Clueso im Interview mit UNICUM ABI
Clueso veröffentlichte mit "Strandlichter" sein sechstes Album | Foto: Christoph Koestlin
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01. Okt 2014

Christina Scholten

Musik

UNICUM ABI trifft: Clueso

Das Leben im Jetzt

"Ich bin mein größter Endgegner"

Der Schauspieler Robin Williams ist gestorben, der unter anderem auch Peter Pan gespielt hat. Dem Begriff Peter Pan begegnet man häufiger, wenn man etwas über dich liest. Fühlst du dich auch so, als wenn du nie erwachsen würdest?
Ein bisschen schon. Das kommt aber eher von außen. Ich lebe so, dass Leute sagen: Das ist ein totales Peter-Pan-Leben. Wahrscheinlich weil ich zum Beispiel in einer WG mit einem Haufen 30-Jähriger wohne, die alle Künstler sind und irgendwie alle Kind geblieben sind. Und ich lebe gerne im Jetzt, liebe die Musik und das, was ich tue.

Wer ist denn dein persönlicher Captain Hook?
Ich selbst. Ich bin mein größter Endgegner. Immer wieder.

Unternimmst du viel mit deinen Mitbewohnern?
Wir kochen sehr gerne zusammen. Und wir haben einen kleinen Hof, wo wir einen Pool aufgebaut haben, ein Trampolin und eine Tischtennisplatte. Oder wir bauen aus Paletten irgendwelche Kräutertonnen (lacht). Wir können da also gut rumhängen.

Und gibt es auch manchmal Streit, wie ums Pfandwegbringen oder Spülmaschine-Ausräumen?
Ne, der Kampf ist verloren (lacht). Da haben sich schon bestimmte Strukturen durchgesetzt und es wird deswegen eher belächelt, wenn ich mal mit anpacke. Meine Mitbewohner wissen ja aber auch, dass ich viel unterwegs bin und viel arbeite.

Deine erste Single-Auskopplung heißt Freidrehen. Beschreibt es das, was du in den letzten zwei Jahren gemacht hast, in denen man nichts von dir gehört hat?
In der Anfangsphase schon, da hatte ich endlich mal wieder Zeit, weil ich am nächsten Tag immer ausschlafen konnte. Aber danach habe ich mich sehr in dieses Album gestürzt.



Was hat dich dazu bewegt, dich zurückzuziehen?
Nach jedem Album gibt es normalerweise den Moment, in dem die Wellen ein bisschen nachlassen und es ein bisschen ruhiger wird, das ist aber bei meiner letzten Platte nicht passiert. Nach Cello kamen viele Anfragen rein, meine Berühmtheit ist gestiegen, und ich habe gemerkt: Ich komm nicht mehr zur Ruhe. Mir hat das Musikmachen nicht mehr so viel Spaß gemacht. Dann habe ich aber viel mit zusammen meinem Großvater gespielt, der selbst Musiker ist. Das hat mich wieder zurückgeholt.

Bist du durch deinen Opa auch zur Musik gekommen?
Zum Teil ja, aber nicht ausschließlich. Meine Eltern haben mich zum Gitarrenunterricht geschickt, weil ich so hyperaktiv war. Ich hatte eine Musiklehrerin, die ich furchtbar fand, und ich musste Lieder spielen, auf die ich keine Lust hatte. Deshalb hab ich immer nur gesagt, dass ich Bauchschmerzen hab. Nach dem Unterricht bin ich dann zu meinem Opa gegangen, der eine Straße weiter gewohnt hat, der hat mir Akkorde gezeigt hat, die ich auch spielen wollte.

Du hast schon mit Musikern wie Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken oder Herbert Grönemeyer zusammen gearbeitet. Warum nicht mal mit Leuten in deinem Alter?
Das fragen mich meine Freunde auch oft. Und ich mich ehrlich gesagt auch (lacht). Für mich ist da aber gerade mehr zu holen. Ich finde es interessant, weil sie so viel Erfahrungen haben und damit auch nicht sparen. Sei es mein Opa, sei es Wolfgang Niedecken – ich finde es total cool, mit denen abzuhängen, weil sie dieser Idee nachkommen, mit Musik alt zu werden. Für mich ist das auch ein Ziel, doch das ist nicht einfach. Bei ihnen kann ich mir das direkt anschauen.

"Ich mochte die Schule, aber die Schule mich nicht"

Du hast musikalisch viel autodidaktisch gelernt. Warst du in der Schule auch schon so ehrgeizig?
Überhaupt nicht! Aber ich mochte es sehr, in die Schule zu gehen. Aber die mochten mich dort nicht so sehr.

Warum nicht?
Ich war extrem auffällig. Ich bin sogar von einer Schule geflogen, weil ich meinen fünften Verweis hatte. Ich hab Feuerlöscher im Haus angemacht, alles Mögliche unter Wasser gesetzt, mich mit meiner Klassenlehrerin angelegt, da gab es dann ein kleines Handgemenge und hab in Hauswirtschaft meinem Nachbarn bei der Nähmaschine immer aufs Pedal gedrückt. Und dann war irgendwann einfach mal gut und ich musste gehen. Vor zwei Jahren war ich noch einmal an der Schule und habe die Lehrer wieder getroffen - das war echt krass, weil diejenigen, über die man früher schon gedacht hat, dass sie einen Vogel haben, wirklich einen haben.

Was haben die Lehrer zu deiner Karriere gesagt? Dass sie nie gedacht hätten, dass so etwas aus dir wird?
Genau. Sie hätten nie gedacht, dass das, was ich jetzt bin, daraus wird. Aber sie meinten auch, dass sie die starke Energie bei mir gemerkt hätten.

Ist das eine Genugtuung?
Absolut (lacht). Aber es ist nicht nur eine Genugtuung, es tut mir auch Leid, denn sie hatten es nicht leicht mit mir. Ich möchte so ein Kind, wie ich es damals war, nicht in meiner Nähe haben.

Du hast dann deinen Hauptschulabschluss gemacht, deine anschließende Frisörlehre aber abgebrochen. Bereust du es manchmal, nicht vielleicht noch einen anderen Bildungsweg eingeschlagen zu haben?
Wie könnte ich das bereuen? Aber ich wohne ganz in der Nähe der Uni und habe schon öfter darüber nachgedacht, Kurse zu machen, die mich interessieren. Weil es nervt, immer in demselben Dunstkreis von Leuten zu sein und dort sein Wissen zu erweitern.


Auf die Schnelle

  • Bei dem Song packt mich der Hass:
    Ich haue ungern Kollegen in die Pfanne, aber letztens lief im Supermarkt ein Song von Unheilig und ich hab den Einkaufswagen deshalb vor Wut in die Käseabteilung geschoben.
  • Ein guter Vorsatz der in diesem Leben wahrscheinlich nichts mehr wird?
    Alles viel langsamer zu machen.
  • Das mache ich, wenn es mir mal spontan schlecht geht:
  • Ich koche mir leckeres Essen und hör gern Hörspiele.
  • Was wäre das allererste, das du dir sofort kaufen würdest, wenn du eine Millionen Euro gewinnen würdest?
  • Platz.

Clueso StrandlichterUNICUM Musik-Tipp

Strandlichter

Clueso

Text und Ton (Universal Music)

VÖ: 19. September 2014

Anspieltipps: Sein Song, Lass den Kopf nicht hängen

Mehr Infos: http://www.clueso.de/ & https://www.facebook.com/clueso.musik

 

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