Florian David Fitz in "Die Vermessung der Welt"
Florian David Fitz in "Die Vermessung der Welt" | Foto: ©Warner Bros. Home Entertainment
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28. Mär 2013

Ann-Christin Kieter

Promis

Florian David Fitz: "Ich hatte immer Schiss vor Mathe"

Der Schauspieler im Interview

Nasenbluten provozieren – Florians verborgenes Talent

UNICUM ABI: Auf deiner Homepage findet man zu deiner Kindheit den Satz: "Er sieht jetzt vollständig behindert aus." Das klingt, als hättest du mit Mobbing zu kämpfen gehabt.
Fitz: Ich würde jetzt nicht mit den Bildern von damals hausieren gehen, weil ich tatsächlich vollkommen bescheuert aussah. Ich habe geschielt und hatte ein zugeklebtes Auge unter der Brille. Aber Gott sei Dank war das noch vor der Schulzeit, also eher im Kindergarten. Ansonsten konnte ich mich immer ganz gut durchsetzen. Außer vielleicht bei den Pfadfindern. Das waren eher so die handfesten Jungs, bei denen du eins auf die Glocke bekommst, wenn du zu neunmalklug bist.

Apropos neunmalklug. In der Wissenschaftskomödie "Die Vermessung der Welt" übernimmst du die Rolle des Carl Friedrich Gauß. Wir war es für dich, ein Genie zu spielen?
Meine Erfahrung ist, dass Leute, die ein großes Talent in eine Richtung haben, woanders ein Defizit haben. Irgendwie gibt es eine Art Gerechtigkeit, dass man das eine mit dem anderen bezahlen muss. Und bei Gauß ist es die soziale Kompetenz. Da ihm keiner auf der intellektuellen Ebene folgen kann, versucht er wenigstens, durch Liebe verstanden zu werden, was zwischenzeitlich kurz klappt. Das sind Dinge, die kann man im Grundsatz verstehen, auch wenn man selber kein Genie ist.

Wie steht es denn um deine eigenen Mathe-Kenntnisse?
Ich hatte immer Schiss vor Mathe. Aber, als ich gecheckt habe, dass man einfach nur strikt Regeln anwenden muss, war es für mich o.k. Was Gauß macht, ist das genaue Gegenteil. Er schert sich nicht um Regeln, sondern erkennt simple Verbindungen, die vorher keiner gesehen hat. Und er checkt überhaupt nicht, warum die anderen Leute 1+2+3+4+5 bis 100 zusammenrechnen, wenn man doch diese Summenformel entwickeln kann. Wenn man sie weiß, ist sie logisch. Da hätte man auch selber drauf kommen können.

Und wenn die Panik vor Mathe mal zu groß wurde, kam es dir sicher ganz gelegen, dass du früher leicht Nasenbluten provozieren konntest, oder?
Na ja, zu oft kann man den Trick natürlich nicht bringen. Aber es war schon ganz praktisch in Prüfungssituationen, wenn man dachte: "Fuck, darauf bin ich ja gar nicht vorbereitet". Dann habe ich mir unterm Tisch ein bisschen auf die Nase gehauen, habe Nasenbluten bekommen und konnte ins Sekretariat.

Sein vielleicht größtes Verbrechen?

Im Film wird es an einer Stelle ja auch ganz blutig. Die Zahnarzt-Szene …
Ach, um Gottes Willen, ja!

… in der Gauß ohne Betäubung gleich mehrere Zähne herausgerupft bekommt. Ich bin schon ganz schön zusammengezuckt. Aber was ist das erst für ein Gefühl, wenn man sich selbst dabei sieht, wie man solche Höllenqualen erleidet?
Es war unerträglich schmerzhaft mitanzusehen. Für mich war das so krass, dass ich lachen musste. Also nicht, weil ich es lustig fand, sondern weil ich irgendwie Spannung abbauen musste.

Als Alexander von Humboldt wäre dir das erspart geblieben. Hätte die Rolle des Forschungsreisenden nicht eh besser zu dir gepasst? Schließlich hat es dich nach dem Abi direkt für fünf Jahre an eine Schauspielschule in Boston verschlagen.
Ich habe damals tatsächlich denselben Gedanken gehabt. Dann wäre ich der seltsame Typ gewesen und hätte Spaß im Dschungel gehabt. Aber Detlev Buck (der Regisseur, Anm. der Red.) war relativ früh klar, dass ich den Gauß spielen soll. Um ihm vielleicht auch so den Gegentwist zu geben. Das hat für ihn gut funktioniert und eine Spannung ergeben. Und irgendwann verliebt man sich total in eine Rolle und möchte auch gar nicht mehr tauschen. Ich hatte nun auch den weniger stressigen Teil als Albrecht (Abraham Schuch, Anm. der Red.).

Stress ist ein schönes Stichwort. Es kursiert die skurrile Geschichte, du hättest mal einen Fingerabdruck auf einem echten van Gogh hinterlassen?
Oh, die Geschichte. Ich habe beim Auktionshaus Christie’s in New York gekellnert. Einmal hing dort ein echter van Gogh. Winzig klein, 30 mal 30 Zentimeter und eines dieser Selbstgemälde, wo er sich das Ohr abgeschnitten hat. Im Museum sind die normalerweise immer hinter Glas, dort nicht. Sensoren gab es auch keine. Als keiner mehr da war, habe ich mir geleistet, das anzufassen. Das war toll, keiner hat es gemerkt. Und dann wurde es verkauft, für sehr viel Geld. Sichtbare Spuren gab es keine. Das wäre schon ein bisschen krass gewesen.


UNICUM Abi Filmtipp: Die Vermessung der Welt

Eine Portion Bildung und dazu Popcorn und ‘ne große Cola, bitte! Kommt sofort: Mit "Die Vermessung der Welt" läuft seit dem 25. Oktober die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Daniel Kehlmann im Kino. Die Wissenschaftskomödie erzählt die Biografien von Naturforscher Alexander von Humboldt (Albrecht Abraham Schuch) und Mathematiker Carl Friedrich Gauß (Florian David Fitz). Beide haben das Ziel, die Welt zu erkunden. Während Stubenhocker Gauß lieber theoretisch denkt, bereist Weltenbummler Humboldt ferne Länder und führt gefährliche Experimente an sich selbst durch. Was zunächst nach recht trockenem Schulstoff klingt, entpuppt sich dank witziger Dialoge und Szenen (vor allem Schuch und Fitz als alte Männer) tatsächlich als gelungene Unterhaltung. Durch eindrucksvolle Bilder in 3D werden die Lebensumstände und Forschungsmöglichkeiten im beginnenden 19. Jahrhundert besonders greifbar.

Weitere Infos: wwws.warnerbros.de/dievermessungderwelt

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