch die Filmrollen, die du spielst, handeln fast alle von starken Frauen. Du selbst wirkst auch sehr selbstbewusst. Ist das so oder wirkt das nur so?
Hailee: Ich denke schon, dass ich selbstbewusst bin. Die Lieder, die ich singe oder auch die Rollen, spiele, haben mich darin bestärkt. Es gibt eine gewisse Wechselwirkung. Ich singe gewisse Songs oder spiele bestimmte Rollen auch nur, weil ich selbstbewusst genug dafür bin. Daher fühle ich mich damit wohl und ziehe ich das dann auch durch.

Zweifel kennst du also nicht?
Sicher, ich zweifele ständig an mir. Wenn man als Künstler an etwas arbeitet, das einem wirklich am Herzen liegt, macht es einem immer Angst, wenn man es dann der Öffentlichkeit präsentiert. Persönlich denke ich beispielsweise über einen Song: Der ist großartig, einzigartig, der beste, den ich je geschrieben habe. Und in der Nacht vor der Veröffentlichung kommen die Zweifel wie: Der ist doch nicht gut genug. Die Leute werden ihn nicht mögen. Sie werden den Teil überinterpretieren und den anderen nicht beachten. Ich denke, das bringt einen als Künstler weiter. 

Obwohl du die Songs ja wahrscheinlich vorher schon deinen Freunden wie Taylor Swift oder Shawn Mendes vorgespielt hast?
Klar, spiele ich sie vorher meinen Freunden, meiner Familie und Leuten, denen ich wirklich vertraue, vor. Sie würden mir sagen, wenn ich falsch liege. Aber am Ende eines Tages treffe ich die Entscheidung, mit der ich mich am wohlsten fühle.

Und das läuft derzeit nicht schlecht…
Stimmt (lächelt).



Erst die EP "Haiz" – dann ein Album?

Am 15. Juli erscheint die EP "Haiz", jetzt fragen natürlich alle nach dem ersten Album.
Ich weiß (grinst verschmitzt).

Hailee SteinfeldAber eigentlich hast du dafür gar nicht richtig Zeit, oder?
 Doch, es ist in der Mache! Ich freue mich riesig darüber, dass die Leute so sehnsüchtig darauf warten. Es ist aufregend, all diese Kommentare auf Twitter zu lesen. Und als ich im Wembley Stadion (im Rahmen des "Summertime Balls", d.Red.) gesungen habe, blieb mein Auge auf einem Poster hängen, auf dem Stand: "Hailee, wo bleibt das Album?" Es waren so großartige Künstler dort (z.B. Bruno Mars, d.Red.) und diese Frage schreiben die Leute auf ein Poster? Das ist schon verrückt. Ich kann es also kaum erwarten, das Album rauszubringen. Ein genaues Datum gibt es aber noch nicht.

Also dieses Jahr noch nicht?
Doch, das könnte schon sein (grinst wieder).

Ihre ersten Songs hat Hailee als Kind geschrieben

Wann hast du den ersten Song deines Lebens geschrieben?
Oh Gott, meine ersten Schreibversuche habe ich mit acht oder neun Jahren gemacht. Aber ich weiß selbst nicht mehr genau, was ich da geschrieben habe. Es war auf jeden Fall nicht gut. Gefühlt schreibe ich schon mein ganzes Leben, nicht nur Songs. Jetzt bin ich soweit, dass ich die Lieder auch der Öffentlichkeit präsentieren möchte. Ich habe das Glück, mit großartigen Songwritern (wie Julia Michaels oder Ryan Tedder, d. Red.) zusammenzuarbeiten, die meine Gedanken, Erfahrungen und Gefühle als Grundlage nehmen, um sie zu diesen wunderbaren Popsongs zu machen.

Wie genau läuft das Schreiben eines Songs bei dir ab?
Ich habe keinen bestimmten Ort zum Songschreiben. Ich mag es natürlich gerne, in meinem Zimmer zu arbeiten, weil ich da eben zuhause bin. Aber ich bin eben oft unterwegs und lasse mich leicht von allen möglichen Dingen inspirieren. Das läuft bei jedem Song unterschiedlich ab. Das macht es so spannend. Es gibt zum Beispiel ein Lied, an dem habe ich monatelang gearbeitet. Ich fand ihn großartig, aber ein kleines Puzzleteil fehlte mir noch, das ich nicht finden konnte. Es kann also Monate dauern und viele Leute involvieren und andere Songs benötigen nicht einmal eine Stunde.

Wie lange hat es beispielsweise bei "Most Girls" gedauert?
Schon eine Weile. Ich war in Atlanta und habe "Pitch Perfect 3" gedreht. Vorher habe ich "Most Girls" zusammen mit einigen anderen Songs aufgenommen. Da wusste ich noch nicht, dass es die nächste Single wird. In Atlanta habe ich "Most Girls" noch mal aufgenommen und dann noch einmal in L.A. Denn es gab einige Dinge, die ich noch ändern wollte. Doch es war noch nicht perfekt. Daraufhin habe ich Ryan Tedder (Frontmann von "One Republic", d.Red.) angerufen, den ich kurz vorher backstage in einer Talkshow kennengelernt und der mir seine Hilfe angeboten hatte. Und er hat dem Song dann den finalen Schliff verpasst. Wir haben zusammen ein bisschen an der Melodie und an dem Text verändert, bis der Song so war, wie er sein sollte.

Für viele Künstler gilt es als Ritterschlag einmal im Wembley Stadion aufzutreten. Wie war das für dich?
Es war unglaublich – zum einen wegen der Fans vor Ort und auch wegen der Künstler, mit denen ich auftreten durfte.



"Ich hatte mit dem frühen Ruhm nie ein Problem"

Hollywoodschauspielerin, Model und nun auch noch Sängerin. Du bist eine echte Powerfrau und Vorbild für viele Mädchen. Was müsste sich deiner Meinung nach noch ändern in Sachen Gleichberechtigung?
Das ist eine sehr umfassende Frage, die ich nicht unbedingt beantworten kann. Ich würde beispielsweise gerne noch mehr mit weiblichen Produzenten und Drehbuchschreibern zusammenarbeiten, obwohl ich selbst schon oft die Gelegenheit dazu hatte. Ich hatte die Ehre mit vielen Frauen zusammenzuarbeiten, die mich auch inspiriert haben. Ich hoffe, dass ich selbst auch ein Teil dieser Bewegung sein kann, die es derzeit gibt.

Du propagierst Girl Power. Hat sich das also deiner Meinung nach das Verhältnis der Frauen untereinander verändert?
Den Eindruck habe ich schon. Ich denke, Frauen – und insbesondere junge Mädchen – finden sich und es gibt mehr ein Miteinander statt Gegeneinander. Darum geht es auch in meinem Song "Most Girls". Die Mädchen von heute streben also nicht mehr unbedingt danach, besonders einzigartig zu sein und sich von den anderen Mädchen abzuheben, sondern sie wollen wie die meisten Mädchen um sie herum sein, nämlich einfach bewundernswert.

Du warst bereits mit 14 Jahren für einen Oscar nominiert, warst also schon als Kind berühmt. Siehst du das eher als Nach- oder als Vorteil?
Ich persönlich hatte mit dem frühen Ruhm nie ein Problem. Ich würde mein Leben nicht ändern wollen. Alles, was passiert ist, hatte einen Grund. Ich habe eine unglaubliche Familie, die mich seit dem ersten Tag unterstützt, wo sie nur kann. Natürlich hatte ich seit meinem achten Lebensjahr bis jetzt ein anderes Leben als andere Teenager, aber das sehe ich nicht als Nachteil.

"Ich weiß das mittlerweile sehr zu schätzen, wenn einmal gar nichts anliegt"

Wie managst du deine ganzen Jobs?
Es ist natürlich eine Herausforderung, wenn ich zwei Dinge zur gleichen Zeit erledigen muss. Ich kann natürlich nicht alles komplett voneinander trennen, das funktioniert nicht. Aber ich fokussiere mich immer auf die eine Sache, an der ich an dem Tag, in der Woche oder in dem Monat arbeite. Bei Filmen ist es leichter zu händeln. Da bin ich vier Monate raus und kann mich komplett darauf konzentrieren. Und wenn ich Songs schreibe, stecke ich meine gesamte Energie da rein.

Köln, Berlin, Sydney – dein Terminkalender ist derzeit gut gefüllt. Was machst du am liebsten, wenn du mal einen Tag frei hast?
Nichts! Absolut gar nichts! Ausruhen, schlafen, vielleicht ein paar Filme schauen, Musik hören – einfach entspannen. Ich weiß das mittlerweile sehr zu schätzen, wenn einmal gar nichts anliegt.

Was ist so besonders für dich nun auch Musikerin zu sein?
Das Beste daran ist, dass man durch die Musik eine Verbindung zu den Menschen da draußen aufbauen kann. Ich bin selbst so ein großer Fan von Musik und es gibt nichts Besseres, als seinen Lieblingskünstler einmal live spielen zu sehen. Und jetzt kenne ich das Gefühl, selbst live zu performen. Das ist ein aufregendes, fast unbeschreibliches Gefühl. Für mich ist das wirklich ein Privileg.

Bist du nervös vor deinen Auftritten?
Hailee: Ja, sogar sehr. Es ist eine geradezu unendliche Geschichte, einen Weg zu finden, damit umzugehen. Als Film-Schauspieler hat man mehrere Möglichkeiten, eine Szene perfekt zu spielen. Als Künstler tritt man live auf und hat genau eine Möglichkeit. Das ist aufregend und verrückt zugleich.

Was machst du in den Minuten vor einem Konzert, beispielsweise in Wembley?
Ich nehme mir Zeit für mich und konzentriere mich auf meine Atmung. Ich versuche in die "Zone" zu kommen und dann geht alles meistens ganz schnell.

"An einem Punkt sind mir die Tränen gekommen"

Nicht nur die Musikwelt war geschockt von dem Anschlag auf das Ariane Grande-Konzert in Manchester. Wo warst du in dem Moment?
Ich war Zuhause in Los Angeles, als ich davon gehört habe und ich konnte es zuerst nicht glauben. Ich war geschockt. Es zerbricht mir wirklich das Herz, dass so etwas passiert ist und so etwas in dieser Welt passieren kann. Ariane Grande hat meinen vollsten Respekt dafür, dass sie kurz danach solch ein Event wie das "One Love Manchester"-Konzert auf die Beine gestellt hat. Das war wirklich großartig. Ich habe es mir im Livestream angeschaut und es hat mich die ganze Zeit geschüttelt. An einem Punkt sind mir die Tränen gekommen. Ich bin ja kurz danach in Wembley aufgetreten und da waren 80.000 Leute, die einfach nur gekommen sind, um Spaß zu haben, ihre Lieblingskünstler live zu sehen und sich einfach für eine kurze Zeit mal eine Auszeit zu gönnen und nicht an ihre Probleme denken zu müssen. Dass dann so etwas Tragisches während so eines Events passieren kann, ist wirklich herzzerreißend.

Was hat das für dich persönlich für Auswirkungen?
Es macht mir schon Angst, wenn ich darüber nachdenke. Aber ich finde auch, wir dürfen uns nicht davon abhalten lassen, das zu tun, was uns glücklich macht. Es ist mehr denn je an der Zeit, zusammen zu kommen und zueinander zu halten. Das ist auch die Botschaft, die das "One Love Manchester" und auch das im Wembley-Stadion vermitteln wollten.


Hailee Steinfeld Musik


InfoHailee Steinfeld: News & Facts

Oscarnominierung mit 14

Die 20-Jährige ist als Schauspielerin bekannt geworden, war bereits als 14-Jährige für ihre Rolle der "Mattie" in dem Western "True Grit" unter der Regie der Coen-Brüder für einen Oscar nominiert; dort spielte sie unter anderem Co-Schauspieler wie Jeff Bridges und Matt Damon an die Wand. Ende des Jahres ist sie in "Pitch Perfect 3" zu sehen, der bei uns am 21. Dezember in die Kinos kommt. Gerade kam heraus, dass Steinfeld die Hauptrolle im "Transformers"-Ableger "Bumblebee" spielen soll, der voraussichtlich im Sommer 2018 anläuft

Model für Miu Miu und Mission

Auch als Model wird Steinfeld gebucht, unter anderem von der italienischen Marke Miu Miu oder aktuell für das US-amerikanische Sportlabel Mission, wo sie in die Fußstapfen von so erfolgreichen Athleten wie Serena Williams (Tennis) und Mia Hamm (Fußball) tritt.

Und jetzt singt sie auch noch

Bereits in "Pitch Perfect 2" hat sie ihre Qualitäten als Sängerin unter Beweis gestellt, kurz danach überraschte sie mit ihrer ersten Single "Love Yourself". Danach kamen erfolgreiche Kollaborationen mit DNCE oder Zedd. Derzeit ist sie mit "Most Girls" in den Charts, am 15. Juli erscheint ihre EP "Haiz". Ihre Fans warten sehnsüchtig auf das Debütalbum, das wohl noch dieses Jahr rauskommen soll


Haiz Hailee SteinfeldUNICUM Musik-Tipp

Haiz

Hailee Steinfeld

Universal Records

VÖ: 15. Juli 2017

Artikel-Bewertung:

3.67 von 5 Sternen bei 18 Bewertungen.

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