DJ werden
Wir wird man eigentlich ein erfolgreicher DJ? | Foto: Thinkstock/George Doyle
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28. Sep 2012

Mark Heywinkel

Musik

Junge DJs: Alltag zwischen Mischpult und Klassenzimmer

Ein spannendes wie anstrengendes Leben

Soziale Netzwerke pushen die Bekanntheit

Vor einem halben Jahr war Jonas Manteys zweites Leben noch ein mehr oder weniger gut gehütetes Geheimnis. "Ich hab's nie erzählt, und ich wurde auch nie darauf angesprochen", sagt der 16-Jährige über sein DJ-Dasein. "Ich will das auch niemandem auf die Nase binden." Trotz der Verschwiegenheit stieß schließlich ein Mitschüler auf das Facebookprofil von Jonas und ließ die Katze aus dem Sack. Inzwischen weiß sein Bekanntenkreis, dass der Berliner wunderbar klavierlastige Dubstep-Tracks produziert. Dank Facebook, Youtube und Soundcloud stoßen aber auch immer mehr Clubgänger auf Songs wie "Sie ist schön", "Traumtänzer" oder "Einfach Sommer", wodurch der junge DJ allmählich zum Geheimtipp avanciert.

Tracks produzieren, Gigs spielen, fürs Abi lernen

Über diesen Status ist Etnik Zarari bereits hinaus. Mit Warner Music steht der 20-jährige Hamburger seit Kurzem bei einem der größten Labels des Landes unter Vertrag. Für sein Leben ausgesorgt hat Etnik damit zwar noch nicht, allerdings beschränkt sich sein Fankreis durch die professionelle Unterstützung längst nicht mehr auf eine kleine Gruppe eingeweihter Szeneleute aus der Hansestadt. Bei Festivals stand Etnik vor Hunderten von Menschen auf der Bühne. Tracks wie "Vino" haben bereits die Landesgrenze überschritten. Und im Sommer reiste Etnik sogar auf die andere Seite des Globus, um Clubs in Australien unter seiner massiven Elektromucke vibrieren zu lassen. Sydney, sagt er, sei dabei sein bisheriges Gig-Highlight gewesen.

Zwar trennen Jonas und Etnik ein Altersunterschied von vier Jahren, wenn sie nicht gerade unterwegs sind mindestens 300 Kilometer Luftlinie und musikalisch eine noch weitere Distanz. Als Schüler und DJs haben sie jedoch beide mit dem Problem zu kämpfen, ihre zwei zuweilen gegensätzlichen Leben unter einen Hut zu bekommen, müssen neue Tracks produzieren, Auftritte absolvieren und trotzdem noch fit für Klausuren sein. Und in diesem wichtigen Punkt eint sie ein ähnlicher Umgang mit ihrem Doppelleben.

Schule und Musik: Da ist Zeitmanagment wichtig

Sowohl bei Etnik als auch bei Jonas Mantey geht die Schule vor. Für beide ist das eine meist schwierige und schmerzliche Prioritätensetzung, gerade weil die Jungs mit ihrer Musik so erfolgreich sind. Jonas gelingt das aufgrund eines Schulwechsels gut. "Bis zur zehnten Klasse war ich auf einer Gesamtschule. Und damit kann ich die 13 Jahre Schule genießen", erklärt er flapsig. "Jetzt bin ich auf einer gymnasialen Oberstufe. Da ich 13 Jahre habe, fehlt mir keine Klasse, und von daher ist es im Moment sehr entspannt." Trotz großzügigem Lehrplan sei Zeitmanagement das A und O, um den DJ-Job nebenher wuppen zu können.

Ans Schule-Hinschmeißen ist nicht zu denken

Noch größer ist diese Herausforderung für Etnik, der mit seiner Musik schon ein Stück weiter ist und sich nun im harten Musikgeschäft behaupten muss. "Neben dem DJing produziere ich meine eigenen Tracks und Remixe", erklärt der Hamburger. Dass er ein Perfektionist sei, mache die Sache nicht einfacher. "Es kann ab und an sein, dass ich nachts mehrere Stunden vor einem Synth sitze und rumwerkle, bis ich den für mich perfekten Sound gefunden habe. Das ist nicht grade ideal, wenn man am Tag in die Schule gehen muss und zum Beispiel eine Klausur schreibt."  Problematisch werde es auch, wenn Angebote für Gigs mit Schultagen zusammenfielen. Ans Schule-Hinschmeißen habe Etnik dennoch noch nicht gedacht.

Ein Plan B ist für die DJ-Karriere ein Muss

Jonas schon. "Aber ich würde das nie machen, weil man nie weiß, was passieren wird", sagt er. "Gerade in diesen Zeiten weiß man nie, wie es finanziell mal sein wird." Sich aufs Produzieren konzentrieren zu können, sei zwar ein Traum, den er sich zu gern erfüllen würde. "Aber ein gewisser Rückhalt, ein Plan B, ist auf jeden Fall sehr wichtig", meint der junge DJ verantwortungsbewusst und fügt hinzu: "Ich werde auf jeden Fall mein Abitur machen."

Für die Zeit zwischen Abi und Studium plant Jonas jedoch, sich erst einmal auf seine Musik zu konzentrieren – seinen minimalistischen Sound zu verfeinern, neue Songs zu entwickeln und vor allem: Geschichten zu erzählen, mit einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss. "Wenn man etwas liest, dann spielt sich im Kopf ein kleiner Film ab", erklärt Jonas seine Herangehensweise an Songs. "Und das versuche ich mit einem Musikstück auch zu erreichen. Ich versuche, ein bisschen mehr als einen Song zu machen." Ein großes, aber auch erreichbares Ziel für einen, der bald kein Geheimtipp mehr sein wird.


Gesetzliche Regelungen für junge Künstler

Es ist schon schwer genug, im Teenie-Alter als Musiker ernst genommen zu werden. Von einer großen Menge an Hörern wahrgenommen zu werden, ist noch eine Ecke schwerer. Und groß durchzustarten kommt fast schon einem Lottogewinn gleich. Zum einen, weil die Konkurrenz an jungen Talenten unglaublich groß ist. Zum anderen erschweren aber auch die hiesigen Gesetze eine Karriere in jungen Jahren.

  • Zum Beispiel können Teenie-Künstler nicht allein über ihre Karriere entscheiden: Unter 18 gilt man noch nicht als voll geschäftsfähig und braucht stets Mama und Papa an seiner Seite, um Verträge zu unterzeichnen.
  • Vor allem aber das Jugendarbeitsschutzgesetz macht ausschweifenden Konzerten oder Clubnächten junger Musiker ganz schnell einen Strich durch die Rechnung. Unter Paragraph 14 heißt es nämlich, dass Jugendliche "nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr beschäftigt werden" dürfen.

Sicher sind diese Regelungen sinnvoll, um Praktikanten oder junge Jobber vor kräftezehrenden Nachtschichten und Überstunden zu bewahren. Für Sänger, DJs oder Bands unter 16 Jahren, die vornehmlich abends auftreten wollen und müssen, hat das Gesetz aber auch zur Folge, dass sie nur bis 22 Uhr auftreten dürfen.

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